Bergmannserbe von Margit Kruse

BergmannserbeErst vor zehn Wochen ist die ehemalige Hobbydetektivin Margareta Sommerfeld zu einer staatlich geprüften Ermittlerin aufgestiegen und muss noch die für ihre Ausbildung aufgenommenen Schulden abtragen. Da bittet sie ihr Bruder Gisbert um Hilfe: Im Picksmühlenteich in Gelsenkirchen-Buer-Hassel wurde der Makler Fritz Stalewski erdrosselt aufgefunden. Gisbert räumt zwar ein, dem Makler das Nasenbein gebrochen zu haben, aber nur, weil der die Leute aus den Zechenhäusern vertreiben wollte. Obwohl er ein Alibi hat, zur Tatzeit war er bei seinem Nachbarn Norbert Koslowski, befürchtet er verdächtigt zu werden. Notgedrungen verspricht Margareta sich umzuhören, auch wenn er sie nicht bezahlen kann. Da kommt ihr die lukrative Vermittlung ihres Freundes Henry, mit dem sie zuvor in einer Detektei gearbeitet hat, gerade recht. Sie soll Dr. Klaus von Koschnitz im Auftrag seiner Ehefrau Dietlinde beobachten.

Obwohl Margareta für den einträglichen Auftrag in Bochum observieren muss, zieht es sie immer wieder an den roten Cola-Tisch des Kiosk-Besitzers Martin Bahlke in Hassel, an dem sich die Nachbarn versammeln. Zufällig trifft sie dort auf Udo Urbat, mit dem sie eine Nacht verbracht und den sie sieben Jahre nicht mehr gesehen hat. Von ihm erfährt sie, dass die sechsjährige Tochter Selma von Suleyman Kararoglu, einem seiner Kumpel, verschwunden ist. Immerhin klärt sich schnell auf, dass die Kleine eine Nacht bei dem „Taubenvater“ Heinrich Tachlinski verbracht hat, was Margareta allerdings zu denken gibt. Dann erhält sie einen Anruf von Udo, der ihr von einem zweiten Toten berichtet: Ein zweiter Makler, Jürgen Ommerborn, liegt auf den Schienen am Bahnhof in Hassel.

Die polizeilichen Ermittlungen stehen in den Kriminalromanen von Margit Kruse nicht im Vordergrund. So erfährt der Leser auch im Ruhr-Krimi „Bergmannserbe“ wenig von den Recherchen, die der Erste Hauptkommissar des Polizeipräsidiums in Gelsenkirchen-Buer betreibt, zumal Margareta mit dem Nachfolger von Helmut Blauländer nicht so recht „warm“ werden kann. Ihn zeichnet wenig Selbstbewusstsein aus, nachdem seine Ehe gescheitert und er wieder zu seinen Eltern gezogen ist. Im Gegensatz dazu lässt die Protagonistin „nichts anbrennen“. Die taffe Sechsundvierzigjährige ist emanzipiert, hat ein freches Mundwerk und legt Wert auf ihr Äußeres. Um sich nicht von ihrem eifersüchtigen Freund Henry abhängig zu machen und ihre Ruhe genießen zu können, wann immer ihr danach ist, lebt jeder in seiner eigenen Wohnung.

In den Roman „Bergmannserbe“ hat Margit Kruse, selbst in Gelsenkirchen beheimatet, eine wohldosierte Portion Lokalkolorit einfließen lassen. Glaubwürdig ist, dass das Navi von Margareta auf dem Gelände der Ruhruniversität Bochum „total verrücktspielte“. Während ihre Ermittlungen sie quer durchs Ruhrgebiet führen, muss sie mehrere Fälle gleichzeitig „unter einen Hut“ bringen. Interessant ist die ihrem Bruder Gisbert von der Autorin zugeschriebene Rolle, denn in dem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob er in die Fußstapfen seiner Schwester treten will. Immerhin beobachtet er mit einem Feldstecher von seiner Wohnung ein ominöses Paar und hat ein eigenes Interesse an der Aufklärung der Morde. Seine Gedanken gehen zu seinem Nachbarn Norbert, der sich merkwürdig verhält, und zu Detlev Rahnfeldt, der am Sterbebett seines Vaters ein Versprechen abgegeben hat. Macht sie das verdächtig? Was ist mit Udo, der zu viel mit seiner Schwester zusammenhockt, oder kann der „Taubenvater“ ein Mörder sein? Der Ruhr-Krimi verspricht beste Unterhaltung auf humorvollem Niveau und lässt auf eine Fortsetzung mit Margareta Sommerfeld, die sogar für eine Ermittlung im Fitnessstudio Schweiß lässt, hoffen.

Bergmannserbe von Margit Kruse

Bergmannserbe
Gmeiner Verlag 2020
Taschenbuch
312 Seiten
ISBN 978-3-8392-2564-6

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Bildquelle: Gmeiner Verlag


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1 Gedanke zu “Bergmannserbe von Margit Kruse

  1. Wie mir die Autorin mitgeteilt hat, versuchen skrupellose Makler immer wieder mit perfiden Tricks, Mieter bewohnter Immobilien zum Auszug oder Besitzer zum Verkauf zu drängen. Der im Roman geschilderte Fall ist übrigens nach wahren Begebenheiten auf Anraten des SPD-Ortsvorsitzenden Raimund Ostermann zustande gekommen.

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