Zwischen Weltreise und Spottdrossel: Uwe Helfrichs Gedichtband im Blick

Buchcover: Lass uns ins Blaue reisen – Das wir sind

Vom Hörbuch zur gedruckten Sammlung

Nachdem der Cenarius Verlag bereits das Hörbuch Lass uns ins Blaue reisen – Das wir sind* mit einer Auswahl an Gedichten, gesprochen und verfasst von Schauspieler, Kabarettist und Autor Uwe Helfrich, erfolgreich veröffentlicht hat, liegt nun auch die vollständige Gedichtsammlung in gedruckter Form vor.

Eine Reise ins Blaue ist dieser Gedichtband jedoch zumindest geografisch nicht, denn bereits im Inhaltsverzeichnis erfährt der Leser, wohin die Reise gehen soll: von Deutschland über die Niederlande nach Israel, weiter im Flugzeug nach Spanien und von der Ukraine in die USA nach Arizona und North Carolina. Danach führt der Weg über Indien nach Belgien, zurück nach Berlin und schließlich nach Nordrhein-Westfalen.

In dieser lyrischen Weltreise – von „Verschmitzt und zugenäht“ über „Morgentau, in dem die Welt sich spiegelt“ bis hin zu „Im Steinbruch meiner Tage“ – hat Uwe Helfrich seine Gedichte nicht nur den Ländern, sondern auch verschiedenen Themen zugeordnet.

Zwischen Lobeshymnen und kritischem Blick

Es mag sein, dass die Gedichte aus Lass uns ins Blaue reisen – Das wir sind*, musikalisch untermalt und vorgetragen von Uwe Helfrich, den Zuhörer über deren Inhalt hinwegzutäuschen vermögen. Allerdings erinnern die im Vorwort erwähnten und im Anhang abgedruckten Lobeshymnen über das Hörbuch in gewisser Weise an das Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ von Hans Christian Andersen, in dem wider besseren Wissens niemand die offensichtliche Wahrheit ausspricht.

Spottdrossel statt Honig

Die Impulse der schöpferischen Intelligenz haben den Dichter nicht mit Honig gefüttert, wie Uwe Helfrich im Gedicht „Devas“ zu glauben scheint. Treffender ist vielmehr, was in einer Zeile des Gedichts „Von jetzt an“ zu lesen ist: „Ich leiste mir, deiner Spottdrossel Nahrung zu geben.“

Das hat der Dichter bereits einige Seiten zuvor getan – mit Zeilen wie „Heut bin ich so blau“ oder „Eia popeia sie schlafen“.

Wenn die Därme sprechen

In dem Gedicht „Im Garten des Hotelrestaurants“ heißt es dann: „Meine Därme melden sich zu Wort | Sie sprechen | Die Sprache des Durchfalls.“

Über lange Strecken entsteht der Eindruck, als hätten die Därme des Dichters selbst an dem Werk mitgewirkt.

Fragmente mit Nachhall

Trotz dieser irritierenden Passagen finden sich im Gedichtband durchaus gedankliche Fragmente, die zum Nachdenken anregen können. Wer jedoch Lyrik bevorzugt, bei der sich die Zeilen reimen oder am Ende einen klaren Sinn ergeben, sollte auf die Lektüre von Lass uns ins Blaue reisen – Das wir sind* besser verzichten.

Lass uns ins Blaue reisen – Das wir sind von Uwe Helfrich

Buchcover: Lass uns ins Blaue reisen - Das wir sind
Cenarius Verlag 2011
Broschur
107 Seiten
ISBN 978-3-940680-35-8

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Bildquelle: Cenarius Verlag

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