Nach einer Studie des Marktforschungsinstituts Ipsos aus dem Jahr 2001 ist der Reitsport für Mädchen zwischen sieben und vierzehn Jahren die drittbeliebteste Sportart und in der Altersklasse von 15 bis 18 Jahren steht er sogar an zweiter Stelle. Mit dem Kinderbuch Charlottes Traumpferd – Gefahr auf dem Reiterhof entführt Nele Neuhaus den jungen Leser in eine Welt, die allerdings nicht für jeden erschwinglich ist.

Die 13-jährige Charlotte hat den Verkauf ihres geliebten Pflegepferdes Gento noch nicht verkraftet. In den Ferien fährt sie mit ihren Eltern an die französische Atlantikküste, wo sie nicht nur die Bekanntschaft mit Thierry, einem Jungen aus Paris, macht. Sie schließt auch einen sechsjährigen Wallach in ihr Herz und kann kaum glauben, als ihre Eltern einem Kauf zustimmen und sie in Zukunft ein eigenes Pferd reiten darf. Direkt nach den Sommerferien soll Won Da Pie, wie sie den Wallach nennt, in ihren Heimatort Bad Soden überführt werden. Als Charlotte ihrer besten Freundin Dorothee davon erzählen will, muss sie zunächst eine Enttäuschung hinnehmen, denn Dorothee hat jetzt mit Inga ein gemeinsames Pferd, die Stute Corsario. Inga ist eifersüchtig auf Charlotte und verhält sich ihr gegenüber immer abweisender.

Für Charlotte ist es anfangs nicht leicht, den temperamentvollen Wallach zu zügeln, doch erfährt sie von ihrem Reitlehrer Kessler viel Unterstützung. Ihr Reitabzeichen muss sie jedoch bei dem strengen Jurastudenten Alex ablegen, der sie vor neue Herausforderungen stellt. Auf die hilfsbereite Isa kann Charlotte zwar zählen, doch irgendjemand ist neidisch auf sie, denn ausgerechnet vor der Prüfung wird ihr neuer Sattel zerstört.

Nele Neuhaus lässt Charlotte ihre Erlebnisse auf dem Reiterhof in der Ich-Form erzählen, womit sich der Leser bestens mit der Protagonistin identifizieren kann. Dem Buch ist die Liebe der Autorin zum Reitsport anzumerken und sie besitzt umfassende Kenntnisse in dieser Disziplin. So fließen Hinweise zur Pferdepflege und Krankheiten der Huftiere in den Text ein und sogar ein Besuch in der Tierklinik wird sehr anschaulich beschrieben. Dass für ein lahmendes Pferd der Tod eine Erlösung sein kann, hat sie ebenfalls angemerkt.

Hervorzuheben ist, dass Nele Neuhaus die Realitäten des Alltags auch mit in die Geschichte einbezogen hat. Für die jungen Reiter gilt es, auch ihren anderen Pflichten im Haushalt und in der Schule nachzukommen. Außerdem weist sie auf die recht hohen Kosten des Reitsports hin, die sich keineswegs mit dem Kauf eines Tieres erschöpfen. In dem Buch geht es um Neid und Enttäuschungen, die Menschen im Laufe eines Lebens immer wieder hinnehmen müssen und auch um Freundschaften, die hinterfragt werden.

Das Buch Charlottes Traumpferd – Gefahr auf dem Reiterhof sollte allein schon wegen der vielen verwendeten Fachausdrücke eher eine Altersempfehlung ab zwölf Jahre, und nicht wie vom Verlag vorgeschlagen, ab zehn Jahre erhalten. Die Protagonistin ist selbst dreizehn Jahre, besucht allerdings schon die neunte Klasse. Ungeachtet dieser Auffälligkeit handelt es sich um ein spannendes und schönes Buch. Insbesondere für reiterfahrene Mädchen, die mitfiebern werden, wenn Charlotte auf ihrem Pferd einen Parcour überwindet und auch nasse Augen bekommen, wenn sie vor lauter Glück Tränen weint.

Nele Neuhaus, Charlottes Traumpferd – Gefahr auf dem Reiterhof, Thienemann Verlag 2012, Hardcover, 176 Seiten, ISBN 978-3-522-50282-5, Preis: 8,95 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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