Eythra, im südlichen Raum von Leipzig gelegen, war bereits mehr als tausend Jahre alt, als die beiden Orte Eythra und Bösdorf der Zerstörung durch die Braunkohlebagger zum Opfer vielen. Der aufwändig gestaltete Textbildband Eythra – Am Rande der Großstadt von Werner Klötzer und seinem Autorenteam möchte den Leser auf eine Zeitreise in vergangene Jahrzehnte mitnehmen und Erinnerungen bei all denen wecken, die Eythra und Bösdorf noch aus eigenem Erleben kennen. Aber auch der jüngeren Generation soll ein Stück Heimatgeschichte vermittelt werden.

Nach einem Vorwort von Holger Schulz, dem Bürgermeister der Stadt Zwenkau, lädt Werner Klötzer den Leser zu einem Spaziergang durch die „Weiße Mark“ ein. Danach erinnert er an die Geschichte der Kirchen und ihre Glocken sowie die „Rittergüter und ihre Herrensitze“ in Eythra und Bösdorf. Rudolf Binsack berichtet über das Schicksal seiner Familie während des Zweiten Weltkriegs und von dem Unrecht, das ihnen nach der Bodenreform widerfahren ist und das sein Vater bis zu seinem Tode nicht verwunden hat. Auch die Familie von Wolfgang Ulrich, dessen Vater mit Leib und Seele Landwirt auf dem Rittergut Neuhof war, wurde 1945 enteignet, verhaftet und in ein Lager bei Dresden gebracht. Ein Schicksal, das damals etwa 12.000 Familien ereilte, die von Haus und Hof vertrieben wurden.

Nach einem Abstecher über „Industrie, Landwirtschaft und Gartenbau“ in Eythra und Bösdorf erzählt Werner Klötzer vom „Krieg an der Heimatfront“. Bahn, Post und Feuerwehren sowie das pulsierende Vereinsleben sind weitere Themen, mit denen sich das Autorenteam auseinandersetzt. Und über die Kindergärten, die in früheren Zeiten als „Anstalt“ bezeichnet wurden, weiß Marga Zeun zu berichten, bevor es über „Schiefertafel, Rohrstock und Taschenrechner“ in den Schulen mit den Klassentreffen der ehemaligen Schüler und einigen Erinnerungen weitergeht.

Gleich zu Beginn der Lektüre des Textbildbandes Eythra – Am Rande der Großstadt von Werner Klötzer und seinem Autorenteam wird dem Leser durch einige Passagen, die Ortskenntnisse voraussetzen, klar: Wer die früheren, örtlichen Gegebenheiten sowie die damaligen Firmen oder Vereine gar nicht kennt, dem wird dieses Buch nur wenig Freude bereiten. So sind die geschichtlichen Ausführungen von Werner Klötzer zwar informativ, aber nicht unterhaltsam verpackt, sondern eher ermüdend verfasst. Einzig die Beiträge „Das Rittergut Eythra und die Familie Binsack“ von Rudolf Binsack und „Rittergut Neuhof“ des inzwischen verstorbenen Wolfgang Ulrich sowie „Die Post war da“ von Gunter Arndt sind Lichtblicke, die dem Leser nicht nur Wissenswertes vermitteln, sondern ihn auch zu unterhalten vermögen. Sollten allerdings alle in dem Buch Eythra – Am Rande der Großstadt namentlich erwähnten Personen ein Exemplar erwerben, so wird selbst dieses Werk eine zahlreiche Leserschaft erreichen.

Werner Klötzer, Eythra – Am Rande der Großstadt, Engelsdorfer Verlag 2012, Hardcover, 296 Seiten, ISBN 978-3-95488-073-7, Preis: 18,00 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

2 Kommentare

  1. Mir gefällt dieses Buch sehr gut, denn ich habe als Kind in Eythra gewohnt.

  2. Ein sehr interessantes Buch, dass einmal mehr daran erinnert, welche Zerstörungen durch Braunkohlebagger angerichtet werden. Ich werde übrigens nicht in dem Buch namentlich erwähnt und habe es trotzdem gekauft!

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