Der Alleswisser von Peter Grünlich

Wie ich versucht habe, Wikipedia durchzulesen, und was ich dabei gelernt habe

Der AlleswisserPeter Grünlich hat sich in unendlich vielen Stunden durch die Internet-Enzyklopädie Wikipedia gearbeitet und die für ihn überraschendsten und spannendsten Dinge in seinem Buch „Der Alleswisser“ festgehalten. Dabei ist er Menschen, die sich als Helden ausgezeichnet haben, wie auch Mördern auf die Spur gekommen. Er hat eine nur virtuell existierende Straße und eine Autobahn entdeckt, die mitten durch ein Gebäude führt. Zwei Studenten, so schreibt er, sind wegen des kredenzten Weines mit einem Wirt in Streit geraten, was den Tod von neunzig Menschen nach sich zog, und aufgrund enormer Lachanfälle mussten Schulen geschlossen werden. Er weiß von einem Mann zu berichten, der einfach ALLES essen konnte und von einem bis heute existierenden weißen Fleck auf der Landkarte, dessen isoliertes Volk sich wiederholt erfolgreich Kontakten zu Forschungszwecken widersetzen konnte.

Der Autor hat unter anderem Romane aufgelistet, die eine Jury als die besten erwählt hat, Songs, die es bis auf die vordersten Plätze geschafft haben, Worte eines Jahrgangs und Wörter, die häufig falsch geschrieben werden, sowie Justizirrtümer, wobei auffallend viele der zu Unrecht Verurteilten wegen der falschen Anschuldigung, eine Vergewaltigung begangen zu haben, ihre Strafe verbüßen mussten. Ungewöhnliches konnte Peter Grünlich aus der Tierwelt zusammentragen. So hat ein Tier die Fähigkeit besessen, den nahenden Tod eines Menschen zu signalisieren, ein anderes ist, kein Scherz, zu einem Corporal aufgestiegen. Natürlich ist er auf Wikipedia auch auf Besonderheiten bezüglich der Pflanzenwelt gestoßen, und was er zur Literatur gefunden hat, setzte bei ihm die Erkenntnis durch, dass sich nicht immer nur Qualität gut verkauft.

Wie nicht anders zu erwarten, kommen auch Kriege und Konflikte in dem Buch zur Sprache, allerdings nicht nur solche unter Menschen, sondern auch die unter Schimpansen stattgefundenen! Nicht zur Nazi-Wissenschaftler haben düstere Experimente zu Forschungszwecken betrieben, die allesamt dunkle Seiten eines Menschen offenbaren. Ohne das Wissen ihrer „Versuchsobjekte“ hat der CIA geheim gehaltene, illegale Experimente angeordnet, die von den Japanern an Grausamkeit und Menschenverachtung noch getoppt werden konnten, wobei der Tod Zigtausender billigend in Kauf genommen wurde.

Das informative Buch „Der Alleswisser“ bietet zum einen Fakten über Wikipedia selbst und neben den Kuriositäten, die entweder in nur einem Satz Erwähnung finden, oder denen der Autor eine eigene, längere Geschichte wie beispielsweise die Historie der Prostitution gewidmet hat, zum anderen eine Menge Hintergrundwissen zu völlig verschiedenen Themen. Für die Zusammenstellung hat Peter Grünlich „elend langweilige Artikel“ durchforstet und einige seiner „Funde“ der Glaubwürdigkeit oder einfach nur des besseren Verständnisses wegen durch Fotos belegt. Seine Suche hat Fakten, aber auch traurige Schicksale und grausame, teils unappetitliche Horrorszenarien wie Erfolge und tröstende Begebenheiten aufgedeckt und dennoch ist er dadurch nicht, wie er selbst schreibt, zu einem Alleswisser geworden. Neben sachlichen Informationen, die ein Quellennachweis belegt, darf sich der Leser auf selbstkritische und nicht ganz ernst zu nehmende, amüsante Kommentare des Autors freuen, der nebenbei kein „gutes Haar“ an dem noch amtierenden Präsidenten Donald Trump lässt.

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Der Alleswisser von Peter Grünlich

Der Alleswisser
Yes Publishing 2020
Broschur
272 Seiten
ISBN 978-3-96905-026-2

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