Es dürfte wohl einmalig sein, dass ein Roman für eine Marketing-Aktion einen anderen Titel erhalten hat. Im letzten Jahr erhielten einige Medienschaffende ein Buch mit leeren Seiten, ein Buch ohne (Buch)Staben. Der Verlag hatte den Roman „Das Auge des Mondes“ für diese Werbeaktion kurzerhand mit dem sinnfreien deutschen Titel Das Buch ohne Staben versehen. Dabei handelt es sich um die Fortsetzung des Romans Das Buch ohne Namen von einem anonymen Autor.

In dem fiktiven Küstenort Santa Mondega haben sich Vampire und Werwölfe aus der ganzen Welt niedergelassen und in verschiedenen Clans zusammengeschlossen und mitten unter ihnen der gefürchtete Massenmörder Bourbon Kid. Dieser ist vor einem Jahr nach einem Massaker in der Tapioca Bar von einem Vampir gebissen worden und nun abgetaucht.

In einer Ausstellung des Museums der Stadt erwacht die Mumie eines ägyptischen Pharaos zu neuem Leben, denn der Fluch seiner früheren Jünger ist durch deren Tod aufgehoben. So hat Rameses Gaius nur zwei Ziele: Rache an den Nachfahren derjenigen, die ihn für so lange Zeit gefangen gehalten haben und das Zurückerlangen seines wertvollsten Besitzes, dem „Auge des Mondes“.

Drei Vampire in der Führungsebene der örtlichen Polizei, die in den Besitz des Heiligen Grals gekommen sind, benötigen Bourbon Kids Blut, um es aus dem Kelch zu trinken und dadurch Unsterblichkeit zu erlagen. Denn Bourbon Kid ist der Sohn von Ishmael Taos, einem ehemaligen Jünger des ägyptischen Herrschers Rameses Gaius. Die Werwölfe, die Bourbon Kid entführen sollen, erwischen aber seinen geistig zurückgebliebenen Halbbruder, der von den Vampiren im Keller der Polizeistation auf grausame Weise getötet wird. Die Rache des Bourbon Kid ist blutig, denn unaufhaltsam tötet er die Mörder seines Bruders…

Der anonyme Autor scheint von Robert Rodriguez Film From Dusk Till Dawn zu seinem Roman Das Buch ohne Staben inspiriert worden zu sein. Fans von Quentin Tarantino werden begeistert sein. Ein durchgeknallter Trash-Roman voller exzessiver Gewalt und Blut, eingewebt in eine Story ohne tieferen Sinn. Leser, die Wert auf eine ausgefeilte Geschichte legen und anschaulich beschriebenen Splatter-Szenen keinen Unterhaltungswert abgewinnen können, werden an dem Roman Das Buch ohne Staben keine Freude haben.

Anonymus, Das Buch ohne Staben, Bastei Lübbe Verlag 2010, Paperback, 446 Seiten, ISBN 978-3-785-76031-4, Preis: 16,99 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

4 Kommentare

  1. Danke für die Info. Ich hatte mich über diesen völlig unpassenden Titel bereits gewundert.

  2. Das geistige Niveau der Zielgruppe wurde so tief angesetzt, dass es fraglich ist, ob diese in der Lage ist, ein Buch zu lesen. Eine Verfilmung der Story wäre besser gewesen.

  3. Hallo Udo,
    mein geistiges Niveau ist völlig in Ordnung. Ich kann tatsächlich lesen (und schreiben) und mir hat der Roman sehr gut gefallen.

  4. Hallo Udo,
    eine Verfilmung könnte tatsächlich unterhaltsamer sein, als der Roman. Aber bitte nicht beleidigend werden, denn schließlich hast du, aus welchen Gründen auch immer, das Buch auch gelesen.

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