Aus einer Zeit von Maximilian Zech

Aus einer ZeitSeit sieben Jahren arbeitet Dr. Matthias Bode als Assistenzarzt in einem Privatkrankenhaus mit Onkologischem Zentrum in Göttingen. Sein Alltag ist bestimmt durch Besuche am Krankenbett seiner Patienten, mit denen er auch Gespräche über ihr privates Leben führt. So auch mit Louna Lamiga, die ihm vom Hintergrund ihres Tatoos erzählt, das einen wichtigen Tag in ihrem Leben markiert. Mit Frau Sievert, deren chronische Leukämie er seit Jahren therapiert und der nur noch durch eine risikoreiche und im schlimmsten Fall tödlich verlaufende Stammzellentherapie geholfen werden kann, plaudert er über ihre Familie. Auch über die bitteren Lebensjahre des vom Tod gezeichneten Gerhard Wolfang Lutz weiß Bode Bescheid. Eines Tages entschließt sich der Arzt, der stets hilfreich für seine Kollegen eingesprungen ist, zur Überraschung aller ein paar Tage frei zu nehmen.

Maximilian Zech lässt in seinen Roman „Aus einer Zeit“ eine Menge Lokalkolorit einfließen, beispielsweise über die urige Kellerkneipe Trou oder den Gänseliesel-Brunnen als das Wahrzeichen des Handlungsortes Göttingen, wo er selbst studiert hat. So bedauert er an einer Textstelle, dass „ganze Straßenzüge mit wunderschönen Fachwerkhäusern“ für „kalten, hässlichen Beton“ zerstört wurden. Zu seinem Bedauern wurde auch ein in den 1730er Jahren errichtetes Reitstallgebäude trotz Protesten im Jahr 1968 zugunsten des Einkaufszentrums Carrée abgerissen. Kritisch bemerkt der Autor an anderer Stelle das Dilemma Privatversicherter, nicht mehr in eine gesetzliche Krankenkasse wechseln zu können, selbst dann nicht, wenn die Rente kaum zum Leben reicht. Da seine Eltern als DDR-Flüchtlinge verfolgt wurden, verwundert nicht, dass im Plot von Stasi-Methoden wie der Bespitzelung zu lesen ist. Dass sich zumindest ein Teil der im Roman erzählten Begebenheiten Ende 2015 ereignet haben, ist der Erwähnung des Terroranschlags auf Paris zu entnehmen.

Der Protagonist des Romans „Aus einer Zeit“ von Maximilian Zech berichtet das Geschehen in der Ich-Form. Dieser stellt fest, dass die Bürokratie einem Arzt zu wenig Zeit für seine Patienten lässt und dass Wünsche häufig auf einen in der Zukunft liegenden Zeitpunkt verschoben werden, der nicht selten gar nicht mehr erlebt wird. Bei einem Kneipenbesuch führt Bode mit einem Gast ein philosophisches Gespräch über Werte und Traditionen und kommt dort auch zu der Feststellung, dass der Kapitalismus ‚Knechte braucht, die dankbar für ihre Ketten sind‘. In dem Zusammenhang stellt er die alles entscheidende Frage, ob der Mensch trotz Häuschen und schönem Auto überhaupt glücklich ist.

Zu diesen unglücklichen Menschen gehört Dr. Matthias Bode selbst. Er wird von Maximilian Zech als trauriger Mensch beschrieben, der kaum Erinnerungen an glückliche Momente in seinem Leben hat, der seine ihn umsorgende Mutter viel zu früh verlor und der seit acht Jahren seinen Vater trotz dessen alljährlicher Einladung nicht mehr gesehen hat. Immer wieder erinnert er sich an seine Freundin Maja. Schließlich quälen ihn die Gedanken an seine einstige Kommilitonin so sehr, dass er ihr in einem Anflug von innerer Zerrissenheit schreibt. Während seiner selbst gewählten Auszeit vom Klinikalltag kommt er mit einem Pfarrer ins Gespräch, der den ihn unbekannten Mann allein aufgrund seiner Menschenkenntnis und feinen Beobachtung sehr gut zu kennen scheint. „Aus einer Zeit“ ist zwar ein Roman ohne spannende Handlung, der aber trotzdem den Leser durch die interessanten Gedanken des Protagonisten in seinen Bann zu ziehen vermag.

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Aus einer Zeit von Maximilian Zech

Aus einer Zeit
Bucher Verlag 2022
Hardcover mit Schutzumschlag
256 Seiten
ISBN 978-3-99018-580-3

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Bildquelle: Bucher Verlag
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