Kann es sein, dass eine neue Behandlungsmethode zur Bekämpfung der Krebskrankheiten weder in Spanien oder England, noch bei uns in Deutschland Erwähnung gefunden hat, obwohl sie bereits seit vielen Jahren mit Erfolg Anwendung findet? Miguel Corty Friedrich, selbst Arzt und Leiter ärztlicher Fakultäten, behauptet das zumindest in seinem Buch Die Krebsrevolution. Die Rede ist von einer homöopathischen Behandlung, die eine indische Arztfamilie ausgearbeitet hat. Die Banerjis haben sich bereits seit vier Generationen der homöopathischen Therapie verschrieben, die in Indien auf eine lange Tradition zurück blicken kann, und haben das von Samuel Hahnemann vor mehr als zweihundert Jahren zur praktischen Anwendung gebrachte homöopathische Prinzip weiter entwickelt. Im Gegensatz zu dem von Hahnemann aufgestellten Gesetz, die Medikation auf Grundlage spezifischer Besonderheiten des Patienten auszuwählen, gehen sie bei ihren Banerji-Protokollen™ vereinfacht davon aus, dass eine bestimmte Krebsart die gleiche Medikation erfordert. Der Autor erklärt das mit den immer präziser gewordenen Diagnosestellungen.

Schon in seinem Vorwort räumt Miguel Corty Friedrich der Krebsprävention die größte Bedeutung ein. Seit über zwanzig Jahren sucht er nach neuen Wegen der Heilung, weil er die Folgen der aggressiven Chemotherapien nicht mehr hinnehmen will, die letztlich mindestens so grausam wie mittelalterliche Behandlungsmethoden seien. Denn dabei würden Senfgas-Substanzen zum Einsatz kommen, die erst neue Krebszellen entstehen lassen. Seit seiner homöopathischen Ausbildung nimmt er in Kauf, dass er von seinen Kollegen belächelt wird, zumal er sich als Arzt damit finanziell schlechter steht. Er kritisiert die Definition der Onkologen, die lediglich die Symptome zum Verschwinden bringen wollen und den Krebs für lokal begrenzt halten, denn in der Entfernung der Krebszelle sieht er noch keine Heilung. Von einem Durchbruch in der Krebstherapie könne bis heute keine Rede sein, obwohl sich die Prognosen in den letzten dreißig Jahren durchaus verbessert hätten. Die ausbleibenden Erfolge der Schulmediziner führt er auf die schlechte Therapierbarkeit der Krebszellen zurück, die sich stets neu anpassen. Das Leben sucht sich immer einen Weg, wie Michael Crichton bereits in seinem Buch Jurassic Park eindrucksvoll gezeigt hätte.

Die Banerji-Protokolle™ sind vom National Cancer Institut geprüft worden mit dem Ergebnis, dass eine ausschließlich homöopathische Behandlung in vielen Fällen eine Krebserkrankung heilen kann. In Deutschland haben die Forschungen Eingang in die Nano-Medizin gefunden, wobei vieles „auf einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Biochemie, biophysikalischen Zwischenwirkungen und eindeutigen epigenetischen Veränderungen hindeutet“. Bei Zugabe der Mittel in Zellkulturen sterben Krebszellen ab, was auch beim Menschen anhand bildgebender Verfahren, zu denen der Autor jeweils die Vor- und Nachteile listet, nachgewiesen werden kann, womit ein Placeboeffekt als ausgeschlossen gilt.

Miguel Corty Friedrich wirft einen kritischen Blick auf die Kosten einer Chemotherapie und auf so genannte Generika. Er greift bei seinen Erklärungen auf Energetik, Endokrinologie, Chaosmathematik, Genforschung, Epigenetik, Quantenphysik und Philosophie zurück. Weiter stellt er Theorien vor, was Krebs eigentlich genau ist, und wird auch gerne sarkastisch, wenn es heißt, dass der Patient als „geheilt verstorben“ ist. Natürlich erklärt er auch für einen Laien verständlich, was es dem Begriff der Homöopathie auf sich hat, deren Begründer Hahnemann seiner Zeit zwei Jahrhunderte voraus gewesen sein muss. Ausdrücklich verteufelt er die Schulmedizin nicht völlig, nur sieht er in ihr nicht die einzige Option.

Das Buch Die Krebsrevolution beschreibt in der Tat eine Revolution auf medizinischem Gebiet, die allerdings eine Menge Selbstbewusstsein vom Patienten fordert, denn immerhin wird er sich gegen den Rat seines Arztes stellen müssen, der nach den bei uns geltenden Richtlinien quasi gezwungen ist, eine Chemotherapie anzubieten. So ganz neu, wie Miguel Corty Friedrich glaubt, ist die Idee der Arztfamilie Banerji, auf eine zeitaufwändige Suche nach dem richtigen Mittel zu verzichten, allerdings nicht. Denn auch in der klassischen Homöopathie wird durchaus bei einer Epidemie jedem dasselbe Hauptmittel verabreicht.

Miguel Corty Friedrich, Die Krebsrevolution, Europa Verlag 2016, Hardcover mit Schutzumschlag, 270 Seiten, ISBN 978-3-95890-048-6, Preis: 18,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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