Bereits in der Einleitung zu ihrem Ratgeber Das Buch der Leichtigkeit nehmen die Autoren Henrike und Markus Reinhold Blocher Bezug auf das mehrere tausend Jahre alte Werk I Ging, oder auch Yi Jing genannt, das ihnen als Inspiration diente. Dieses „Buch der Wandlungen“ umfasst nach Wikipedia 64 Hexagramme bzw. symbolische Strichzeichnungen, die unter dem Titel „Zhouyi zhengyi“ im 7. Jahrhundert n. Chr. erstellt wurden.

Das Ehepaar Blocher führt in dem vorliegenden Buch ebenfalls 64 Symbole an und klärt den Leser über „das in Wahrheit Unbenennbare“ auf. Es geht um die „eigene innere Wahrheit“ und um unseren „niederen Verstand“, der vom Kontakt zu unserer „inneren Weisheit Wind bekommen“ hat. Sie sprechen unsere „eigene innere Wahrheit“ an und unseren „göttlichen Kern“, dem wir die Führung überlassen sollen. Unsere alten Muster wie Wut, Begierde, Neid, Eifersucht oder Gier sollen wir anlächeln, da die bei unserem neu gewonnenen Humor als ein Ziel dieses Buches keinen Bestand mehr haben.

Zu jedem der vorgestellten 64 Symbole gibt es zunächst einen Haupttext, der von Wandlungslinien ergänzt wird. Der Leser wird mit „du“ angesprochen, weil er sich so nach Auffassung der Autoren von seinem Herzen angesprochen fühlt. Henrike und Markus R. Blocher empfehlen, jeden Tag nur eines der 64 Symbole zu lesen und während der Lektüre „keine Medien zu konsumieren, vor allem keine Nachrichten“. Die Qualität einiger Medien lässt sicherlich zu wünschen übrig und ein unkontrollierter Konsum kann daher nicht propagiert werden. Doch die Empfehlung der Autoren, während einer Zeitspanne von über zwei Monaten völlig vom Weltgeschehen ausgeschlossen zu sein, ganz sicher auch nicht.

Das Buch will „64 Antworten für jede Lebenslage“ geben, wobei sich der Leser fragt, auf welche Fragen hier Antworten gegeben werden. Wer sich mit diesem Thema noch nicht auseinandergesetzt und auch noch nie vom ältesten Weisheitsbuch, dem I Ging, gehört hat, wird kaum in der Lage sein, zu begreifen, worum es den Autoren geht. Er kann Sätzen, nach denen uns das Leben „zu einem Krieger des Lichts ausgebildet“ hat, keinen Sinn abgewinnen und die Prophezeiung der Autoren nicht verstehen, dass wir „immer mehr“ den „Himmel auf Erden“ erfahren. Lediglich ein praktisches Beispiel ist verständlich, dass nämlich im Verbiegen, nur um geliebt zu werden, der Beginn eines Beziehungsdramas zu sehen sein kann. Bezeichnend ist, dass Markus Reinhold Blocher in seiner Danksagung ein Buch von Theo Fischer, der das Vorwort geschrieben hat, erwähnt. Das will er als eines von wenigen Büchern in seinem Leben vollständig gelesen haben, weil er sich sonst üblicherweise mit dem Klappentext begnügen würde. Einige Leser dürfte es so nicht verwundern, dass er dieses Buch offensichtlich so gut findet, da er kaum Vergleiche hat. Ob die Autoren mit dem, was sie in dem Buch sehr abstrakt ausdrücken, Menschen helfen können, soll gar nicht angezweifelt werden. Doch wer „Antworten auf besondere Lebenslagen“ sucht, wie sie der Klappentext verheißt, wird diese kaum in Das Buch der Leichtigkeit finden. Es sei denn, er ist in der Lage, mit dem Herzen zu lesen, wie es bereits in der Einleitung so schön heißt.

Henrike und Markus R. Blocher, Das Buch der Leichtigkeit, Windpferd Verlag 2013, Taschenbuch, 216 Seiten, ISBN 978-3-86410-049-9, Preis: 12,95 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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