Die Autoren Hans-Peter Noll und Rolf Kiesendahl stimmen den Leser in ihrem Bildband mit einem historischen Rückblick in die Anfänge des Bergbaus, der damit einhergehenden aufstrebenden Stahlindustrie und einer beispiellosen Zuwanderungswelle Hunderttausender auf eine Reise durch Das unbekannte Ruhrgebiet ein. Erst die Erfindung der Dampfmaschine ermöglichte einen Vorstoß durch das Deckgebirge und die Nordwanderung des Bergbaus konnte einsetzen. Die Autoren räumen mit der Vorstellung vieler außerhalb dieser Region lebenden Menschen auf, die beim Ruhrgebiet immer noch an rauchende Schlote und verpestete Luft denken. Selbst von den im Ruhrgebiet lebenden Menschen dürfte nur wenigen bekannt sein, dass der ursprüngliche Hellweg, der heute teilweise zu einer stark befahrenen Autobahn ausgebaut ist, eine mittelalterliche Handelsstraße war.

Mit künstlerisch wertvollen und ausdrucksstarken Fotos untermalen Hans-Peter Noll und Rolf Kiesendahl ihre Beschreibungen und Erklärungen zum Duisburger Innenhafen, dem Schiffshebewerk in Henrichenburg, der Westruper Heide, dem Gasometer in Oberhausen, der Margarethenhöhe in Essen, dem Bergbau-Museum in Bochum oder der Zeche Zollverein in Essen, um nur einige Beispiele zu nennen. Auf ihrer Reise durch Das unbekannte Ruhrgebiet nehmen die Autoren und zahlreichen Fotografen, die allesamt im Anhang aufgelistet sind, den Leser natürlich auch mit auf die romantischen Flussläufe von Ruhr und Lippe, die im Rhein münden. Auf das traurige Schicksal der ebenfalls im Rhein endenden Emscher, einem in der Vergangenheit zur Köttelbecke degradierten Fluss, haben sie natürlich auch hingewiesen. Ob große Gelehrte, Baudenkmäler, Brücken, Industrieanlagen, Wahrzeichen, Halden oder sogar eine Untertagebar, das Ruhrgebiet hat viel zu bieten und zieht mit den zahlreichen Industriedenkmäler von Jahr zu Jahr mehr Touristen an. Doch es leidet, seit dem in den 1980er Jahren einsetzenden Strukturwandel, unter sinkenden Einwohnerzahlen und einer hohen Arbeitslosenquote.

Dass ganz Deutschland einst vom Bergbau profitierte, scheinen heute viele zu verdrängen und so wird dem Ruhrgebiet von den Politikern zu wenig Beachtung geschenkt. Wo sich viele Bewohner am Rand der Armutsgrenze bewegen, können die Menschen nur unzureichend am gesellschaftlichen Leben in dieser „spannendsten Region Deutschlands“, wie es die Autoren nennen, teilnehmen. Vielleicht bewirkt der mit viel Liebe zum Detail gemachte Bildband Das unbekannte Ruhrgebiet , dass dieser stiefmütterlich behandelten Region in Zukunft mehr Beachtung geschenkt und finanzielle Unterstützung gewährt wird. Dass an einer Stelle das Bügeleisenhaus in Hattingen und ein Blick in die Hattinger Altstadt versehentlich in Essen-Kettwig angesiedelt wurden, ist zwar schade, doch sollte das nicht von einem Blick in dieses Buch abhalten.

Hans-Peter Noll und Rolf Kiesendahl, Das unbekannte Ruhrgebiet, Ellert & Richter Verlag 2013, Hardcover, 128 Seiten, ISBN 978-3-8319-0501-0, Preis: 16,95 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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