Um auf die südlich von Sizilien und östlich von Tunesien gelegene Insel Linosa zu gelangen, muss man von Sizilien aus weitere sechs Stunden mit einer Fähre übersetzen. Linosa, Die kleine Insel am Ende der Welt, ist auch das Ziel von Lisa Bürger, deren beste Freundin Chiara Buffonacci dort ihre Hochzeit feiern will. Bereits auf dem Weg zum Flughafen in München wird für Lisa die Zeit knapp, denn sie war bis auf die letzte Minute mit der Planung eines Messestandes bei Nero Black Enterprises beschäftigt, einer Unternehmung, die Videospiele vermarktet. Ohne zu ahnen, um welche Person es sich handelt, hat ihr Taxi ausgerechnet mit Phillip Schwarz, dem Chef von Nero Black Enterprises, einen Zusammenstoß, der ebenfalls das Flugzeug nach Palermo erreichen will. Phillip, den persönliche Gründe nach Linosa treiben, ist menschenscheu, überlässt nichts dem Zufall, gibt sich nie öffentlich zu erkennen und kommuniziert selbst mit seiner persönlichen Assistentin Kathrin Schmidtbauer nur mittels eines speziellen „Zauberstabes“, der mit einem eigenen Satelliten verbunden ist.

So sehr Phillip, der seit der Ankunft am Münchener Flughafen von einem Mann verfolgt wird, alle Hebel in Bewegung setzt, um endlich sein Ziel zu erreichen, so sehr ängstigt er sich auch vor dem, was ihn erwartet. Lisa ergeht es ähnlich, denn einerseits will sie unbedingt an der Hochzeit ihrer besten Freundin Chiara teilnehmen, für die es der schönste Tag im Leben werden soll, doch plagen sie auf der anderen Seite Gewissensbisse. Noch weiß Lisa nicht, dass der Chef von Nero Black Enterprises mit an Bord ist und auch nicht, dass ihr Sitznachbar Torsten vom Bräutigam beauftragt wurde, ihre Ankunft auf Linosa mit allen Mitteln zu verhindern.

Neben einer in jeder Hinsicht ungewöhnlichen Geschichte hat Richard Mackenrodt auch sehr eigenwillige Protagonisten in seinem Roman Die kleine Insel am Ende der Welt erschaffen. Lisa besitzt eine überschäumende Fantasie, die an einem überdimensionalen Schriftbild deutlich gemacht wird. Wenn sie hört, dass jemand auf den Mond geschossen werden soll oder gar eine Morddrohung erhält, geht ihre Fantasie mit ihr durch. Die Figur des Firmeninhabers von Nero Black Enterprises, Phillip, leitet einerseits ein Imperium, ist aber in alltäglichen Dingen auf den Ratschlag seiner Assistentin angewiesen, die ihm gehörig die Leviten liest. Dass er einen „Zauberstab“ besitzt, der schier Unmögliches zu leisten vermag, ist das i-Tüpfelchen.

Der turbulente Roman, der den Untertitel „ein Sommermärchen“ trägt, ist von Anfang an einfach anders, speziell und ungewöhnlich. Er vereint auf intelligente Art und Weise amüsante und romantische mit utopischen sowie spannenden und dramatischen Szenen. Richard Mackenrodt verblüfft und fasziniert den Leser immer wieder aufs Neue mit einem ungewöhnlichen und unerwarteten Verlauf der Handlung. So ganz nebenbei vermittelt er Wissenswertes über Linosa, Die kleine Insel am Ende der Welt, und macht sich über den italienischen Politiker Silvio Berlusconi lustig. Eine verrückte, aber tiefgründige Geschichte für Leser, die die Eintönigkeit des Gewöhnlichen langweilt.

Richard Mackenrodt, Die kleine Insel am Ende der Welt, Edition Tabuka 2015, Hardcover mit Schutzumschlag, 272 Seiten, ISBN 978-3-9816667-1-7, Preis: 18,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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