Die Spur des Barolo von Paul Grote

Die Spur des BaroloFür die Chinesen sind von Europäern entwickelte Technologien, wie das Know-How des Deutschen Bergbaus, enorm wichtig. Stahlwerke, wie die Henrichshütte, haben sie demontiert und abtransportiert, wobei alles, was nicht abmontiert werden durfte, speziell gekennzeichnet werden musste. Ähnliches zeichnet sich aktuell beim Weinanbau ab, der in China auf eine lange Tradition zurückblicken kann. Allerdings ließ die Qualität zu wünschen übrig, so dass seit einigen Jahren das Fachwissen von Önologen und das erfahrener Kellermeister immer mehr gefragt ist. Paul Grote hat in seinem Kriminalroman Die Spur des Barolo dieses Thema aufgegriffen.

Francesca Sturm wartet am Düsseldorfer Flughafen auf ihren Mann Arnold, der mit sechs weiteren Kollegen eines Weinclubs von einer Weinreise durch das Piemont zurück erwartet wird. Doch er ist nicht an Bord, so dass seine Frau lediglich seinen Koffer in Empfang nehmen kann. Der Vertreter der Fluggesellschaft kann sich diesen Umstand wie die hinzugezogene Flughafenpolizei nicht erklären, denn Arnold soll in Turin eingecheckt und an Bord gegangen sein. Francesca ist völlig aufgelöst. Zu Hause bespricht sie die Lage mit ihren Eltern Donna Marcella und Angelo Feltrinelli sowie ihrem Bruder Basilio, der das elterliche Restaurant leitet. Kurzerhand ergreift ihre Mutter die Initiative: Als Einkäuferin für italienische Restaurants getarnt soll Francesca, der das als Wirtschaftsprüferin mit italienischen Wurzeln nicht schwer fallen dürfte, auf der Reiseroute des Weinclubs nach Spuren ihres verschwundenen Mannes suchen.

Geschäftspartner ihres Mannes haben auf seinem Computer in der Kanzlei eine geheime, nicht zu öffnende Datei entdeckt, die mit Hilfe des Sohnes von Francesca geknackt werden soll. Es ist zu befürchten, dass Arnold als Wirtschaftsanwalt in einen kritischen Fall verwickelt ist. Von ihrem Vater theoretisch und praktisch in die Geheimnisse des Weins eingewiesen, macht sich Francesca auf den Weg. Von verschiedenen Seiten wird ihr Hilfe angeboten, doch kann sie Steffan von Melchior, ihrem Cousin Ludovico oder dem Präfekten Cavaletti trauen, zumal nicht sichergestellt ist, ob die italienischen Sicherheitsdienste nicht von der Mafia kontrolliert werden. Francesca muss ihre Identität verbergen, andernfalls ist sie in großer Gefahr.

Wer bei dem Roman Die Spur des Barolo vordergründig eine spannende Kriminalgeschichte sucht, wird enttäuscht. Obwohl dem Roman sicher auch Spannung attestiert werden kann, geht es doch in erster Linie um Wein. Ausführlich geht Paul Grote auf die Bedeutung der Weinfässer, Gebietseinteilungen, Qualitätsstufen, Rebsorten und die veränderten Kundenwünsche sowie Trends ein. Selbst Spezialist auf diesem Gebiet, erklärt er, wie aus Trauben Wein entsteht, was unter der Maische oder der Trinkreife zu verstehen ist und dass Tannine einen Wein erst lagerfähig machen. Der Leser erfährt auch, wie die Erntemenge letztendlich für den Geschmack des Weins entscheidend ist, und dass ein Weinverkoster den Wein für seine Beurteilung nicht trinkt. Bei allem wird der Leser durch eine herrliche Landschaft geführt und „besucht“ mit Francesca die verschiedenen Weingüter, zu denen ihm interessantes Hintergrundwissen vermittelt wird.

Paul Grote gewährt aber auch einen kritischen Blick hinter die Kulissen und belegt billige Supermarktware mit einer abwertenden Bemerkung. Manche in der Gastronomie angebotenen Weine grenzen seiner Meinung nach sogar an Körperverletzung, wobei er sich zumindest der Zustimmung professioneller Weinverkoster sicher sein kann. Für Weintrinker und Kenner, die italienische Weine wie Barolo, Barbaresco oder Barbera schätzen, ist der Roman, der sich zunehmend zu einem Wirtschaftskrimi mausert, ein Muss!

Paul Grote, Die Spur des Barolo , dtv 2015, Taschenbuch, 416 Seiten, ISBN 978-3-423-21603-6, Preis: 9,95 Euro.

Bildquelle: dtv

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