Nachdem der Schriftsteller Johannes Bernhard bereits einen Bestseller gelandet hatte, gelang es ihm nicht mit den beiden darauf folgenden Romanen diesen Erfolg zu wiederholen und seit der Trennung von seiner Frau Jennifer hat er keine Zeile mehr geschrieben. Nach der Scheidung, durch die er sein Haus und seine Tochter Emily an seine Exfrau verliert, nimmt er an einer Art Eingliederungsprogramm für Langzeitarbeitslose vom Arbeitsamt teil. Denn für einen Akademiker, der nach dem Studium nie in seinem Beruf gearbeitet hat, bietet der Arbeitsmarkt nur wenig Chancen. Seine Vorgesetzte im Rathaus, Frau Pfefferkorn-Schmidt, hegt eine tiefe Abneigung gegen ihn und macht ihm das Leben schwer. Er lässt jedoch alle Schikanen über sich ergehen, denn er braucht den verdammten Job, der vorerst auf achtzehn Monate befristet ist. Hinzu kommt, dass er als studierter Volkswirt für die Tätigkeit hoffnungslos überqualifiziert ist. Allerdings kann er sich mangels Alternativen vorstellen bis zur Rente im öffentlichen Dienst zu bleiben.

Bereits kurz nach Arbeitsbeginn wird Johannes von seiner Chefin Frau Pfefferkorn-Schmidt in ihr Büro zitiert, die grundsätzlich an allem etwas zu meckern hat. Auch wenn er sich noch so viel Mühe gibt und sein Entwurf eines Schreibens tadellos ist, erhält er das Schriftstück mindestens drei Mal mit der Bitte um Korrektur zurück. Den Rest des Tages erledigt er seine Arbeit und versucht möglichst wenig an Frau Pfefferkorn-Schmidt zu denken. Als er gegen sechzehn Uhr das Rathaus verlässt, findet er unter dem Scheibenwischer seines Wagens einen Brief von einem Unbekannten, der ihn vor die Wahl stellt, ob er seine kleine Tochter oder seine Vorgesetzte ermorden soll.

Der Thriller Die böse Hälfte von Daniel Daub ist kein Roman für zart besaitete Gemüter, denn der Autor schildert detailliert das brutale Vorgehen eines Serienmörders aus der Perspektive des jeweiligen Opfers. Gleich zu Beginn erhält der Leser einige kritische Einblicke in den Büroalltag der Mitarbeiter eines Rathauses, durch die das erste Opfer nicht gerade Sympathiepunkte sammeln kann. Ähnlich ergeht es den darauf folgenden Opfern im weiteren Verlauf der Handlung. Denn ganz bewusst rückt der Autor sie zunächst in ein schlechtes Licht, wodurch der Leser kein Mitleid mit ihnen empfindet, obwohl er die Leiden, die sie während der Tat ertragen müssen, hautnah miterlebt. Doch bereits nach der ersten Hälfte des Romans beschleicht den Leser eine Vermutung, wer der wahre Täter sein könnte, was der Spannung aber keinen Abbruch tut. Der Autor hätte gut daran getan, seinen Thriller anders zu benennen, denn bereits der Titel Die böse Hälfte ist zu verräterisch, um noch jemanden auf eine andere Spur locken zu können. Allerdings bietet der genial durchdachte Plot spannende Unterhaltung bis zur letzten Seite und ist ein großartiges Lesevergnügen für zwischendurch.

Daniel Daub, Die böse Hälfte, AAVAA Verlag 2014, Klappenbroschur, 207 Seiten, ISBN 978-3-8459-1143-4, Preis: 11,95 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

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