Klugscheißer Royale – Wenn das Leben plötzlich Kopf steht

Buchcover: Klugscheißer Royale

Job weg, Liebe weg – und jetzt?

Es ist hart, wenn man gleichzeitig seinen Job und die Freundin verliert. Erst wird Timo Seidel, der seit fünf Jahren in einem Callcenter arbeitet, von seinem Chef fristlos gekündigt – und das nur, weil er sich ein wenig im Tonfall vergriffen hat. Dann verlässt ihn auch noch Cleo, die ihn einen Egoisten und Klugscheißer schimpft. Timo kann es kaum fassen, schließlich hatten sie doch immer guten Sex.

Schnell überschlägt er die monatlichen Kosten, denn nach Cleos Auszug muss er die Miete alleine stemmen. Die Erkenntnis ist klar: Ein neuer Job muss her – und zwar sofort. Doch trotz seiner 28 Jahre hat Timo noch immer keine abgeschlossene Berufsausbildung. Sein Deutsch- und Englischstudium hat er nach nur zwei Semestern hingeworfen. Voller Hoffnung wendet er sich an die Arbeitsagentur, erlebt dort jedoch ein böses Erwachen und wird unsanft auf den Boden der Realität zurückgeholt.

Ein unerwartetes Angebot

Als Timo einer Einladung seines Freundes Amadeus folgt, macht ihm dessen Freundin Andrea, die an einer Abendschule arbeitet, ein überraschendes Angebot: Er soll als Vertretungslehrer an der Außenstelle in Brühl einspringen. Dort wird dringend ein Englischlehrer gesucht – und Timo ist schließlich mit Englisch als Zweitsprache aufgewachsen.

Er nutzt die Chance, zumal er selbst in Brühl wohnt. Nach einem Vorstellungsgespräch hält er tatsächlich einen befristeten Anstellungsvertrag in den Händen. Nun fühlt er sich, quasi als staatlich Beauftragter im Auftrag der Majestät Angela Merkel, wie ein echter Klugscheißer Royale. Zu dumm nur, dass er auch in seinem neuen Job nicht immer den Mund halten kann…

Rasantes Erzählen statt Nebensächlichkeiten

Der Roman lebt von Thorsten Steffens’ schnellem Erzählstil und den flotten Sprüchen seines Protagonisten und Ich-Erzählers. Der Autor verliert sich nicht in Nebensächlichkeiten, sondern kommt sofort zur Sache. Doch so oberflächlich, wie die Geschichte zunächst wirkt, ist sie keineswegs.

Ganz nebenbei erfährt der Leser etwa den Unterschied zwischen den Pluralformen „Wörter“ und „Worte“. Das überrascht nicht, schließlich hat Steffens selbst Germanistik studiert. Anders als Timo vermittelt er Grammatik jedoch nicht belehrend, sondern humorvoll und ohne erhobenen Zeigefinger.

Gesellschaftskritik mit Witz

Fast beiläufig weist der Autor in Klugscheißer Royale darauf hin, dass Frauen häufig noch immer weniger verdienen als Männer und seltener Spitzenpositionen erreichen. Kritisch erinnert er daran, dass Frauen bis vor wenigen Jahrzehnten ohne die Zustimmung ihres Ehemannes nicht arbeiten durften, dass Vergewaltigung in der Ehe straffrei war und Schwangerschaftsabbrüche nicht legal.

Das in diesem Zusammenhang erwähnte Buch Alice im Männerland* von Alice Schwarzer ist tatsächlich im Buchhandel erhältlich. Ebenso greift Steffens aktuelle Themen wie den von den Weight Watchers propagierten „Cheat-Day“ auf, der angeblich den Stoffwechsel ankurbeln kann. Ob er seine Schüler im Englischunterricht auch mit dem von Timos Figur favorisierten Buch Fuck Grammar* begeistert, bleibt offen. Seine Leser jedenfalls amüsiert er mit der Lektüre und hält sie neugierig auf den Fortgang der Handlung – die für Timo noch einige Überraschungen bereithält.

Klugscheißer Royale von Thorsten Steffens

Buchcover: Klugscheißer Royale
Piper Verlag 2019
Taschenbuch
232 Seiten
ISBN 978-3-492-50165-1

Bildquelle: Piper Verlag

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