Die verstummte Liebe von Melanie Metzenthin

Die verstummte LiebeNach dem plötzlichen Tod ihres Vaters James Mitchell erkennt Ellinor ihre Mutter Helen nicht mehr wieder. Diese verhält sich eigenartig und scheint den Verstand verloren zu haben. Zudem spricht sie von Opfern, die sie hätte bringen müssen, vom Glück des Lebens, um das sie gebracht worden ist und davon, dass sie mit dem Tod ihres Ehemannes endlich frei würde. Schließlich zeigt Helen ihrer Tochter ein Telegramm, das den zwei Jahre zurückliegenden Tod eines Dr. Ludwig Ellerweg im Jahr 1943 zum Inhalt hat, der die große Liebe ihrer Mutter gewesen sein soll. Ellinor ist wie vor den Kopf gestoßen und will wissen, was das zu bedeuten hat, woraufhin ihre Mutter ihr eine lange Geschichte erzählt.

Helen wächst als Tochter des gut situierten Bankdirektors Kenneth Manderville auf, der es an nichts fehlt: Eine Gouvernante übernimmt ihre Erziehung, sie erhält privaten Unterricht in Sprachen und Angestellte umsorgen die Familie. Ihre Eltern sähen gerne den angehenden Juristen James Mitchell als ihren Schwiegersohn, der Helen zu ihrer Freude auch den Hof macht. Doch die aufgeweckte und selbstbewusste junge Frau macht dem durchaus attraktiven jungen Mann in aller Deutlichkeit klar, dass sie nach Selbstverwirklichung trachtet und andere Pläne verfolgt, was ihn jedoch nicht bekümmert. Um die von ihren Eltern geforderte Verlobung aufzuschieben, kann Helen ihren Vater zu einer Europareise überreden. Während der dreimonatigen Abwesenheit hofft sie, dass James eine andere Frau kennen und lieben lernt.

Die Europareise führt Helen im Jahr 1898 unter anderem nach Deutschland, wo sie die Bekanntschaft des Medizinstudenten Ludwig Ellerweg macht. Anders als James hat er Verständnis für ihren Wissensdurst, und durch ihn lernt sie Menschen kennen, die gebildete Frauen schätzen. Das Paar verliebt sich und vereinbart, sich bis zur Volljährigkeit von Helen zu gedulden. Nach der Rückkehr in London verheimlicht sie die Verbindung vor den Eltern und schmiedet einen Fluchtplan, den sie mit einundzwanzig Jahren umsetzt. In Hamburg heiratet sie Ludwig, der inzwischen eine eigene Arztpraxis hat. Ihr erstes Kind Fritz vervollkommnet das Glück des jungen Paares, und Helen ist ihrem Mann eine gute Sprechstundenhilfe. Doch dann erkrankt ihre Mutter ausgerechnet nach den auf das österreichische Thronfolgerpaar abgegebenen tödlichen Schüssen schwer. Helen reist alleine nach London, der 1. Weltkrieg bricht aus und die Fährverbindungen werden eingestellt.

Der Roman „Die verstummte Liebe“ von Melanie Metzenthin ist ein Prequel des Romans „Die Stimmlosen“, quasi ein Vorgänger zu einer Geschichte, die das Geschehen aus Sicht von Helen wiedergibt. Da die ersten Seiten im Jahr 1945 ansetzen, weiß der Leser auch schon, dass Helen die Ehefrau von James Mitchell wurde, mit dem sie die Kinder Ellinor und Thomas hat. Aber gerade dieser Umstand macht ihn neugierig darauf, wie es im Leben von Helen eine andere große Liebe geben konnte, nämlich die zu dem deutschen Arzt Ludwig Ellerweg, und wie der Ausbruch des Krieges ihrem Leben eine völlig andere Richtung gab.

Die Autorin hat exzellente Recherchen für den Roman „Die verstummte Liebe“ betrieben, sei es die erwähnte Eröffnung des französischen Grandhotels Ritz im Juni 1898, des italienischen Arztes Scipione Riva-Rocci, dem es gelang, mittels einer Armmanschette eine Blutdruckmessung vorzunehmen oder die bereits im Jahr 1797 eröffnete, auch heute noch zu den bedeutendsten Läden in Großbritannien gehörende Buchhandlung Hatchards. Sehr eindrucksvoll und realistisch schreibt Melanie Metzenthin von der Not der Bürger in Kriegszeiten, und als Fachärztin für Psychiatrie hat sie gekonnt eine Reihe psychischer Erkrankungen in den zunehmend spannender werdenden, ergreifenden und wendungsreichen Plot einfließen lassen, der das Interesse des Lesers am Fortgang der Handlung bis zum Schluss nicht abebben lässt.

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Die verstummte Liebe von Melanie Metzenthin

Die verstummte Liebe
Tinte & Feder 2021
Taschenbuch
461 Seiten
ISBN 978-2-496-70392-4

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Bildquelle: Amazon


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