Seit achtzehn Jahren ist die fast fünfzigjährige Susanne mit dem Oberförster Josef verheiratet. Sie wohnen einsam Da draußen im Wald, an einem Hang. Ausgerechnet an einem Sonntag bricht Josef zur Kontrolle einer Holzverladung auf, was sie schon Susanne mit Befremden aufnimmt. Noch auffälliger ist, dass er weder seinen Hund, noch sein Gewehr mitnimmt und als er abends nicht heimkehrt, nimmt ihre Unruhe zu. Am nächsten Tag sucht sie Inspektor Roland Raffl auf, dem zur Unterstützung des Suchtrupps Kommissar Ebert von der Kriminalpolizei zu Hilfe kommt. Im Wald werden Blutspuren entdeckt, die zu dem toten Förster Josef führen. Er wurde von einer Ladung Schrot in Brust und Unterleib getroffen. Verdächtigt wird nach ersten Ermittlungen der Wilderer Hinterholzer, der vor Jahren Morddrohungen gegen den Oberförster ausgesprochen hat. Aber auch Dorfbewohner Lehner, der in der Vergangenheit wegen eines gestohlenen Christbaums vom Förster angezeigt wurde, wird verdächtigt.

Unterdessen findet Susanne zu Hause verschiedene Unterlagen ihres ermordeten Gatten, die ihr heiles Weltbild ins Wanken geraten lassen und sie schwankt zwischen Wut und Trauer. Als es aufgrund der weiteren Ermittlungen zu einer Verhaftung kommt, die alle Dorfbewohner irritiert, brodelt die Gerüchteküche. Erst die Aussage der ehemaligen Sekretärin des Ermordeten führt Kommissar Ebert und Raffl auf die richtige Spur.

Obwohl im Waldviertel-Krimi Da draußen im Wald von Ernest Zederbauer gemordet wird und der Leser auf den letzten Seiten mit steigender Spannung um das Leben zweier Personen bangt, handelt es sich bei dem Roman eher um eine Persiflage. Kommissar Ebert, der sich clever gibt und von seinen Qualitäten überzeugt ist, nennt sich selbst einmal einen Trottel und sein Kollege, der Postenkommandant Roland Raffl ist mit den Ereignissen überfordert und bricht sogar einmal in Tränen aus, als er von seinem Vorgesetzten zur Rege gestellt wird. In einer Lagebesprechung erwähnt der Kommissar völlig nebensächliche Dinge. So erklärt er den ermittelnden Beamten, dass die Tatwaffe im oberen Preissegment angesiedelt und die verwendete Hochleistungspatrone umweltverträglich sei, was jedoch für das Opfer nur ein schwacher Trost sein könnte.

Neben der Aufklärung des Mordes nimmt der Autor aber auch die Ehe der Protagonistin Susanne unter die Lupe, die nur noch Bestand hatte, um den Schein nach Außen zu wahren. Ihre Ängste vor einer Zukunft ohne ihren Mann werden ebenso thematisiert wie ihre Erkenntnis, dass sie ihn kaum richtig gekannt hat. Beachtung verdient auch die kritische Auseinandersetzung von Ernest Zederbauer mit den leicht zu beeinflussenden Dorfbewohnern. Wegen ihrer „begrenzten Gedankenwelt“ wollen plötzlich alle längst etwas geahnt haben, obwohl lediglich nicht beweisbare Verdächtigungen vorliegen. Handlungsort dieses erfrischend anderen Kriminalromans ist die Wachau in Niederösterreich. So verwundert es nicht, dass im Heurigen ein gespritzter Traubensaft serviert wird oder als Synonym für den Jäger von einem Weidmann gesprochen wird. Dass der Autor in einigen Sätzen auf ein Subjekt verzichtet hat, darf hier einem stilistischen Mittel zugeschrieben werden, was durchaus mit dem Text harmonisiert. Ein intelligenter Plot mit einer perfekten Mischung aus Ironie, Spannung und Psychologie, die begeistert.

Ernest Zederbauer, Da draußen im Wald, Styria Krimi 2014, Broschur, 156 Seiten, ISBN 978-3-222-13443-2, Preis: 12,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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