Die Studentin Emily Richter schreibt für die Rheinische Post eine dreiteilige Reportage über einen Mörder, dem vor über fünfhundert Jahren in dem kleinen Örtchen Zons mehrere Frauen zum Opfer fielen, die er gefoltert und vergewaltigt hat. Zudem hat er ihnen die Haare geschoren und mit einer Rasierklinge Zeichen in die Kopfhaut geritzt. Emily begibt sich für ihre Recherchen mit ihrer Freundin Anna, die noch sehr unter der Trennung von ihrem Freund Martin leidet, ins Kreisarchiv. Sie berichtet Emily von einem seltsamen Mann, der sie in einer altertümlichen Sprache angeredet hat, was jedoch schnell wieder in Vergessenheit gerät, als sie im Archiv von einem Archivar empfangen werden, der ihnen beiden Angst einflößt. Aus den Unterlagen geht hervor, dass der Stadtwächter Bastian Mühlenberg seinerzeit mit den Ermittlungen beauftragt war. Bei der Entschlüsselung der in die Köpfe der toten Frauen geritzten Zeichen muss er einen Wettlauf mit der Zeit angetreten haben, als das Leben seiner Verlobten auf dem Spiel stand.

Der Kriminalkommissar Oliver Bergmann und sein Kollege sehen sich plötzlich mit der Leiche eines jungen Mannes konfrontiert. Wenig später entdeckt ein Jogger eine brutal zugerichtete Frauenleiche. Mittlerweile ist der erste Teil des Artikels von Emily in der Zeitung veröffentlicht worden und natürlich fallen Oliver Bergmann sofort die Parallelen der vor Jahrhunderten begangenen Morde zu dem aktuellen Mordfall auf. Er trifft sich mit Emily, die an der Fortsetzung der Reportage arbeitet und stattet auch dem Archivar einen Besuch ab, der sich äußerst verdächtig verhält. Dann erschüttert ein weiterer Mord an einer Frau das Örtchen Zons und für Oliver Bergmann wird die Zeit genau so knapp wie seinerzeit für Bastian Mühlenberg, wenn er weitere Opfer verhindern will.

Catherine Shepherd erzählt den Kriminalroman im zeitlichen Wechsel der beiden Handlungsstränge, wobei sie den Faden geschickt jeweils so aufnimmt, dass er sich in die Fortsetzung einfügt. Sie verwebt quasi zwei Stränge miteinander, was dazu führt, dass der Leser einfach keine Stelle findet, an der er das Buch aus der Hand legen möchte. Der Puzzlemörder von Zons zeigt mit der von der Autorin konstruierten Biografie des über Jahre von seinem sadistischen Vater grausam Gequälten einmal mehr, wie erfahrene Gewalt wiederum Gewalt erzeugt.

Für das Buch hat Catherine Shepherd sich sehr intensiv mit der historischen Vergangenheit des Örtchens Zons beschäftigt, das zwischen Köln und Düsseldorf liegt und sie hat auch dem Text einen handschriftlichen Lageplan vorangestellt. Damit verdeutlicht sie dem Leser den Zusammenhang der Zeichen auf den Köpfen der Ermordeten mit den Stadtumrissen. Für den Krimi Der Puzzlemörder von Zons hat die Autorin auf eingehende Personenbeschreibungen oder für den Plot unrelevante Details aus dem Privatleben aller Beteiligten verzichtet, so dass sie das Augenmerk des Lesers nur auf die Morde fokussiert. Bei aller Spannung, die der Krimi ohne Zweifel bietet, soll aber nicht verschwiegen werden, dass der Roman auch mystische und übersinnliche Züge aufweist. Wer eine rationelle Handlung vorzieht, ist mit diesem Buch nicht richtig beraten.

Catherine Shepherd, Der Puzzlemörder von Zons, Kafel Verlag 2014, Taschenbuch, 172 Seiten, ISBN 978-3-95761-016-4, Preis: 9,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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