Was Geld nicht kaufen kann – und warum wir es trotzdem jagen

Cover von Über die Kunst, Geld bewusst einzusetzen von Morgan Housel

Wünsche, Bedürfnisse und die Falle des „Mehr“

Gleich zu Beginn seines Sachbuchs Über die Kunst, Geld bewusst einzusetzen zeigt Morgan Housel klar die Diskrepanz zwischen dem, was wir uns wünschen, und dem, was wir tatsächlich brauchen. Er kommt zu dem Schluss, dass mehr Geld nicht automatisch mehr Glück bedeutet.
Menschen neigen dazu, ihre Ansprüche zu erhöhen, je mehr sie besitzen – ein Zustand echter Zufriedenheit bleibt so unerreichbar. Wo psychologische und soziologische Faktoren dominieren, helfen Zahlen und nüchterne Berechnungen wenig.

Die Kunst des guten Lebens

Dass „der richtige Umgang mit Geld eine Kunst“ ist, erschließt sich oft erst bei genauerem Hinsehen. Seit Jahrtausenden diskutieren Philosophen darüber, was ein gutes Leben ausmacht.
Housel regt dazu an, sich ehrlich zu fragen, ob man wirklich mehr Geld möchte – oder vielmehr Respekt, Bewunderung oder Aufmerksamkeit.
Sein pointiertes Beispiel: Selbst wenn Jeff Bezos ein billiges Fahrrad fahren würde, würde seine Bewunderung nicht schwinden.

Reichtum ohne inneren Reichtum

Reiche können sich nahezu jeden Wunsch kaufen – außer Liebe. Von außen wirken sie oft glücklich, doch es fehlt ihnen häufig an psychischem Reichtum, also der Zufriedenheit mit dem, was man hat.
Dinge sind nur so lange begehrenswert, bis man sie besitzt; danach verlieren sie an Bedeutung.
Für ein erfülltes Leben sieht Housel vor allem fünf Faktoren als entscheidend: Freunde, Familie, Gesundheit, Lebenssinn und klarer Verstand.
Prestige dürfe niemals mit Nutzen verwechselt werden. Anhand von Guppys und dem Grönlandhai stellt er die Frage, ob es sinnvoller ist, im Heute zu leben oder für morgen vorzusorgen.

Neid, Eifersucht und der Blick auf andere

In der von Martin Bauer übersetzten Ausgabe widmet sich Housel auch den Themen Neid und Eifersucht. Der respektvolle Umgang mit anderen Menschen spielt für ihn eine zentrale Rolle.
Zur Untermauerung seiner Thesen zitiert er ein breites Spektrum an Persönlichkeiten – Psychologen, Staatsmänner, Wissenschaftler, Autoren, Komiker, Finanzberater, Entertainer, Philosophen, Musiker und Schauspieler.
Eine seiner prägnantesten Einsichten lautet: Die Freude am Geld endet dort, wo Sparen überflüssig wird.
Kein Wunder also, dass das Buch über hundert Anmerkungen enthält.
Geschichten, die im Gedächtnis bleiben

Housel erzählt nicht nur theoretisch, sondern auch packend:

  • einen dramatischen Segelwettbewerb aus dem Jahr 1968,
  • das Schicksal einer havarierten Besatzung, die über ein Jahr in einem Rettungsboot überlebte,
  • und den rasanten Verfall des Milliardenvermögens der Familie Vanderbilt.

Besonders eindrücklich ist die Anekdote über John D. Rockefeller, der auf die Bemerkung, sein Sohn buche stets die Präsidentensuite, antwortete: „Ja, aber mein Sohn hat etwas, das ich nie hatte: einen reichen Vater.“

Ein Buch, das keine Regeln vorgibt – und gerade deshalb wirkt

Housel verzichtet bewusst darauf, konkrete Ratschläge zu geben, wofür Menschen ihr Geld ausgeben sollten. Stattdessen appelliert er an die Vorbildfunktion der Eltern: Kinder speichern unbewusst alles, was sie beobachten.
Er möchte sensibilisieren für die Frage, was wir wirklich wollen. Denn letztlich wünschen sich die meisten Menschen nichts sehnlicher, als selbstbestimmt zu leben, weniger Zeitdruck zu haben und mehr Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen, statt unablässig Geld anzuhäufen.

Dieses Sachbuch liefert zahlreiche Denkanstöße, die für jeden wertvoll sind.

Über die Kunst, Geld bewusst einzusetzen von Morgan Housel

Cover von Über die Kunst, Geld bewusst einzusetzen von Morgan Housel
Übersetzung von Martin Bauer
FinanzBuch Verlag 2025
Klappenbroschur
224 Seiten
ISBN 978-3-95972-838-6

Bildquelle: FinanzBuch Verlag

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