Chor aus der Dunkelheit von Philip Dingeldey

Chor aus der DunkelheitIm 22. Jahrhundert existieren nach weltweiten Naturkatastrophen und Kriegen nicht mehr viele Staaten. Australien, China, Japan und Teile Nordamerikas sind durch Naturkatastrophen vollständig ausgelöscht worden. Die USA, und später auch Kanada, wurden durch Armut und Verwüstung fast völlig zerstört. Die afrikanischen und arabischen Länder haben mit Hungernöten und Seuchen zu kämpfen und sind im islamistischen Terrorismus versunken. Außer Europa bestimmen Brasilien, Chile, Indien und Russland, mit denen immer mal wieder Krieg geführt wird, das Weltgeschehen.

Europa wird von Großkonzernen regiert, die in einem neofeudalen System über Menschen und die Clans der Vampire herrschen. Vor etwa sechzig Jahren, als sich die Kontinente im Umbruch befanden, sind die Vampire plötzlich aufgetaucht und haben Menschen angegriffen. Europa musste gegen die Untoten einen Krieg führen, der über zwanzig Jahre gedauert und viele Opfer auf beiden Seiten gefordert hat, ohne einen Gewinner hervorzubringen. Es ist dem Militär zwar gelegentlich gelungen, tagsüber die Aufenthaltsorte der unsterblichen Wesen auszumachen und sie durch Sonnenlicht zu verbrennen, doch sind die starken und zähen Vampire den Menschen körperlich weit überlegen. Deshalb haben die Vorstandsvorsitzenden der europäischen Großkonzerne einen Friedensvertrag mit den Vampiren abgeschlossen. Der Vertrag regelt, dass die Vampire nachts für die Unternehmen arbeiten. Dafür werden sie täglich mit Menschen für ihren Bedarf an Blut versorgt und ihre Unterkünfte geschützt. Um das entsprechende Humanmaterial liefern zu können, haben einige Konzerne Lager gebaut, in denen sie Menschen als minderwertige Wesen für die Dämonen halten.

Bei einem der nächtlichen Versorgungslieferungen an die Vampire im Bezirk 22 erlaubt der Aufseher George B. der Vampirin Livia, einen Internierten, der ihr Mitleid erregt hat, in einen Vampir zu transformieren. Das hat allerdings weitreichende Konsequenzen, denn durch den Vertrag ist es den Vampiren untersagt, sich zu reproduzieren, um das Kräftegleichgewicht nicht zu gefährden. Die Lagerleitung fordert den Aufseher George B. auf, seinen Fehler zu korrigieren und den ehemaligen Internierten, der inzwischen in die demokratische Solidargemeinschaft der Vampire aufgenommen wurde und Septimus genannt wird, zurückzuholen. Doch der Clan weigert sich, Septimus an die Menschen, die ihn töten würden, auszuliefern. Es entsteht ein neuer Konflikt, in den sich auch noch verschiedene andere Gruppen einmischen.

„Chor aus der Dunkelheit“ ist eine Mischung aus Science-Fiction und Vampir-Roman mit einem hochpolitischen Hintergrund. Der Plot ist in einer düsteren Zukunft im 22. Jahrhundert angesiedelt, wobei Philip Dingeldey die heutige gesellschaftliche Entwicklung, in der Unternehmen immer mehr Einfluss auf die Politik nehmen, konsequent weitergedacht hat, indem er zum Beispiel europäischen Städten Namen wie Telekom City oder Walt Disney City gegeben hat und Großkonzerne die Macht übernommen haben. Der Roman ist in zwei Handlungssträngen gegliedert und wird im Wechsel aus der Perspektive des Aufsehers George B. und der des Internierten 7836GS2, der zu dem Vampir Septimus transformiert wird, erzählt. Ein dystopischer, gesellschaftskritischer und gleichzeitig spannender Roman, der politisch Interessierten sehr zu empfehlen ist, auch wenn Science-Fiction oder Vampir-Romane nicht zur bevorzugten Lektüre gehören.

Chor aus der Dunkelheit von Philip Dingeldey

Chor aus der Dunkelheit
Apex Verlag 2020
Taschenbuch
372 Seiten
ISBN 978-3-7502-9223-9

Bei amazon.de bestellen

Bildquelle: Amazon


Schreibe einen Kommentar