Ab in den Süden von Are Kalvø

Mein Selbstversuch, Cluburlaub und Pauschalsonne lieben zu lernen.

Ab in den SüdenWas kommt wohl dabei heraus, wenn ein Komiker und Satiriker das Verhalten von Pauschaltouristen unter die Lupe nimmt und darüber ein Buch schreibt? Das Ergebnis ist „Ab in den Süden“, in dem Are Kalvø unter anderem der Frage nachgeht, was die Menschen überhaupt am Süden fasziniert, wobei er für klärungsbedürftig hält, welche Regionen überhaupt zum Süden zählen. Er stellt fest, dass die verklärte und romantische Bedeutung, die Menschen mit dem Süden verbinden, sich häufig auf dort angebotene frische Fischgerichte und Bilder in Urlaubskatalogen von Zufriedenheit ausstrahlenden Fischern beziehen, die jedoch in seiner norwegischen Heimat mit ganz anderen, weniger schönen Erinnerungen verknüpft sind.

Are Kalvø unterzieht das Phänomen des Massentourismus einer kritischen Betrachtungsweise und stößt bei seinen Recherchen auf Pauschalreisenhasser, die den Süden auf eigene Faust als Rucksacktouristen auf der Suche nach dem Authentischen – was ist das eigentlich?, so fragt er – erkunden wollen. Während seines Aufenthaltes auf Mallorca lässt er sich beispielsweise über den Sinn und Unsinn einer als Attraktion angekündigten Unternehmung aus, in Griechenland hat er das in Mode gekommene Inselhopping im Visier, wobei er in seinen dazu verfassten Reisetagebucheintragungen durchaus mit einer Reihe von Fakten aufwartet.

Wie es sich für einen Komiker gehört, macht er sich über die Touristen lustig, die sich vor Sonnenuntergang für ein entsprechendes Foto an den in Reiseführern empfohlenen Plätzen einfinden und bemerkt dazu, dass diesen Ansturm „die Sonne jeden Abend aushalten“ muss. Oder er macht sich über die Touristen lustig, die auf einer Partyinsel eine Bar aufsuchen, in der ihnen eine Belohnung winkt, wenn sie in kürzester Zeit eine definierte Menge Alkohol trinken. Belustigend sind auch seine Ausführungen zu den an einen Reiseleiter gestellten Anforderungen. Der Autor schreibt von nichts aussagenden Schlagertexten und jenen, die von der Sehnsucht nach Süden erzählen. Er ist Urlaubern begegnet, die mit nichts zufrieden sind, und anderen, deren Verhalten nur peinlich ist.

Are Kalvø hat sein Buch „Ab in den Süden“, in dem er den Leser direkt anspricht, sowohl mit persönlichen Erfahrungen, als auch mit Geschichten versehen, die ihm zu Ohren gekommen sind. Er gibt fiktive Gespräche zum Besten, und immer wieder finden sich Textauszüge aus alten Reisekatalogen, die der Autor „unterhaltsam und lehrreich“ findet. Bei seinen Reisen hat er makabre Entdeckungen gemacht und festgestellt, dass Menschen im Urlaub, wo sie sich endlich einmal gehen lassen können und auf nichts Rücksicht nehmen müssen, häufig zu einem „anderen“ Menschen werden.

Voller Sarkasmus schreibt er in seinem „Selbstversuch, Cluburlaub und Pauschalsonne lieben zu lernen“, vom Wahnsinn, unter allen Umständen braun werden zu wollen, und ergeht sich in köstlich amüsanten Wortspielereien, wenn ein in einer Sprache harmloser Begriff in einer anderen plötzlich anstößig wird. Dass seine Erfahrungen als Norweger nicht unbedingt dem eines deutschen Urlaubers entsprechen, der im Gegensatz zu den Skandinaviern auch in der Heimat von der Sonne verwöhnt werden kann, ändert nichts daran, dass das von Are Kalvø – vom Prolog abgesehen – bereits vor achtzehn Jahren geschriebene und zum Schmunzeln neigende Buch eine in jeder Hinsicht interessant zu lesende Lektüre ist.

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Ab in den Süden von Are Kalvø

Ab in den Süden
DuMont Reiseverlag 2020
Klappenbroschur
248 Seiten
ISBN 978-3-7701-6691-6

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Bildquelle: MairDumont


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