Rezension: Der Mann im Heuhaufen von Birgit Hasselbusch

Buchcover: Der Mann im Heuhaufen

Charlys Beziehungskrise

Seit nunmehr fünf Jahren lebt die Physiotherapeutin Charly mit ihrem Freund Kai zusammen. Voller Erwartung steigt sie nach seiner Ankündigung einer Überraschung zu ihm ins Auto – und ist umso enttäuschter, als der Weg nicht zum Flughafen, sondern in den Hamburger Vorort Langenhorn führt. Abseits der Großstadt präsentiert er ihr ein Haus, das seinen Vorstellungen entspricht. Zum Entsetzen von Charly sind sogar schon ihre Eltern in seine Pläne eingeweiht. Als ihre Mutter bereits von Enkelkindern im Garten träumt, wird es Charly zu bunt und sie flüchtet zu einer ehemaligen Schulkameradin nach Berlin.

Begegnung mit dem Unbekannten

Auf der Rückfahrt trifft Charly im Zugabteil auf einen Mann, der ihr sofort sympathisch ist. Doch leider vergisst sie, nach seinem Namen zu fragen. Bei der Ankunft in Hamburg kann sie sich lediglich einen Teil seines Autokennzeichens merken, kennt den Namen seines Friseurs und weiß, dass er an einem Computer-Seminar in Berlin teilgenommen hat. Vertrauensvoll wendet sich Charly an ihre Freundin Ines, die wiederum einen Ex-Polizisten zum Nachbarn hat und hofft, über ihn den Unbekannten zu finden.

Natürlich muss Charly weiterhin ihrer Arbeit in der Physiopraxis nachgehen, wo ihre Patienten von ihren Sorgen berichten. Auch wenn sie nur noch an den Mann ihrer Träume denkt, bleibt sie unentschlossen, was ihre Beziehung zu Kai betrifft. Das Verhältnis zu ihrer Mutter wird zunehmend angespannter, und ihr Vater sorgt für Verwicklungen und Überraschungen. Eine Kette von Missverständnissen macht schließlich das Chaos perfekt.

Erzählstil und sprachliche Raffinesse

Birgit Hasselbusch lässt ihre Protagonistin in dem Roman Der Mann im Heuhaufen* selbst von ihrem Leben berichten, was für einen flotten Erzählstil sorgt. Der Leser ist von Anfang an mitten im Geschehen und gespannt auf den weiteren Handlungsverlauf. Wiederholt kann die Autorin mit schönen Wortspielereien aufwarten und bringt den Leser mit ironischen Umschreibungen zum Schmunzeln. Der Roman liest sich ungemein flüssig, und jeder Satz wirkt stimmig.

Figuren mit besonderen Facetten

Die Figur des Lebensgefährten Kai entspricht nicht dem Durchschnitt, denn im Gegensatz zu den meisten Männern begeistert er sich für Familienplanung und ist außerdem ein begnadeter Hobbykoch. Charlys Vater entwickelt als Rentner unerwartete Fähigkeiten auf dem Gebiet neuer Kommunikationstechnologien und arbeitet an einem Netzwerk mit, während ihre Mutter schon lange von Gewissensbissen geplagt wird. Dadurch sieht Charly sie in einem völlig anderen Licht.

Jedem Kapitel des Romans Der Mann im Heuhaufen* ist ein passender, intelligenter Spruch vorangestellt, über den es sich nachzudenken lohnt. Die Verwicklungen sorgen bei Charly für immer mehr Unverständnis und neue Überraschungen. Mit diesem Roman von Birgit Hasselbusch wird der Leser bestens unterhalten – und zu guter Letzt darf er sich über eine unerwartete Auflösung freuen, wie Charlys Traummann doch noch zu ihr findet.

Der Mann im Heuhaufen von Birgit Hasselbusch

Buchcover: Der Mann im Heuhaufen
dtv 2015
Klappenbroschur
272 Seiten
ISBN 978-3-423-26042-8

Bildquelle: dtv

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