Die Stunde der Patinnen – Frauen an der Spitze der Mafia

Buchcover: Die Stunde der Patinnen

Ein Blick hinter die Kulissen des organisierten Verbrechens

Mathilde Schwabeneder gibt in ihrem Buch Die Stunde der Patinnen* Einblick in die Strukturen des organisierten Verbrechens: der Cosa Nostra in Sizilien, der Camorra in Kampanien und der gewalttätigsten unter ihnen, der ’Ndrangheta in Kalabrien. Allen ist gemein, dass sie strenge Regeln für die Mitglieder der „Ehrenwerten Gesellschaft“ aufgestellt haben. Ein Ehebruch oder Verrat bedeutet meist den Tod. Junge Mädchen werden unter Gewaltanwendung in eine Ehe gedrängt, wenn es den rivalisierenden Clans Vorteile bringt – und zur Rettung der Ehre schrecken Familien nicht einmal vor Kindermord zurück.

Frauen, die Macht übernehmen

Anhand von 17 Einzelschicksalen zeichnet die Autorin ein Porträt der Mafiosifrauen, die längst keine untergeordnete Rolle mehr spielen.

  • Giusy Vitale übernahm nach der Verhaftung ihres Bruders die Führung der Cosa Nostra, wurde später Kronzeugin und kam ins Zeugenschutzprogramm.
  • Nunzia Graviano lenkte die Geschicke, als ihr Bruder wegen eines Mordbefehls an einem Geistlichen inhaftiert wurde.
  • Carmela Iuculano, mit 17 schwanger, überbrachte die Botschaften ihres Mannes, kam in Isolationshaft und wurde von Giusy Vitale überzeugt, ebenfalls auszusagen.
  • Angela Russo organisierte den Drogenhandel in ganz Italien, wurde jedoch vom eigenen Sohn verraten.
  • Cinzia Lipari nutzte ihre Stellung als Anwältin, um die Verbindung ihres inhaftierten Vaters zur Außenwelt aufrechtzuerhalten.

Brutale Geschäfte und tödliche Konsequenzen

Maria Licciardi steuerte von Neapel aus den größten Drogenumschlagplatz Europas, verdiente Milliarden Lire mit gefälschten Markenprodukten und Giftmülltransporten. Assunta Maresca rächte mit nur 20 Jahren ihren ermordeten Gatten und wurde nach zehn Jahren Haft die Lebensgefährtin des größten Kokainproduzenten der Welt. Rosetta Cutolo lenkte von einem alten Medici-Schloss aus mit ihrem Bruder 7.000 Untergebene und bereicherte sich am Glücksspiel und Drogenhandel.

Auch andere Frauen traten in die Fußstapfen ihrer Männer:

  • Antonella Madonna ruinierte Händler und genoss ihre Macht, bis sie selbst bedroht wurde.
  • Giusy Pesce wurde mit 14 verheiratet und zeigte später ihre Familie an – ihre Großmutter forderte daraufhin ihren Tod.
  • Maria Concetta Cacciola, bereits mit 16 zur Ehe gezwungen, bezahlte ihren Mut, die Familie zu verraten, mit dem Leben.
  • Giovanna Galatolo brachte mit ihren Aussagen die Wiederaufnahme bereits abgeschlossener Fälle ins Rollen, darunter die Ermordung des berühmten Anti-Mafia-Richters Giovanni Falcone.

Ein Buch wie ein Krimi – nur Realität

Sprachgewandt und in flüssigem Stil erzählt die als Auslandskorrespondentin arbeitende Mathilde Schwabeneder die Lebensläufe von Frauen, für die die Stunde der Patinnen gekommen war. Mal schildert sie die Kaltblütigkeit jener, die selbst an der Spitze eines Clans standen, mal ihre tragischen Schicksale.

Gestützt auf Quellen und Akten, ergänzt durch Fotos, zeigt das Buch die Brutalität der Mafia. Es berücksichtigt die neuesten Entwicklungen bis Mitte 2014 und liest sich spannend wie ein Krimi – nur dass die tausendfach verübten Morde bittere Realität sind.

Ein grandioses, umfassendes und klar strukturiertes Werk über die Macht der Frauen in der Mafia.

Die Stunde der Patinnen von Mathilde Schwabeneder

Buchcover: Die Stunde der Patinnen
Styria Verlag 2014
Hardcover mit Schutzumschlag
271 Seiten
ISBN 978-3-222-13461-6

Bildquelle: Styria Verlag

Teile diesen Beitrag