Der Engelseher von Laura Flöter

Der Engelseher
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Jeásh, der in einem Waisenhaus aufgewachsen ist, lebt in einer Heil- und Verwahranstalt für Irre und seelisch Beschädigte in Toch Eleth. An schlimmen Tagen ritzt er sich mit einem scharfen Gegenstand seinen Namen in die Haut und sein Körper ist von Narben gezeichnet. Wie alle Menschen wird er von zwei Engeln begleitet: Dem weißen Engel Malach, der ihn beschützen und ihm helfen soll, den richtigen Weg in seinem Leben zu finden, und dem schwarzen Engel Ezariel, der seine Seele ins Verderben stürzen soll. Als sich Jeásh eines Tages aus Verzweiflung das Leben nehmen will, ringt Malach mit dem schwarzen Engel, doch ist er kaum noch in der Lage, seinen Schützling vor dem Tod zu bewahren. Er sieht nur noch einen Ausweg und gibt Jeásh etwas von seinem Herzblut, das Wertvollste, das ein Engel nur einmal zu geben vermag.

Malach ist jedoch enttäuscht, als er merkt, dass er vergeblich sein Herzblut für Jeásh geopfert hat. Er gibt den Kampf mit Ezariel um den Sterblichen auf und überlässt seinen Schützling dem schwarzen Engel. Noch nie hatte ein Engel diesen Bund gebrochen, denn beide Engel sollen den Menschen bis zu seinem Tode begleiten. Nachdem Malach nicht zurückkehrt, holt sich Ezariel bei dem Wächter des Höllentores Uriel Rat, der meint, dass Ezariel seine Farbe überwinden und die Liebe zu den Menschen wiederfinden muss, um Jeásh und sich zu retten. Jeásh wird unterdessen bewusst, dass er für irre gehalten wird, weil er Engel nicht nur sehen, sondern auch ihre Sprache Adonai verstehen kann. Er muss vor der Inquisition aus der Anstalt fliehen, aber auch Malach, der sein Herzblut zurück verlangt, verfolgt Jeásh und Ezariel. Während der Flucht stellt Ezariel fest, dass Jeásh ein Nephilim, ein Halbengel ist, der ihn, seinen dunklen Engel liebt. Die Hexe Hezkabeth soll ihnen helfen, Malach abzuschütteln, und Jeásh sucht Zuflucht in einem Kloster, wo er zwei anderen Halbengeln begegnet. Doch auch hier findet ihn Malach und Ezariel versucht mit Hilfe von Jeásh, den weißen Engel in den Abgrund zu locken, der ihn für immer verschlingen soll.

Laura Flöter hat in dem Roman Der Engelseher sehr viel Fantasie bewiesen. In einer bildreichen Sprache lässt sie den Protagonisten die fantastischsten Abenteuer bestehen. Filmemacher dürften an dem Stoff ihre wahre Freude haben. Auch der Leser ist zu Beginn hingerissen und erwartet voller Spannung den Fortgang der Geschichte. Doch leider ist der Plot auch sehr langatmig und einiges, was schon in ähnlicher Form beschrieben wurde, findet sich im Fortgang der düster wirkenden Handlung noch einmal wieder. Ein tieferer Sinn ist in der Geschichte nicht zu erkennen. Lediglich zur Taufe hat die Autorin einen kritischen Einwand erhoben, dass nämlich das Taufversprechen in der Regel immer von anderen für den zu Taufenden abgegeben wird. Jeásh fragt daher einmal, wie er denn etwas widerrufen kann, was er gar nicht selbst versprochen hat. An anderer Stelle fragt sich der Leser, was er sich unter einem Menschen vorstellen soll, der zu einem Teil sterblich ist und zum anderen nicht. Obwohl einige Abschnitte in Der Engelseher sicher spannend sind, erwartet den Leser letztendlich ein eher enttäuschendes Finale.

Laura Flöter, Der Engelseher, Fabylon Verlag 2012, Paperback, 200 Seiten, ISBN 978-3-927-07151-3, Preis: 14,90 Euro.

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1 Gedanke zu “Der Engelseher von Laura Flöter

  1. Eine fantastische Story, ein Schwulenroman in einer Engelsgeschichte verpackt. Der bisexuelle Jeásh verliebt sich in den schwulen schwarzen Engel Ezariel. Doch hat Jeásh keine Ahnung, was eigentlich mit ihm los ist. Im Kloster „Zuflucht“ begegnet er einem anderen bisexuellen Halbengel, der ihn lehrt, wie er seine Veranlagung ausleben kann. Doch dann taucht der eifersüchtige weiße Engel Malach auf und will zurück, was er dem Objekt seiner Begierde geschenkt hat. Ezariel holt sich bei seinem Meister Uriel Rat, wie er den unliebsamen Konkurrenten loswerden kann und gemeinsam mit Jeásh lockt er Malach in eine Falle.

    Der tiefere Sinn der Geschichte liegt natürlich darin, dass die meisten Leser glauben, sie würden nur einen Fantasyroman lesen. Tun sie ja auch, in gewisser Weise!

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