Isolde Schwartz ist Anfang sechzig, lebt in München und ist eine berühmte Philosophin. Eines Tages eröffnet sie in einem Telefonat der erstaunten Sylvie Vaughan, dass sie Nachbarinnen sind. Sie würden sich von einem Symposium in Boston kennen und Sylvie könnte ihr Haus vom Fenster aus sehen. Am nächsten Tag trifft Sylvie die Frau hinter Hecken, die ihr erzählt, dass ihr Mann bereits vor zehn Jahren verstorben ist. Sie hätte einen Geliebten, Florian Waldeck, der sie jedoch nur ausnutzen würde. Aus Dummheit hätte sie ihm ihre Haushälfte überschrieben und will ihn nun loswerden, wobei ihr Sylvie helfen soll.

Sylvie hat mit drei Jahren ihren nicht leiblichen Vater verloren und als sie dreizehn war, hat sich ihre Mutter in einem See ertränkt. Ahmed Abdullah hat ihr ein von Beduinen erbautes Öko-Ressort, die Siwa Oase, vermacht und sich im letzten Jahr zu Weihnachten als ihr leiblicher Vater zu erkennen gegeben. Sylvie will Isolde helfen und vermittelt ihr die Adresse einer Notarin. Doch in einem weiteren Telefonat kündigt Isolde einen Rückzug an. Sylvie weiß nicht, was damit gemeint sein soll und quält sich mit Fragen, die das Schlimmste befürchten lassen. Sie geht zum Haus von Isolde und trifft dort auf Florian Waldeck.

In dem Roman Frau hinter Hecken von Jana Revedin dreht sich im Grunde alles nur um zwei Frauen: Sylvie plagen Schuldgefühle, weil sie den Freitod ihrer Mutter nicht verhindert hat und auf Isolde lastet etwas, das sie nicht alleine lösen kann. Sylvie fürchtet aufgrund von nebulösen Andeutungen, dass sich Isolde etwas antun könnte. In kurzen Absätzen und teilweise nur Fragmenten schreibt die Autorin von einer Frau, „in deren Haus Stimmen und Schatten“ sowie „schreiende Menschenbilder und Lügen“ wohnen. Sie serviert dem Leser das Offensichtliche nicht auf einem Tablett, sondern zwingt ihn durch Fingerzeige zum Nachdenken. Von Anfang an konfrontiert der Roman den Leser mit einer ungewöhnlichen Stimmung, die in eine zunehmend düstere Stimmung umschlägt. Dass sich Isolde hinter Hecken und Lügen versteckt, liegt letztlich an ihrer Sucht, die ihr „die Ehre geraubt“ hat.
Jana Revedin fand es offensichtlich wichtig zu erwähnen, dass die in der libyschen Wüste gelegene Siwa Oase für die Al Qaida heute als Ort für den Waffenschmuggel genutzt wird. Der nur wenig Text umfassende Roman füllt nicht mehr als einen Leseabend aus. Auch wenn er sich einem wichtigen Thema widmet, von dem der Leser allerdings erst auf den letzten Seiten erfährt, so wird das Buch kaum jemand einem Freund als Lektüre empfehlen.

Jana Revedin, Frau hinter Hecken, Styria Premium 2014, Hardcover mit Schutzumschlag, 104 Seiten, ISBN 978-3-222-13441-8, Preis: 15,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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