Der junge Polizeikommissar Frank Liebknecht soll in Kürze die aus dem Dienst scheidende, leitende Beamtin Brunhilde Schreiner ersetzen. Als die beiden Dorfpolizisten zu einer Leiche gerufen werden, schalten sich ihre Kollegen Brenner und Neidhard aus Erbach in die Ermittlungen ein. Der Tote, Theodor Brettschneider vom gleichnamigen Hof, weist eine tiefe Stichverletzung auf und alles scheint auf einen tragischen Unfall hinzudeuten. Von dem Dorfbewohner Karl Hofmeister erfährt Frank Liebknecht, dass die Eltern des Toten, Johanna und Friedrich Brettschneider, nicht mehr leben und seine Frau Marie den Hof bereits verlassen hat. Im Dorf kursieren Gerüchte, die sich um ein Geheimnis dieser merkwürdigen Familie ranken. Frank Liebknecht fallen sofort Ungereimtheiten in der Wohnung des Toten auf und er ermittelt auf eigene Faust, weil sich seine Kollegen über seine Theorie, dass es sich um einen Mord handeln könnte, lustig machen. Er scheut sich nicht, das polizeiliche Siegel am Hoftor zu brechen und findet bei seinem Alleingang eine Fotografie von einem Mädchen mit ungewöhnlich himmelblauen Augen.

Erstaunt zeigen sich alle Beamten, als Clemens Büchler, der Geschäftsführer der Matthäaner-Gemeinde, einer Sekte in Paderborn, mit einem Testament von Johanna Brettschneider auftaucht und das Erbe des Brettschneiderhofs antreten will. Liebknecht reist mit dem Dorfbewohner Hofmeister nach Paderborn, um sich einen Eindruck vom Leben der Sektenmitglieder zu machen. Erst zu spät merkt er, dass er nur benutzt wurde und eine Marionette in einem von langer Hand eingefädelten Spiel ist.

Obwohl der Kriminalroman Celeste bedeutet Himmelblau von Brigitte Pons direkt zu Beginn mit einem Toten aufwartet, hält sich die Spannung zunächst in Grenzen. Die Autorin „füttert“ den Leser jedoch in einem zweiten Erzählstrang mit einer Geschichte um ein stummes Mädchen, das von dem Rot-Kreuz-Mitarbeiter Dieter Strobel aufgegriffen wird. Damit macht sie den Leser neugierig, denn mit jedem weiteren Detail spitzt sich die Situation zu und wird für die Beteiligten gefährlich. Schließlich hält die Autorin auch noch Überraschungen für den Leser bereit, der vor lauter Anspannung kaum noch das Buch aus der Hand legen will.

Wie Brigitte Pons in einem Nachwort erklärt, sind zwar einige Dinge, wie der Bezug der Geschichte zu einer Sekte in Paderborn, ihrer schriftstellerischen Fantasie entsprungen, doch leider gilt das nicht für die Colonia Dignidad, einer in Chile ansässigen Sekte, auf deren Konto zahlreiche Menschenrechtsverletzungen wie sexuellen Kindesmissbrauch und Organhandel gehen. Die erwähnten Links sind zwar im Internet nicht mehr alle abrufbar, doch gibt es genügend Hinweise auf die verbrecherischen Machenschaften unter Beteiligung hochrangiger Persönlichkeiten, denen an dem Thema Interessierte nachgehen können. Brigitte Pons hat für diesen beachtlichen Kriminalroman eine ausgezeichnete Recherchearbeit geleistet und sorgt unabhängig davon mit Celeste bedeutet Himmelblau für spannende Unterhaltung.

Brigitte Pons, Celeste bedeutet Himmelblau, LYX Egmont Verlag 2014, Klappenbroschur, 352 Seiten, ISBN 978-3-8025-9388-8, Preis: 9,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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