Die Journalistin Frieda wohnt seit drei Jahren mit Leo zusammen in Wien. Für ihre nächste Arbeit liegt ihr eine Studie von Dr. Piper aus Boston vor, der in ayurvedischen Produkten eine Grenzwertüberschreitung der giftigen Substanzen Quecksilber, Blei und Arsen festgestellt hat. Ayurvedavertreter hingegen sprechen von einer unbedenklichen Überführung in einen nicht toxischen Zustand. Im Rahmen ihrer Recherchen führt Frieda ein Interview mit Lotte Prinz, die seit einer Ayurvedakur an starkem Ausschlag leidet und den Klinikleiter unseriöser Praktiken bezichtigt.

Als Friedas Arbeitskollege Bernd, der ebenfalls in dieser Sache recherchiert, in Südostindien einen tödlichen Unfall erleidet, findet sie beim Aufräumen in seinem Büro eine handschriftliche Notiz von ihm, die sie nicht zu deuten weiß. Dass ihr Freund Leo als Anhänger der ayurvedischen Medizin mit ihr in Kerala eine Kur machen will, kommt ihr nur gelegen. Allerdings lässt sie ihn über ihre Absichten im Unklaren. Sie plant mit Dr. Piper ein Treffen zum Medizinerkongress in Chennai, doch weiß sie noch nicht, dass er längst erpresst wird. Ajith Nair und sein Chef Singh, die als Unternehmer kräftig an dem Boom mit Ayurveda-Produkten verdienen, wollen ihn zwingen, seine Forschungen einzustellen. Frieda begibt sich auf die Spur ihres verunglückten Kollegen Bernd und ahnt nicht, dass Ajith sie bereits verfolgt.

In einer Zeit, in der Ärzte in einer „krankenkassengestützten Ordination“ immer mehr an Überzeugungskraft verlieren, wenden sich die Kranken zunehmend von der Schulmedizin ab. Franz Kabelka prangert in seinem Roman Gesundes Gift die in der Ayurvedamedizin übliche Praxis von Beimengungen toxischer Substanzen an, die nicht nur für die Behandelten eine Gefahr bedeuten, sondern vor allem auch für die Arbeiterinnen in der Produktion, die den schleichenden Giften jahrelang ausgesetzt sind. Er macht darauf aufmerksam, dass als Nahrungsergänzung getarnte Mittel nicht einmal unter die Kontrolle der Gesundheitsbehörden fallen. Am Beispiel von Chandra, der Schwester von Ajith Nair, weist er auf die katastrophalen Arbeitsbedingungen in einem Land wie Indien hin, in dem Frauen so gut wie nichts zählen. Zeigt eine Frau ihren Peiniger an, muss sie mit einem von Säure verätzten Gesicht rechnen oder lebendig angezündet zu werden. Massenvergewaltigungen werden von der Polizei gedeckt, wobei der Autor an das Schicksal der in einem Bus 2012 vergewaltigten Studentin in Delhi erinnert. Das Land musste nicht nur den im Jahr 2004 über den Indischen Ozean hereinbrechenden Tsunami verkraften, sondern Tote gehören bei der Ernte zum Leben, tausende sind obdachlos und Kunststoffmüll wird aus Unwissenheit oder Profitgier in die Biogasanlagen gegeben.

Franz Kabelka vermittelt dem Leser aber auch viel von der indischen Kultur und der Mentalität der Menschen und schreibt detailliert von den Aufnahmegesprächen und Anwendungen einer Ayurvedakur. Bei den Ausführungen zum erforderlichen Visum für Indien mag er vielleicht auf eigene Erfahrungen zurückgegriffen haben und seine Verbundenheit zu Kuba wird durch wiederholte Andeutungen im Buch deutlich. Mit dem Roman Gesundes Gift packt Franz Kabelka mit wissenschaftlichen Untermauerungen ein „heißes Eisen“ an, was Vertretern der Ayurvedamedizin wenig gefallen wird. Nicht an medizinischen Themen Interessierte werden lediglich zu Beginn des Romans auf eine Geduldsprobe gestellt, denn der zunehmend spannender werdenden Handlung können auch sie sich nicht entziehen.

Franz Kabelka, Gesundes Gift, Styria Premium 2014, Hardcover mit Schutzumschlag, 335 Seiten, ISBN 978-3-222-13466-1, Preis: 19,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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