Getreu dem Zitat „Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen“ hat auch Mikka Bender viel über Die All-inclusive-Lüge zu enthüllen. Denn da der Begriff rechtlich nicht geschützt ist, sollte man genau darauf achten, was das jeweilige Hotel darunter versteht. Darüber hinaus haben die spitzfindigen Tourismusunternehmen, die in seinem Buch allesamt nicht gut wegkommen, ähnlich wie bei Arbeitszeugnissen eine eigene Sprache entwickelt. Um späteren Regressansprüchen zu entgehen, sind die Katalogbeschreibungen bewusst verklausuliert. Denn wer macht sich schon zu Hause Gedanken über scheinbar positive Aussagen wie „nur fünf Minuten zum Strand“ oder „relativ ruhig gelegen“? Der Autor hat sie für den Leser „übersetzt“, erklärt, was unter einem „Wohnbeispiel“ zu verstehen ist und auch, nach welchen Kriterien die Sterne in verschiedenen Ländern vergeben werden.

Außerdem erinnert Mikka Bender den Leser daran, dass er ausschließlich bei einer Reise in Vorleistungen tritt. Immerhin ist die Restsumme schon Wochen vor Reiseantritt fällig und selbst bei einer begründeten Reklamation ist der Urlauber dem Veranstalter nur zu häufig ausgeliefert. Die Zahlung verweigern kann er nicht mehr und die schönsten Wochen des Jahres werden zum Alptraum. Grundsätzlich rät der Autor zur Vorsicht bei Schnäppchen, denn dabei wird meistens bei der Qualität des Essens und dem Hygienestandard gespart. Um das zu belegen, hat er Proben in Küchenbereichen entnommen, wobei sogar Keime gefunden wurden, die lebensbedrohende Krankheiten erzeugen können. Der Urlauber sollte immer skeptisch sein, wenn Selbstverständlichkeiten wie eine Rezeption oder ein Aufenthaltsraum als Annehmlichkeit gepriesen werden.

Mikka Bender gibt in Die All-inclusive-Lüge Tipps, die vor unliebsamen Enttäuschungen bewahren bzw. wie sie zu vermeiden sind. Doch richtet er auch kritische Worte an den Urlauber selbst: Seine Erwartungen sollten nicht zu hoch sein und ein Teller muss nicht mit allem Essbaren voll gepackt werden, um ihn letztlich stehen zu lassen. Der Autor macht auch deutlich, dass das All-Inclusive-Angebot ökologische und ökonomische Folgen nach sich gezogen hat und schon viele Arbeitsplätze vernichtet wurden. Der Urlauber spürt die negativen Auswirkungen, weil das Personal oft abgehetzt ist und damit unfreundlich wirkt. Die Qualität bleibt bei diesem Modell zugunsten der Quantität auf der Strecke.

Mikka Bender hat sich für seine neuerlichen Recherchen inkognito in den Hotelanlagen eingebucht und sich erst später als Fernsehmoderator zu erkennen gegeben. Den Leser informiert er systematisch und sachlich über Die All-inclusive-Lüge. Er musste sich teilweise wüsten Beschimpfungen von zynischen und arroganten Reiseleitern aussetzen und untermauert seine Aussagen durch Fallbeispiele. Der Fachmann in puncto Reisen empfiehlt dem reisewilligen Urlauber, sich darüber klar zu werden, was genau er erwartet und worauf es ihm ankommt und sich gegebenenfalls seine Reise nach seinen individuellen Wünschen selbst zusammenzustellen. Wer als Pauschalurlauber nicht getäuscht werden möchte, sollte nicht am Geld für dieses Buch sparen, denn diese Investition könnte sich bereits beim nächsten Urlaub bezahlt machen!

Mikka Bender, Die All-inclusive-Lüge, Rowohlt Verlag 2013, Taschenbuch, 202 Seiten, ISBN 978-3-499-63019-4, Preis: 8,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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