Michael ist erst acht Jahre alt, als sein Vater, den er seit zwei Jahren nicht mehr gesehen hat, zur Hintertür hereinkommt und den Freund der Mutter erschlägt. Anschließend schickt er den Sohn auf sein Zimmer und macht sich über die Mutter her. Aus Furcht versteckt sich Michael in einem Waffensafe, den der Vater, als er fortging, zurückgelassen hatte. Da dem Vater die Zahlenkombination nach so langer Zeit nicht mehr einfällt, schafft er den Safe zum nahegelegenen Fluss und versenkt ihn im Wasser, um auch seinen Sohn zu töten. Wie durch ein Wunder wird der kleine Michael gerettet, doch spricht er ab diesem Tag kein Wort mehr.

Nachdem er körperlich wieder hergestellt ist, wohnt er bei seinem Onkel Lito, dem Bruder seines Vaters, der in dem kleinen Ort Milford, nordwestlich von Detroit, einen Spirituosenladen betreibt. In der folgenden Zeit muss er Besuche in Arztpraxen, bei Sprachtherapeutinnen, Sozialpädagogen und Psychologen über sich ergehen lassen. Jeweils mit einer anderen Diagnose, doch Michael hat beschlossen, nicht mehr zu sprechen. Nach anderthalb Jahren kommt er in eine Schule, die vorwiegend von tauben Kindern und ein paar Schülern mit sogenannten Kommunikationsstörungen besucht wird, wo er die Gebärdensprache lernt. Doch nach fünf Jahren kommt er auf eine öffentliche Highschool, in der er sein Talent für das Zeichnen entdeckt.

In diesem Sommer wechselt sein Onkel Lito ein Schloss zum Lagerraum des Ladens aus und Michael interessiert sich für das alte Schloss. Er holt es aus der Mülltonne, reinigt es von Dreck und Schmiere und studiert genau dessen Funktionsweise. Er spielt damit herum und ist davon fasziniert es ohne Schlüssel zu öffnen. In einem Trödelladen kauft er weitere alte Schlösser und übt, sie mit behelfsmäßigen Werkzeugen zu öffnen. Doch als einige Mitschüler von seiner Begabung erfahren, überreden sie ihn auf einer Party zu einem Einbruch, bei dem er von der Polizei festgenommen wird…

Steve Hamilton lässt in dem Kriminalroman Der Mann aus dem Safe den Protagonisten Michael, der sich seit fast zehn Jahren im Gefängnis befindet, über sein Schicksal berichten. Wobei zwei sich abwechselnde Handlungsstränge immer wieder zu Zeitsprüngen in der Geschichte führen, aber letztendlich doch zusammenlaufen. Dabei ist der Autor so geschickt vorgegangen, dass der Leser nicht vorzeitig den Fortgang der Handlung erahnen kann und sich die Spannung bis zum Ende der Romans fortsetzt. Obwohl die Vorgehensweise von Michael beim Öffnen von Schlössern und Safes sehr realistisch und authentisch beschrieben wird, ist der Roman keine Anleitung für Nachahmer. Der Mann aus dem Safe von Steven Hamilton ist ein außergewöhnlicher Roman, der sich von der Masse der Kriminalromane positiv abhebt, den Leser fesselt und kurzweiliges Lesevergnügen sowie beste Unterhaltung bietet.

Steven Hamilton, Der Mann aus dem Safe, Droemer Verlag 2012, Paperback, 460 Seiten, ISBN 978-3-426-22621-6, Preis: 16,99 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

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