Die Naht von Christina Casanova

Die Naht
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Nach einer Routineuntersuchung bei ihrem Gynäkologen erfährt Simone, dass sie mit dem tödlichen Virus Skar infiziert ist. Das Virus kann weder vom Körper abgewehrt werden, noch gibt es ein wirksames Medikament dagegen. Da das Virus beim Geschlechtsverkehr vom Mann auf die Frau übertragen wird, verdächtigt Simone ihren Freund Paul, mit dem sie seit einigen Jahren zusammenlebt, sie infiziert zu haben. Es kommt zu Spannungen in ihrer Beziehung, und ihre Liebe scheint zu zerbrechen. Als Simone von einem Virologen erfährt, dass Skar ausschließlich von nekrophil veranlagten Männern übertragen werden kann, trennt sie sich endgültig von Paul.

Der Arzt und Wissenschaftler Robert fühlt sich aus einem unerklärlichen Grund sofort zu Simone hingezogen, als er sie das erste Mal sieht. Bei einer Begegnung in einer Kellerbar spricht er sie an. Zwischen den beiden entwickelt sich eine ungewöhnliche Vertrautheit. Simone erzählt ihm, dass ihre Beziehung und ihre Karriere gescheitert sind, weil sie Skar hat und bald sterben wird. Doch Robert ist fasziniert von Simone und will sie unbedingt wiedersehen.

Bei einem Urlaub in Griechenland hatte Simone den Arzt und Musiker Frank kennengelernt und da beide alleine unterwegs waren, verbrachten sie die Ferienabende zusammen. Simone hatte allerdings nicht vor, den Ferienflirt noch einmal zu treffen. Bis sie mit ihrer Freundin Anna ein Konzert in einem Jazzclub besucht, denn einer der Musiker ist Frank, und sie lässt sich von ihm überreden mit ihm in seine Wohnung zu gehen. Da findet sie heraus, wer sie mit Skar infiziert hat und sie plant eine perfide Vergeltung…

Die Naht ist der erste Roman einer Trilogie und ist kein Kriminalroman im klassischen Sinne, mit einem Täter und einem Ermittler, der den Fall auflöst. Christina Casanova hat ihren Blick auf die menschlichen Abgründe und Schwächen gerichtet, sie begleitet die Protagonisten durch die emotionalen Irrwege ihrer Existenz. Das Verbrechen geschieht nicht aus einer spontanen Situation heraus, es folgt einer inneren Logik und Zwangsläufigkeit. Die Autorin schafft in einer fiktiven Realität die Wirklichkeit des Verbrechens, und darin liegt die Faszination für den Leser. Der vielschichtige Roman schildert intensiv und einfühlsam das Schicksal der Protagonistin Simone und besticht durch seine überaus gelungenen Charaktere. Neben einer intelligenten, spannenden Handlung kann vor allem aber auch der bildhafte und lebendige Schreibstil der Autorin überzeugen. So macht das Buch neugierig auf den nächsten Roman der Trilogie Der Bund, der bereits in Vorbereitung ist.

Christina Casanova, Die Naht, Kameru Verlag 2010, Broschiert, 182 Seiten, ISBN 978-3-906739-55-7, Preis: 12,80 Euro.

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4 Gedanken zu “Die Naht von Christina Casanova

  1. Das Buch hat mir insofern gefallen, weil es spannend war und ein außergewöhnliches Thema bearbeitete. Ich war für meine Verhältnisse ratz, fatz durch. Am Ende hatte ich jedoch nicht das Bedürfnis nach Fortsetzung wie bei anderen zuvor gelesenen Geschichten. Es war mir ein Hauch zu grausam.

  2. Zunächst das Gute: Der Roman ist von der 1. Seite an spannend und deshalb liest man gerne weiter. Aber er ist an einigen Stellen unschlüssig. Als Simone zum ersten mal bei Paul ist, sind sie noch gar nicht so vertraut miteinander, dass es zu einem Glas Wein gekommen sein könnte. Deshalb ist auch an entsprechender Stelle nur Wasser gereicht worden. Diesen kleinen Fehler kann man aber noch verzeihen. Problematischer finde ich, dass Simone nie hinterfragt hat, wo Paul die Leichen her hat. Die kann man schließlich nicht in einem Supermarkt kaufen. Selbst einem Pathologen, der Umgang mit Leichen pflegt, dürfte es in der Realität schwer fallen, seine Triebe an und mit einer Toten auszuleben. Es müsste seinen Kollegen schon auffallen, wenn er sich hinter verschlossenen Türen verbarrikadiert. Und schließlich müssten die gesetzten Nähte auch mal jemandem aufgefallen sein.
    Nicht nur wegen der vielen Fragen, auf die es keine Antworten gibt, bin ich an keiner Fortsetzung interessiert. Es genügt mir vollkommen, die krankhaften Auswüchse der Triebstruktur in einem ersten Band kennengelernt zu haben.

  3. Hallo Beatrix, es ist doch das Recht eines Romanes von der Realität abzuweichen. Wenn alles so klar ist, braucht man nicht mehr darüber nachzudenken. Jedoch genau diese Abläufe spannend und gleichzeitig realitistischer zu beschreiben, würde den Roman sicherlich bereichern.
    Verwechselst du nicht Paul mit Frank. Paul ist der langjährige Lebensgefährte von Simone. Frank ist der Pathologe.

  4. Liebe Hanne, du hast vollkommen recht: Es ist schon so lange her, dass ich dieses Buch gelesen habe und so wurden von mir kurzerhand die beiden männlichen Personen vertauscht.
    Natürlich ist es das Recht eines jeden Autoren, eine Geschichte frei zu erfinden oder wissenschaftliche Erkenntnisse weiter zu spinnen, wie das Michael Crichton (z. B. in Jurassic Park) häufig getan hat. Nur, wenn bei einem Treffen Wasser gereicht wird und daraus wird dann plötzlich Wein, dann grenzt das ja schon an ein Wunder! Sicher ist der Autorin das durchgegangen.
    Na ja, und die Sache mit den Leichen? Wäre der Autorin da eine ausgefallene, ausgefeilte und spannende Idee gekommen, und sollte sie auch noch so abstrus sein, dann wäre es halt so gewesen. Das hätte man dann ihrer künstlerischen Freiheit zurechnen können, wie sie das in dem Fall der Krankheit (die es ja auch nicht gibt) getan hat.
    Auf diesem Wege dir und deiner Familie frohe Osterfeiertage!

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