Das Herrenhaus im Moor von Felicity Whitmore

Das Herrenhaus im MoorLaura und Frank Milton sind seit zwölf Jahren verheiratet, als er nach einem Streit an ihrem Geburtstag tödlich verunglückt. In seinen Unterlagen findet sie einen an ihn gerichteten Brief aus der Zeit, bevor sie sich kannten, in dem eine Unbekannte ihm ihre Liebe beteuert. Doch in dem Brief ist auch die Rede von jemandem, der ihn töten will. Da Laura deshalb nicht von einem Unfall ausgeht, die Polizei aber nicht an Mord glaubt, ist sie fest entschlossen, die Briefschreiberin zu finden. Sie reist nach Exmoor in Südengland, da der Brief seinerzeit dort aufgegeben wurde. Der einzige Hinweis führt Laura nach Lynbrook Hall, in „Das Herrenhaus im Moor“, das einst eine psychiatrische Klinik beherbergte. Sie sucht den gegenwärtigen Besitzer auf und ist überrascht, dass Nicholas Milton ihren Mann nicht nur kannte, sondern ein guter Freund von ihm war. Er kann ihr viel über Frank erzählen, und sie nimmt erstaunt zur Kenntnis, dass er in Milton Castle, einem Schloss, aufgewachsen ist. Auf der Suche nach seiner früheren Geliebten und dem Grund seines mysteriösen Unfalltodes stößt sie auf ein über hundert Jahre gehütetes Geheimnis.

Laura deckt die traurige Geschichte der vermögenden, zwanzigjährigen Victoria Milton auf: Nach dem tragischen Tod ihres Vaters wird ihr Onkel Richard Green zu ihrem Vormund erklärt. Er zieht mit seiner Frau und Sohn Charles in das in Dartmoor gelegene Milton Castle ein und veräußert zum Leidwesen von Laura nach und nach viele der Besitztümer und schmälert das Vermögen, über das sie erst mit einundzwanzig Jahren verfügen darf. Eigentlich sollte nach dem Willen ihres Vaters der Anwalt Mr. Hobbs zu ihrem Vormund bestellt werden, doch ist das Testament spurlos verschwunden. Als Laura den Heiratsantrag ihres Cousins Charles entschieden zurückweist, lässt sie ihr Onkel Richard in eine Anstalt für psychisch Kranke einweisen, um so in den Besitz ihres Vermögens zu gelangen. Mit Hilfe von Arthur, dem Laura auf dem Weg in die Psychiatrie nur kurz begegnet ist und in den sie sich sofort verliebt hat, gelingt ihr nach Wochen unmenschlicher Behandlung die Flucht. Doch der Arm ihres machtbesessenen Onkels reicht weit.

In dem Roman „Das Herrenhaus im Moor“ von Felicity Whitmore wechseln sich hochspannende Szenen mit romantischen Schauplätzen ab. Während es auf der einen Seite unheimlich zugeht, wenn sowohl Laura, als auch Victoria ihrer Neugier folgend auf Entdeckungsreise gehen, wenn grausame und fragwürdige Therapiemethoden den Leser erschaudern lassen, der natürlich mit der wehrlosen Victoria und ihrem Schicksal leidet, sorgen die Lovestorys der Protagonisten auf der anderen Seite für ein großes Gefühlskino. Was diesen Punkt anbelangt, wird es etwas trivial und im Gegensatz zur Realität ist bei den Handlungspersonen nach nur wenigen Augenblicken bereits von Liebe und einem gemeinsamen Leben die Rede.

Felicity Whitmore erzählt die beiden Handlungsstränge abwechselnd, beginnend mit dem Unfalltod von Frank. Indem sie jeweils in den entscheidenden Momenten von Laura auf Victoria oder umgekehrt schwenkt, sieht sich der Leser zum Weiterlesen genötigt, da er unbedingt den Fortgang der Handlung erfahren will. Auslöser des Dramas in dem Roman ist der intrigante Onkel von Victoria, der vor keinem Mord zurückschreckt, um an Geld und Macht zu gelangen. Obwohl das Schicksal der armen Victoria dem Leser schon frühzeitig bekannt ist, trübt das sein Interesse auf den weiteren Verlauf des Plots nicht, da die Autorin immer wieder überraschende Neuigkeiten bereit hält.

Das Herrenhaus im Moor von Felicity Whitmore

Das Herrenhaus im Moor
dtv 2018
Klappenbroschur
416 Seiten
ISBN 978-3-423-21763-7

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Bildquelle: dtv
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2 Gedanken zu “Das Herrenhaus im Moor von Felicity Whitmore

  1. Seit Schließung der Irrenanstalt vor 100 Jahren findet Laura Patientenakten, Zeugnisse vom Schicksal gesunder Frauen, die ihren Angehörigen lästig waren. Hat niemand daran gedacht, diese verschwinden zu lassen?
    Laura flieht aus dem Irrenhaus, nachdem glaubt sie, ein Gesicht am Fenster gesehen zu haben, nachdem außerdem Victorias Akte vom Tisch verschwunden ist, auf welchen sie diese vorhin gelegt hat. Laura hat nun eine Ahnung, was sich hier abgespielt hat, ist schockiert über die Therapiemöglichkeiten jener Zeit. Trotzdem flieht sie nicht zu ihrem Auto und kommt eventuell mit einer Begleitperson wieder. Nein, sie sieht sich sogar noch in einem anderen Gebäude auf demselben Grundstück um. Schon sehr unwahrscheinlich, oder? Eine Frau in einem unbekannten Land bei grauem Himmel, an einem einsamen Ort bringt nie und nimmer diesen Mut auf.
    Nicholas besucht Laura und berichtet ihr, dass er Neuigkeiten von Milton Castle habe. Er bringt ihr auch Honig mit, den sie probieren soll. Nachdem Laura alle Hebel in den Gang gesetzt hat, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, ist es realistischer, dass sie zuerst von den Neuigkeiten erfahren will, bevor sie den Honig kostet und sich Erklärungen darüber anhört.
    Auch Arthur hat sich sehr viel Zeit gelassen, bevor er Victoria gefunden hat.
    Haben Pflegekräfte vor 100 Jahren in Magazinen geblättert, wenn sie zur Aufsicht von psychiatrischen Patientinnen eingeteilt waren?
    War es mitten im Winter möglich, Gräber für die verstorbenen Frauen auszuheben? Warum Blumen auf die Gräber, wenn sie doch nicht besucht wurden? Und woher nahm man diese?
    Leider gibt es in diesem Buch sehr viele nicht realistische Handlungsweisen der Figuren. Die Story ist gut, man hätte viel daraus machen können.

  2. Nun, es ist immer schwierig, will man eine Situation beurteilen. Ob jemand daran denkt, Akten zur rechten Zeit verschwinden zu lassen, darüber kann man nur mutmaßen. Und warum Laura nicht sofort zum Auto gerannt und Hilfe geholt hat, hängt natürlich von ihrem Mut ab. Aus vielen Krimis sind solche Szenen bekannt und nicht selten bezahlt eine zu mutige Handlungsperson ihre Neugier mit dem Leben. Wenn man einen Roman „auseinanderpflücken“ will, finden sich immer entsprechende Stellen. Natürlich kann man in einem harten Winter keine Gräber ausheben. Aber nicht alle Winter sind gleich und vor allem gibt es auch „begünstigte“ Lagen. Insofern kann man auch diesem Plot „nicht realistische Handlungsweisen“ unterstellen, ja. Aber ist es wirklich so schlimm?

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