Die Expansion von Christoph Martin

Die ExpansionDer Panamakanal verbindet seit seiner Eröffnung im Jahr 1914 den Atlantik mit dem Pazifik in Mittelamerika. Laut Wikipedia erkrankten und verstarben allein von 1881 bis 1889 zweiundzwanzigtausend Arbeiter in der Sumpflandschaft, was die Arbeiten vorübergehend ruhen ließ. Von 1906 bis 1914 verstarben nochmals über fünftausendsechshundert durch Unfälle und Krankheiten. Die panamaischen Behörden mussten sich verpflichten, allen Schiffen die Passage gegen eine Transitgebühr zu gewähren, wobei für die rund siebenhundert Kilometer durchschnittlich eine Fahrzeit von über fünfzehn Stunden benötigt wird. Die Erweiterung des Kanals wurde im Jahr 2016 fertiggestellt und genau darum geht es in einer fiktiven Geschichte des Romans Die Expansion von Christoph Martin.

Max Bruns, der als Ingenieur eine Doktorarbeit über den Suezkanal geschrieben und erst vor zwei Monaten einen neuen Vertrag bei seinem zukünftigen Schwiegervater unterschrieben hat, erhält ein überraschendes Angebot von seinem früheren Freund Godfredo. Mit ihm war Max vor sechzehn Jahren auf einem exklusiven Internat in den Alpen. Doch nachdem seine Eltern bei einem Hubschrauberabsturz, den Max Vater selbst herbeigeführt hat, ums Leben kamen, trennten sich die Wege der einstigen Freunde. Francisco Roco, der Vater von Godfredo und Chefingenieur der Panamakanal-Expansion, verlangt nun von seinem Sohn, dass der unbedingt Max für das Ausschreibungsverfahren der Panamakanal-Erweiterung gewinnen muss. Obwohl Max seine Verlobte nicht verlieren will, die gegen seine Beteiligung an dem Projekt ist, sagt er zu.

Max wird von Godfredo auf Contadora, einer der Perleninseln im Golf von Panama, in seine Aufgabe eingeführt. Mit Dr. Alexandra Wong arbeitet Max an den Plänen, um bei bester Umsetzung ein möglichst niedriges Angebot abgeben zu können. Doch Godfredos Vater reicht das nicht und er will mit allen Mitteln das Angebot der Amerikaner unterbieten, um den Zuschlag für den Auftrag zu erhalten. Larry Roebuck, der Gouverneur in der amerikanischen Botschaft in Panama, beobachtet die rivalisierenden Gruppen, die am Ausschreibungsverfahren teilnehmen, und bespricht sich mit einem Vertrauten. Die Angelegenheit erreicht schließlich sogar den Präsidenten der Vereinigten Staaten, dem eine neu geschaffene Einheit direkt unterstellt ist, zu der auch die Undercoveragentin Karis Deen gehört.

Christoph Martin hätte sein Buch Die Expansion besser nicht dem Genre Thriller zugeordnet, weil er damit bei den Lesern falsche Erwartungen schürt. Ohne Zweifel ist dieser am Fortgang der Handlung interessiert, zumal der Autor den Plot in überaus flüssigem Schreibstil verfasst hat. Doch wirklich spannend wird es erst auf den letzten Seiten, nachdem der Beauftragte für den Panamakanal erschossen aufgefunden wird und Francisco Roco, der immer nur Paco genannt wird, seine Felle davon schwimmen sieht. Die im Klappentext gestellte Frage, ob Max seiner Verbündeten Karis trauen kann, hätte besser heißen müssen, ob sie ihm trauen kann. Denn Max hat zwar mittlerweile gemerkt, dass man ihn hereingelegt hat, doch Karis ist diejenige, die einen Verbündeten benötigt. In diesem Zusammenhang hat Christoph Martin auch mit keinem Wort erwähnt, woher Max plötzlich von ihrer wahren Identität weiß, da sie sich als Biologin ausgegeben hat, die mit ihrem Team bei den Ausschachtungen zur Erweiterung des Kanals auf prähistorische Funde stieß. Insofern kann der Roman zwar nicht überzeugen, unterhaltsam ist er dennoch.

Christoph Martin, Die Expansion , Books on Demand 2018, Taschenbuch, 368 Seiten, ISBN 978-3-7528-3281-5, Preis: 11,95 Euro.

Bildquelle: amazon.de

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