Die Kinder von Wulf Dorn

Die KinderHauptkommissar Frank Bennell steht vor einem Rätsel und bittet deshalb den Psychologen Robert Winter um Unterstützung: Gestern Abend hat Dr. Patrick Landers mit seinem Handy einen Notruf abgesetzt. Als der Rettungswagen am Unfallort eintraf, war die Fahrerin Laura Schrader glücklicherweise nur leicht verletzt. Doch im Kofferraum ist man auf die Leiche der achtjährigen Tochter Mia von Patrick Landers gestoßen, die mit offenem Schädel einen grauenhaften Anblick geboten hat. Susann, die Mutter des toten Kindes und geschiedene Ehefrau von Patrick Landers, ist die Schwester von Laura, die das Fahrzeug steuerte. Merkwürdig ist auch, so die weiteren Ausführungen des Kommissars, dass Laura, während sie vom Ferienhaus ihrer Eltern kam, mit dem Wagen eines Dorfbewohners unterwegs war und in diesem eine Pistole gefunden wurde, die wiederum einem anderen Dorfbewohner gehört. Von Patrick Landers fehlt seitdem jede Spur, die Ortung seines Handys unmöglich. Doch außer ihm werden auch alle 163 Dorfbewohner vermisst. Deshalb setzt Frank Bennell seine Hoffnungen auf Robert Winter, der einen Zugang zu der verstörten Laura finden soll. Ist sie, die nur von tötenden Monstern spricht, Zeugin oder Mörderin?

Wulf Dorn beginnt seinen Thriller Die Kinder damit, wie Patrick Landers auf einer kurvenreichen Bergstraße sorgenvoll einem Ferienhaus entgegen rast, weil er seit drei Tagen ohne Nachricht von seiner geschiedenen Frau Susann ist. Eine Tankstelle, an der er unterwegs Halt macht, findet er verlassen vor, was ihn stutzig macht. Als er seine Fahrt wegen eines vor ihm liegenden Unfalls unterbricht, fühlt er sich als Arzt verpflichtet, obwohl er in Eile ist. Die Verletzte, die er als seine Schwägerin erkennt, versucht ihn zwar noch von einer Weiterfahrt zu Susann abzuhalten, doch beachtet er ihre Warnungen nicht. Die Ungereimtheiten, denen sich der Kommissar gegenübersieht, fesseln den Leser von der ersten Seite an den in erfreulich flüssigem Schreibstil verfassten Plot und machen ihn neugierig auf den weiteren Verlauf.

Was letztendlich zum Autounfall von Laura geführt hat, wieso ihre tote Nichte im Kofferraum gefunden wurde und was mit sämtlichen Dorfbewohnern geschehen ist, erfährt der Leser durch die Dialoge zwischen Laura und dem Psychologen. Um hier eine möglichst große Spannung aufzubauen, hat sich der Autor für ihre Aussagen der Erzählperspektive bedient. Demnach sollen in dem Dorf ungewöhnliche Dinge passiert sein, und immer wieder ist von geheimnisvollen, flüsternden Stimmen die Rede. Unterbrochen wird die Handlung von fünf in die Geschichte verstreut eingefügten Kapiteln, die von Kindern in Phnom Penh, der Ukraine, in Ghana, dem Irak und der USA berichten. Dabei geht es um die Ärmsten der Armen dieser Welt, wo aus Not die Jungfräulichkeit von Töchtern als Ware verkauft wird, junge Frauen für kinderlose, reiche Paare gebären, der Schrott unserer Wohlstandsgesellschaft erbärmliche Lebensgrundlage ist, Kindersoldaten zu Exekutionen gezwungen werden oder die amerikanische Verfassung nicht einmal Kindern den Besitz von Waffen verbietet.

Die Auflistung von dermaßen traurigen und zutiefst berührenden Schicksalen ist für einen Thriller eher ungewöhnlich, dessen ungeachtet aber absolut lobenswert. Wulf Dorn beschreibt ein Szenario, bei dem Die Kinder ihre Unterdrückung nicht länger hinnehmen und eine Revolte anzetteln. Die Lektüre regt zum Nachdenken an und sorgt unweigerlich für aufgerichtete Nackenhaare.

Wulf Dorn, Die Kinder , Heyne Verlag 2017, Broschur, 320 Seiten, ISBN 978-3-453-27094-7, Preis: 16,99 Euro.
Bildquelle: Heyne Verlag

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