Die Stationsschwester Katharina Hofmann hat ein Verhältnis mit dem Arzt Dr. Roland Keller, der in der gleichen Klinik wie sie arbeitet. Bei einem ihrer regelmäßigen Treffen in einem Hotel schenkt ihr Roland zwei Karten für eine Theatervorstellung. Doch ihre Mitbewohnerin Leonie zieht einen Abend im Technoklub dem Besuch des Theaters vor. Während der Vorstellung erhält Katharina eine Nachricht, dass sich eine Kollegin krank gemeldet hat und sie erklärt sich sofort bereit einzuspringen, da sie gerne die frei gewordene Stelle als Stationsleiterin übernehmen möchte. Als sie sich zu Fuß vom Theater auf den Weg nach Hause macht, um in ihre Arbeitskleidung zu schlüpfen, wird sie von drei Männern überfallen und kann nur knapp einer Vergewaltigung entgehen. Doch nur wenige Tage später erleidet sie einen Zusammenbruch und wird ausgerechnet in das Krankenhaus eingeliefert, in dem sie arbeitet. Nach zwei Tagen wird sie entlassen, ist aber weiterhin krankgeschrieben. Roland hat sich nicht mehr bei Katharina gemeldet, und von Leonie erfährt sie, dass dieser die Stationsleitung angeboten wurde. In der Anrufliste ihres Handys sieht Katharina, dass ihre Schwester Sara, zu der sie seit einem Streit zu Weihnachten keinen Kontakt mehr hat, mehrmals am selben Tag versucht hat sie zu erreichen. Außerdem findet sie eine seltsame Sprachnachricht von ihr auf dem Anrufbeantworter. Nachdem sie vergeblich versucht hat, ihre Schwester auf dem Handy und in ihrer Wohnung zu erreichen, beschließt sie, zu ihr nach Rostock zu fahren.

Bereits beim Betreten der Wohnung wird Katharina klar, dass ihre Schwester seit Tagen nicht mehr zu Hause war. Es überkommt sie die Angst, ihr könnte etwas zugestoßen sein. Beim Amtsgericht in Rostock, für das Sara als Gerichtsvollzieherin arbeitet, erfährt Katharina zu ihrer Überraschung, dass ihre Schwester sich in der letzten Woche krank gemeldet hat und sie beschließt deshalb, in den Krankenhäusern nachzuforschen. Doch schließlich muss sie eine Vermisstenanzeige bei der Polizei aufgeben. In Saras Kalender findet Katharina einen Eintrag für den Tag ihres letzten Anrufs, einen Termin um zehn Uhr in Grantzow auf dem Rechenbachhof. Demnach hatte Sara an diesem Tag beruflich in dem Dorf zu tun, und Katharina fährt nach Grantzow, um sich dort nach ihrer Schwester zu erkundigen. Das idyllisch gelegene Dorf macht einen sehr gepflegten Eindruck, und die Bewohner grüßen sie freundlich. Doch Ursula Breker, die den Rechenbachhof betreibt, behauptet, sich nicht an eine Sara Hofmann erinnern zu können. Bei ihren weiteren Nachforschungen fallen Katharina allerdings einige Merkwürdigkeiten auf, die nicht in das Bild der scheinbar perfekten Dorfgemeinschaft passen.

In seinem Roman Die Sippe hat Marc-Oliver Bischoff eine rechtsextreme Ökobewegung, die sogenannten Völkischen Siedler, zum Thema gemacht. Das sie nicht einfach als konservative Ökobauern anzusehen sind, macht er an den Bewohnern des Dorfs Grantzow deutlich, die mit ihrem freundlichen Auftreten einen harmlosen Anschein erwecken, der zunächst täuschen kann. Es wird jedoch im Verlauf der Handlung klar, dass sie bereit sind, für ihre Überzeugungen zu töten. Besonders kritisch schildert der Autor die Rolle, die das Landeskriminalamt in diesem Fall einnimmt, das einen Informanten in die Dorfgemeinschaft eingeschleust hat, der im weiteren Verlauf das Drama erst herbeiführt. So vermag der durchaus spannende und in einem flüssigen Schreibstil verfasste Kriminalroman Die Sippe den Leser nicht nur zu fesseln, sondern regt ihn auch zum Nachdenken an, denn das Thema brennt noch eine Weile nach.

Marc-Oliver Bischoff, Die Sippe, Grafit Verlag 2016, Taschenbuch, 317 Seiten, ISBN 978-3-89425-478-0, Preis: 12,00 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

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