Die Journalistin – Der Preis der Wahrheit von Maria Reig

Die Journalistin - Der Preis der WahrheitIm Jahr 1927 kann die sechsundzwanzigjährige Elisa in der von ihrer wohlhabenden Tante Manuela Montero arrangierten Ehe mit dem vermögenden Bankier Francisco de las Heras y Rosales immer noch kein Glück finden, obwohl es ihr in der großzügigen Wohnung in Madrid an nichts fehlt und sie die Annehmlichkeiten einer Sommerfrische durchaus zu schätzen weiß. Sie hatte gehofft, endlich ihren Traum als Journalistin verwirklichen zu können. Francisco würde ihr das auch erlauben, aber erst, nachdem sie ihm seinen Wunsch nach Kindern erfüllt. Elisa entzieht sich zunehmend seinen Annäherungsversuchen und konzentriert sich stattdessen auf gelegentliche Artikel, die sie hinter dem Rücken ihres vielbeschäftigten Ehemannes unter dem Pseudonym Pedro Liébana verfasst. Um sich glaubwürdig zu präsentieren, tritt sie in der Redaktion als Mann verkleidet auf, wovon nur wenige ihrer Vertrauten Kenntnis haben.

Mit Olivier Pascal, einem früheren Kollegen bei der Zeitung El Demócrata, bei der sie vor der Ehe als Sekretärin Arbeit fand, pflegt Elisa eine tiefe Freundschaft. Unter seine Artikel schreibt er verschlüsselte, an sie gerichtete Botschaften. Mit Schreck entdeckt Elisa auf einem Ball einen Sergeanten, der sie, so vermutet sie, schon länger beobachtet hat. In der Folge befragt er sie immer wieder und will wissen, ob sie während ihrer Zeit als Sekretärin bei El Domócrata auf Pedro Liébana gestoßen ist. Der wäre nämlich der Sohn eines viel gesuchten Anarchisten, und wenn man Pedro finden könnte, würde dieser vielleicht die Kriminalisten zu seinem Vater führen. Auf einem Maskenball trifft Elisa schließlich Olivier wieder. Es entwickelt sich eine Romanze und gut gemeinte Ratschläge, diese baldigst zu beenden, befolgt sie nicht. Dann wird Olivier als Korrespondent nach Amerika gerufen und bittet sie ihm zu folgen.

María Reig bedient sich in ihrem Roman „Die Journalistin – Der Preis der Wahrheit“ einer zumindest im Bürgertum der damaligen Zeit gehobenen Sprache und lässt das Geschehen von ihrer Protagonistin in der Ich-Version erzählen. Die Autorin kann glaubwürdig darstellen, wie sich eine Frau gefühlt haben muss, die ihr Ehemann zwar mit teuren Kleidern und Schmuck verwöhnt hat, dem sie jedoch ausgeliefert war und auf dessen Wohlwollen sie angewiesen war, wenn sie eigene Wünsche verfolgen wollte. Allerdings dürfte kaum eine Frau so mutig und aufmüpfig wie Elisa gegen Francisco gewesen sein, der sich natürlich von ihr zurückgewiesen und gedemütigt gefühlt und letztlich Trost bei einer anderen gesucht hat. Dass Frauen bei einer Trennung als Ehebrecherin gebrandmarkt waren und neben Geld auch ihre Würde verloren haben, ist noch gar nicht so lange her.

Der Roman beschränkt sich aber nicht nur auf diesen Teil im Leben von Elisa, sondern lässt diese noch einiges über ihre Tante, bei der sie aufgewachsen ist, in Erfahrung bringen. Ebenso erfährt sie Hintergründe über ihre ärmlich in Extremadura lebenden Familienmitglieder, was für Elisa vieles in einem anderen Licht erscheinen lässt. Zudem schreibt die Autorin immer wieder von der politischen Situation im damaligen Spanien, erwähnt Bahnstreckenerrichtung, Weltausstellung oder Bergarbeiterstreik und speziell auch den Brand am 23. September 1928 im Teatro Novedades in Madrid, der unzählige Tote und Verletzte forderte. Auch wenn es wenig überzeugend klingt, dass Don Ernesto, Herausgeber von El Domócrata und Chef von Elisa, sie nicht in ihrer Verkleidung als Pedro Liébana erkannt hat, ist der von Anfang an neugierig machende und in flüssigem Schreibstil Roman ein beachtliches Werk, zumal von einer so jungen Autorin wie María Reig es ist!

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Die Journalistin – Der Preis der Wahrheit von Maria Reig

Die Journalistin - Der Preis der Wahrheit
Goldmann Verlag 2021
Klappenbroschur
368 Seiten
ISBN 978-3-442-49095-0

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Bildquelle: Goldmann Verlag

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