Am Boden von Lucie Flebbe

Am BodenRoofing ist ein besonders in Russland sehr beliebter Extremsport, bei dem ohne Sicherung hohe Gebäude oder andere Bauwerke erklommen werden. Die Roofer lassen sich bei ihren gefährlichen und bei uns verbotenen Kletteraktionen filmen und stellen später die Videos auf Internetplattformen ein, wo sie häufig millionenfach aufgerufen werden. Wie schon von Bergsteigern bekannt, die allen Gefahren zum Trotz die höchsten Gipfel erklimmen, suchen auch sie die Herausforderung, sind von der Sucht nach dem besonderen Kick besessen und genießen den Adrenalinstoß.

Diese Leidenschaft scheint auch Korbinian Meier zu teilen, der mit vier weiteren jungen Leuten unter Alkoholeinfluss auf einen Baukran klettert und bei der Aktion zu Tode stürzt. So zumindest lautet die Nachricht an Kriminalhauptkommissar Lennard Staschek von der Mordkommission Bochum. Zufällig hören sein bester Freund Ben Danner, der vor Jahren den Dienst bei der Polizei quittiert hat, und dessen Freundin Lila Ziegler das Gespräch mit, während sie alle drei bei ihrem Hauswirt Molle in der Kneipe sitzen. Lila und Ben, die eine private Detektei betreiben, sind natürlich neugierig und sehen sich auch das Video auf Youtube an, das die Roofer bei ihrer Aktion zeigt und auch deutlich macht, dass es vor dem Sturz zu einer Auseinandersetzung kam.

Als Molle einen Blick auf das Video wirft, fällt er augenblicklich bewusstlos um. Die Ärzte diagnostizieren bei ihm einen Herzinfarkt, wofür Ben auch den Grund kennt: Molle hat seinen Sohn Jonas als einen der Kletterer erkannt. Die beiden Privatdetektive haben gegenüber den ermittelnden Beamten, die zunächst die Roofer identifizieren müssen, einen Wissensvorsprung, den sie nutzen wollen. Denn Jonas gilt allein schon wegen seiner kriminellen Vergangenheit als Verdächtiger am Tod von Korbinian Meier, und Ben fühlt sich seinem Freund Molle verpflichtet. Mit Lila sucht er bei den Freunden von Jonas und deren Eltern nach dem Jungen. Wie es aussieht, muss Lila Nachhilfe im Klettern nehmen und sich als eine von ihnen unter die jungen Leute mischen. Dass es nicht nur bei einem „Unfallopfer“ bleibt, ahnen sie noch nicht, und vor allem Lila, die seit Jahren unter posttraumatischen Störungen leidet, sieht noch nicht voraus, was ihre Anzeige gegen ihren Vater in Gang setzt, wonach sie sich als Opfer häuslicher Gewalt sieht.

Lucie Flebbe führt den Leser in ihrem Kriminalroman Am Boden , der bereits der 8. Fall des Ermittler-Duos Lila Ziegler und Ben Danner ist, an Originalschauplätze in Bochum. Es geht zum Ruhrpark, der als Shopping-Meile absolut nichts mit einem Park gemein hat, zum aus Betonklötzen bestehenden Studentenviertel Hustadt in Querenburg und auch zum längst stillgelegten Opel-Werk, wo sie ihre Protagonisten auf Hausdächer klettern lässt. Um eine realistische Darstellung bemüht, hat sich die Autorin für Recherchezwecke kurzerhand selbst auf das Dach führen lassen und sogar einen Schnupperkurs in einem Kletterzentrum absolviert.

Die Krimireihe um die flippige Lila, die der Leser längst in sein Herz geschlossen hat und die in der Ich-Form erzählt, was Lucie Flebbe die Möglichkeit gibt, deren zum Schmunzeln provozierenden Gedanken wiederzugeben, lebt von der Eigenart und Impulsivität dieser geschaffenen Figur. Zu ihrem Freund Ben verhält sie sich oft aufmüpfig, beide frotzeln gerne miteinander und es verbindet sie eine Hass-Liebe. Das Ende des Krimis Am Boden zieht dem Leser regelrecht den Boden unter den Füßen weg, zumal er mit so einer überraschenden Auflösung ganz sicher nicht gerechnet hat.

Lucie Flebbe, Am Boden , Grafit Verlag 2016, Taschenbuch, 251 Seiten, ISBN 978-3-89425-475-9, Preis: 11,00 Euro.

Bildquelle: Grafit Verlag

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