Der Klon von Jens Lubbadeh

Der KlonJens Lubbadeh geht in seinem Science Fiction Roman „Der Klon“ der spannenden Frage nach, welche Konsequenzen sich durch das Klonen von Menschen nicht nur bei den Betroffenen selbst, als vielmehr für die Gesellschaft ergeben, wenn ein „genetischer Aufguss“, wie es im Roman heißt, von einer Person wie Adolf Hitler erschaffen wird: Bernd Sörensen, Parteichef einer rechtsradikalen Partei, gibt sich mit der Juristin Alina Schalk im Jahr 2007 bei Prof. Moon Dong-soo, der inoffiziell Menschen klont, unter dem Deckmantel, künstliche Befruchtungen durchzuführen, als Ehepaar Jung aus. Sie bitten ihn, aus einem etwa sechzig Jahre alten Zahn einen Klon zu produzieren. Obwohl er die enorme Summe von fünf Millionen Euro dringend gebrauchen könnte, lehnt er ab, weil das Ausgangsmaterial zu alt ist. Seine Assistentin Park Seoyoung glaubt jedoch, aus Zahnpulpa Stammzellen gewinnen zu können. Er nimmt den Auftrag an, will aber einen Rückzieher machen, als er erfährt, dass der Zahn von Adolf Hitler stammt.

Im Jahr 2033 erhält die Journalistin Mara Erhardt in Berlin über ihr Krypto-Postfach einen Hinweis über die geklonten Zwillinge Robin und Friedrich Wohlpflug. Sie zeigt den beiden ein Bild, das von ihnen im Juli 2010 gemacht wurde, obwohl sie erst im Jahr 2011 geboren wurden! Die Zwillinge können das Offensichtliche nicht glauben, und Robin beginnt zu recherchieren. Seine Mutter erklärt, dass ihre Zwillinge bei einem Segelurlaub auf Korfu ertrunken sind, was sich mit den Erkundigungen von Mara bei einem Skipper deckt. Zu der Aussage der Mutter passt auch, dass die geklonten Zwillinge immer wieder von Albträumen heimgesucht werden, in denen sie ertrinken.

Alina Schalk und Bernd Sörensen haben inzwischen dafür gesorgt, dass der von ihnen in Auftrag gegebene Klon möglichst genauso heranwächst wie seinerzeit Adolf Hitler. Sie haben erreicht, dass Alina die Vormundschaft über Arthur nach dem von ihnen geplanten Tod seiner Eltern erhält, ihn in den Krieg nach Syrien geschickt und wollen ihn in Deutschland für die anstehenden Wahlen politisch aufbauen, auf dass er ein Viertes Reich gründet. Unterdessen erhält die Journalistin Mara einen Anruf von Park Seoyoung, die Prof. Moon Dong-soo noch warnen konnte, bevor er erschossen wurde. Mara fliegt mit den Zwillingen nach Seoul zu Park, doch als diese ebenfalls ermordet wird, müssen Mara, Robin und Friedrich ebenfalls um ihr Leben fürchten.

Jens Lubbadeh erzählt seinen Zukunftsroman „Der Klon“, der alle Qualitäten eines Thrillers aufweist, in zwei Handlungssträngen, wobei Mara für einen Zeitungsartikel zunächst Näheres über das Klonen der Zwillinge in Erfahrung bringen will. Zudem will sie beweisen, dass Bernd Sörensen einen Klon von Adolf Hitler in Auftrag gab, wobei er seine aufstrebende Macht in der Partei nutzt und skrupellos mit Alina sein Ziel verfolgt. Der Autor führt dazu nachvollziehbar aus, wie Adolf Hitler nach dem 1. Weltkrieg an Einfluss und Macht gewinnen konnte. Über den Plot verteilt finden sich immer wieder Hinweise auf die Kindheit sowie Ereignisse im Leben des Diktators, der den Führer der SA Ernst Röhm auf Druck der Parteigenossen ermorden ließ, obwohl dieser sein Freund und Förderer war.

Die Veränderungen im Leben der Menschen wie Strafgebühren für den Gebrauch eines Verbrennungsmotors einschließlich der Kritik, dass die in erster Linie Geringverdiener treffen, werden zwar von Jens Lubbadeh angesprochen, stehen jedoch nicht im Focus. Dem Autor kommt es bei seinem in der Zukunft handelnden Roman vielmehr auf Authentizität an, denn wie er im Anhang neben weiteren Enthüllungen erläutert, sind Zähne von Adolf Hitler keine Fiktion, sondern lagern tatsächlich in Moskau. Und auch die Albträume der Zwillinge können mit in neuester Zeit entdeckten Forschungsergebnissen auf dem Gebiet der Epigenetik erklärt werden, wonach besonders traumatische Erlebnisse epigenetische Spuren hinterlassen. Wie sich allerdings der im Plot genannte und noch lebende Jean-Paul Mulders fühlt, wenn er liest, dass er im Jahr 2026 verstorben sein soll, steht außer Frage. Ungeachtet dessen ist Jens Lubbadeh mit seinem Roman „Der Klon“ ein Balanceakt zwischen Spannung und Information, sowohl auf politischer wie wissenschaftlicher Seite gelungen, der nachdenklich stimmt.

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Der Klon von Jens Lubbadeh

Der Klon
Heyne Verlag 2022
Klappenbroschur
480 Seiten
ISBN 978-3-453-32013-0

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Bildquelle: Heyne Verlag
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