Es war schon immer ziemlich kalt von Ela Meyer

Es war schon immer ziemlich kaltVor acht Jahren haben Insa und Hannes, die seit der Kindergartenzeit unzertrennlich sind, ihrem Dorf in Friesland den Rücken gekehrt und sind nach Hamburg gezogen. Als er entschlossen erklärt, wieder nach Friesland zu ziehen, um die von seinem Großvater betriebene Autowerkstatt wiederzueröffnen, fällt Insa aus allen Wolken und fragt sich, was dann aus ihr werden soll. Zudem sorgt sich die Siebenundzwanzigjährige über die zunehmende Taubheit ihrer linken Hand. Während ihr schwuler Freund Hannes seine neue Wohnung renoviert, lässt sie sich im Krankenhaus untersuchen. Auch wenn die Diagnose noch unklar ist und in drei Monaten ein MRT gemacht werden soll, besteht bei ihr der Verdacht auf Multiple Sklerose.

Noch zwei Wochen jobbt Insa zur Aushilfe als Briefträgerin, bevor sie wieder Arbeitslosengeld beantragen muss. Da meldet sich Nico bei ihr, ebenfalls ein Freund aus Kindheitstagen von ihr und auch von Hannes, mit dem beide gemeinsam in einer Band gespielt haben. Sein Angebot, für drei bis vier Wochen nach Spanien zu fahren, kommt ihr gerade recht. Seine Mutter hat ihn vor zehn Jahren verlassen und ist zu seinem leiblichen Vater Leo nach Barcelona gezogen, während Robert, der Nico großgezogen hat, für diesen der eigentliche Vater war. Doch bevor die Reise losgehen kann, soll Nico noch Sachen von seiner Mutter im friesischen Dorf abholen. Insa nutzt die Gelegenheit für einen Besuch bei ihrer Mutter und ihrer Schwester Katinka.

Schließlich machen sich Insa mit Hannes und dem als Musikpädagoge arbeitenden Nico mit einem alten Mercedesbus auf den Weg. Nach Zwischenstopps in Pulheim und Metz lässt Hannes, auf den sich im Auto befindlichen Verstärker angesprochen, plötzlich die „Bombe platzen“: Es hätte sich angeboten, auf dem Weg zu Nicos Mutter in Barcelona bei Insas Ex Klas vorbeizufahren, dem das Teil gehört und dem sie es zurückbringen könnten. Für Insa bedeutet das ein Wiedersehen mit ihrem Ex!

Ela Meyer lässt ihre Protagonistin Insa das Geschehen in ihrem Roman „Es war schon immer ziemlich kalt“ in der Ich-Form berichten, was ihr ermöglicht hat, den Plot in umgangssprachlichem, lockerem Ton zu verfassen. Hannes, Nico und Insa haben sich trotz ihres mit auf die Dreißig zugehenden Alters noch nicht von der Jugendzeit verabschiedet, kiffen, leben in den Tag hinein und sind noch auf der Suche nach ihrem Platz im Leben. Hannes quält immer wieder die Frage, ob er wirklich zurück nach Friesland will und Insa sich selbst überlassen kann. Nico verliebt sich ausgerechnet in die bereits schwangere Anne, hat Angst vor der Begegnung mit seiner Mutter und vor allem mit seinem leiblichen Vater Leo, dem er noch nie begegnet ist. Und Insa, die ihrer Haut mit einer Klinge Verletzungen zugefügt hat, ist eifersüchtig auf Nico und muss auch noch Ersatz für das freiwerdende Zimmer von Hannes finden, wobei sie nicht sicher ist, ob sie das ihrer erst sechzehnjährigen Schwester Katinka überlassen soll.

Wie Ela Meyer hat auch ihre Protagonistin in dem Roman „Es war schon immer ziemlich kalt“ in der Drogenhilfe gearbeitet, und Nicos Mutter unterrichtet Deutsch an einer Schule in Barcelona, während die Autorin ebenfalls Deutsch als Fremdsprache gelehrt hat. Es ist auch kein Zufall, dass das Ziel der Handlungspersonen Barcelona ist, wo die in Friesland aufgewachsene Ela Meyer heute lebt, so dass sie den Leser auf eine real erscheinende Reise mit vielen Details quer durch Frankreich bis nach Spanien mitnehmen kann. Die aktuellen Ereignisse werden immer wieder durch Kindheits- oder Jugenderinnerungen von Insa unterbrochen. Während der Autofahrt gesellt sich zu der Gruppe ein streunender Hund, und immer wieder sorgen neue Enthüllungen für Empörungen der anderen beiden. Ein interessanter Roman, in dem es um das Loslassen einer unbeschwerten Jugend hin zum Erwachsenwerden geht, denn beim letzten gemeinsamen Joint der drei hören sie ein Lied, in dem es heißt, „Werd vernünftig, los, werd alt. Und Jahr für Jahr wirds immer kälter Und ich mein, es war schon ziemlich kalt.“

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Es war schon immer ziemlich kalt von Ela Meyer

Es war schon immer ziemlich kalt
GOYA Verlag 2022
Klappenbroschur
288 Seiten
ISBN 978-3-8337-4456-3

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Bildquelle: GOYA Verlag
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