Ambroise Larnier ist Thanatopraktiker und somit als Leichenpräparator nicht nur für die hygienische Versorgung der Toten zuständig, sondern möchte vor allem den Hinterbliebenen Trost spenden, indem er die Leichen einer ästhetischen Behandlung unterzieht. Seit einem Zerwürfnis mit seinem Vater Prof. Henri Larnier, der einen Nobelpreis in Medizin erhalten hat, lebt er mit seiner Großmutter Beth zusammen.

Manelle ist als Seniorenbetreuerin tätig und erledigt in dieser Eigenschaft nicht nur anfallende Hausarbeiten, sondern liest auf Wunsch auch vor oder unterhält sich mit den alten Leuten. Als sie Samuel Dinsky zu einem Neurologen begleitet, der aufgrund eines festgestellten Glioblastoms, eines bösartigen und nicht operablen Tumors im Gehirn, nur noch eine kurze Lebensdauer des Patienten prognostiziert, hat dieser nur noch einen Wunsch: Da er als Zwölfjähriger im Vernichtungslager Sobibor die Gaskammern überlebt und Unmenschliches mit ansehen musste, erbittet er einen humanen Tod und möchte, dass ihn Manelle nach Genf zu einem ärztlich betreuten Suizid begleitet, was die jedoch als Beihilfe zum Mord versteht und ablehnt.

Für die Fahrt in die Schweiz beauftragt Samuel Dinsky ein Unternehmen, für das Ambroise Larnier arbeitet. Doch während der sich auf den Weg macht, ist ihm Der unerhörte Wunsch des Monsieur Dinsky nicht in vollem Umfang bekannt. Zu allem Überfluss muss Ambroise auch noch seine Großmutter Beth mitnehmen, die auf medikamentöse Hilfe angewiesen ist und die unterwegs für allerhand Überraschungen sorgt. Doch auf ihren Enkel warten noch weitere unvorhergesehene Ereignisse.

In einer äußerst hochgestochenen Sprache widmet sich Jean-Paul Didierlaurent einem Thema, das die meisten Menschen nur zu gerne verdrängen. Dabei verzichtet er jedoch, abgesehen von medizinischen Begriffen, gänzlich auf Fremdwörter. Er versteht es meisterhaft, Sachverhalte interessant zu umschreiben und gibt anschauliche Beispiele, was er unter Sex ohne Liebe versteht, als sich sein Protagonist Ambroise den professionellen Diensten einer Prostituierten bedient. Außerdem baut er treffende Doppeldeutigkeiten in den Text ein, indem er beispielsweise von der Schweiz behauptet, dass die nicht einmal beim Wetter eine Position bezieht.

Der Autor hat sich von einem befreundeten Thanatopraktiker beraten lassen, was ihm eine sehr detaillierte Schilderung der Vorgehensweise und Aufgaben dieses Berufs ermöglicht. Wer denkt schon darüber nach, dass Unfallnarben einem Bestatter viel über das vergangene Leben des Verstorbenen „sagen“ oder dass Herzschrittmacher entfernt werden müssen, ganz gleich, welche Bestattungsform gewählt wird? Dank des gut lesbaren Schreibstils von Jean-Paul Didierlaurent mit sarkastischen und makabren Andeutungen verschlingt der Leser den Roman Der unerhörte Wunsch des Monsieur Dinsky fast in einem Zug, weil er kein Kapitel für geeignet hält, das Buch aus der Hand zu legen, das am Ende noch mit einer überraschenden Wendung aufwartet.

Jean-Paul Didierlaurent, Der unerhörte Wunsch des Monsieur Dinsky, Deutscher Taschenbuch Verlag 2017, Klappenbroschur, 256 Seiten, ISBN 978-3-423-26162-3, Preis: 15,90 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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