Der schweizer Journalist und Buchautor Bruno Ziauddin ist als Sohn eines indischen Ingenieurs und einer Schweizer Krankenpflegerin in Zürich aufgewachsen. Für seine indische Abstammung hat er sich nie interessiert. Erst nach dem Tod der Eltern wird ihm bewusst, dass er nur sehr wenig über seinen Vater und seine indischen Wurzeln weiß. Um mehr über ihn und letztlich sich selbst in Erfahrung zu bringen, beschließt er in den Geburtsort des Vaters, ein kleines Dorf an der Südspitze Indiens, zu reisen.

Dort lernt er nicht nur seine fünf Tanten und zahlreiche Cousinen und Cousins kennen, er entdeckt in der Familie des Vaters die eigene Familie, die ihm fremd und dabei seltsam vertraulich ist. So wird die abenteuerliche Reise zum Ausgangspunkt der Suche nach den Ursprüngen der Geschichte seines Vaters. Wie konnte er es aus einem armen indischen Kaff an eine englische Elite-Uni schaffen und unter welchen Umständen hat er seine Schweizer Ehefrau kennen gelernt?

Die Spurensuche führt den Autor zunächst nach London, wo sein Vater studiert hat. Nach Ghana reist er nicht, obwohl seine Eltern dort geheiratet haben, er dort gezeugt wurde und das Land gerne einmal gesehen hätte. Stattdessen führt ihn die Suche wieder zurück nach Indien.

In der berührenden Familiengeschichte Curry-Connection schildert Bruno Ziauddin auf humorvolle Weise die Erlebnisse und Kommunikationsprobleme mit seiner weit verzweigten indischen Familie. Das sehr persönliche Buch zeigt einen Autor auf der Suche nach der eigenen Identität. Nur leise und andeutungsweise lässt Ziauddin den Rassismus anklingen, dem Migranten durch ihr Aussehen oder ihre Hautfarbe in unserer multikulturellen Gesellschaft ausgesetzt sind. So ist dieses Buch auch ein Plädoyer zu mehr Toleranz gegenüber Mitbürgern aus anderen Kulturkreisen. Ein lesenswertes Buch, das man nur schwer wieder aus der Hand legen kann.

Bruno Ziauddin, Curry-Connection, Rowohlt Verlag 2010, Taschenbuch, 224 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen, ISBN 978-3-499-62548-0, Preis: 9,95 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

2 Kommentare

  1. Man darf nie seine Wurzeln vergessen, und muss unbedingt Rücksicht auf seine Abstammung nehmen. Das ist erstens die Aufgabe der Eltern ihren Kindern über ihre Familie zu erzählen und mit der Geschichte ihrer Familie bekannt zu machen, sonst gehen viele Traditionen und auch langsam Nationen verloren. Ich habe das Buch noch nicht gelesen, aber würde es unbedingt bei der nächsten Gelegenheit machen. Danke für die Information. Ich interessiere mich für viele verschiedene Volksgruppen.

  2. Es hat mich fasziniert, wie der Autor in eine ihm völlig fremde Kultur ohne Berührungsängste getaucht ist. Spannend, emotional und sehr gut geschrieben.

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