
Ein Prolog voller guter Vorsätze – und unglaublicher Geschichten
Wie Christoph Flittner bereits im Prolog seines Sachbuchs »Besoffen mit Fahrrad ist okay, oder?«* ausführt, hatte er von Beginn an die Idee, seine Fahrschule konsequent kundenorientiert aufzubauen. Seine Überlegungen dazu erläutert er ausführlich. In fast zwanzig Jahren Berufserfahrung hat er zahlreiche skurrile Situationen erlebt – und betont, dass lediglich die Namen verändert wurden. Auch wenn manche Begebenheiten kaum zu glauben sind, versichert er, all dies tatsächlich erlebt zu haben.
Wenn ein Kaugummi zur Gefahr wird – und andere Absurditäten
So wurde er Zeuge, wie ein Kaugummi zur Lebensgefahr wurde, oder wie ein Autofahrer linksherum in den Kreisverkehr einfuhr, um schneller zur ersten Ausfahrt zu gelangen und nicht erst eine dreiviertel Runde drehen musste. Mittlerweile weiß der Autor, warum Radfahren eine gute Voraussetzung für den Mofa‑Führerschein ist. Er staunte nicht schlecht, als er mit einem Fahrschüler vom dessen Vater verfolgt wurde – während sich ein anderer Vater als hartnäckiger Besserwisser entpuppte.
Prüfer, Pannen und peinliche Geschenke
Immer wieder hatte es Flittner mit uneinsichtigen Eltern zu tun oder mit Kunden, die sich mit ungewöhnlichen Geschenken wie einem „Blow“ oder einem Gratis‑Puffbesuch bedanken wollten. Einem Prüfer widersprach er – weil es ihm zu bunt wurde – unerlaubterweise. Ein anderer Prüfer musste sich „aufladen“, nachdem er all seine Energie an einen ängstlichen Prüfling abgegeben hatte. Wieder ein anderer gab mutig einen Fehler zu, und ein weiterer schlief während der Prüfungsfahrt ein – seine spätere Erklärung übertraf alles Vorstellbare.
Rechtliche Irrtümer und gefährliches Halbwissen
In seinem Sachbuch klärt der Fahrlehrer unter anderem über die vorgeschriebene Mindestgröße für den Führerschein auf, darüber, ob Autofahrer zahlen müssen, wenn sie durch eine Pfütze einen Fußgänger beschmutzen, und über die Rechtslage zu Blitzerwarnern. Er beantwortet Fragen wie:
- Kann der Führerschein auch Radfahrern oder Fußgängern entzogen werden?
- Darf ein Autofahrer beschleunigen, wenn er überholt wird?
- Wie verhält man sich bei plötzlich auftauchendem Wild – und muss ein Wildunfall gemeldet werden?
Von Bahnübergängen, Assistenzsystemen und einem mysteriösen Ellenator
Nicht nur Führerscheinbewerber sind unsicher, ob bei geschlossener Schranke der Motor ausgeschaltet werden muss. Und selbst „alte Hasen“ wissen oft wenig über moderne Assistenzsysteme, die heute zur Fahrprüfung gehören. Besonders kurios ist der sogenannte Ellenator, den kaum jemand kennen dürfte und der zur besseren Verständlichkeit eine Abbildung verdient hätte. Hand aufs Herz: Können Sie sich ein Fahrzeug mit vier Rädern vorstellen, das als dreirädrig eingestuft wird?
Holprige Übergänge und hilfreiche Skizzen
Etwas irritierend wirkt zu Beginn der Übergang vom ersten zum zweiten Absatz: Zum einen bleibt unklar, ob der Prolog bereits endet, zum anderen taucht plötzlich der Name „Franzi“ auf. Die teils weit ausholenden Texte werden jedoch durch die vom Autor erstellten Skizzen aufgelockert. Zudem gibt er wertvolle Hinweise zum Autofahren im Seniorenalter und empfiehlt einen Test zur Überprüfung der eigenen Fahrtüchtigkeit.
Humorvolle Tipps für die Prüfung – und fürs Autofahrerleben
Der Leser erhält in lockerem, amüsantem Stil nützliche Tipps zum Bestehen der Führerscheinprüfung, ergänzt durch psychologische Erkenntnisse und Hinweise auf typische Fehler. Außerdem erfährt man, worauf beim Verleihen des eigenen Autos zu achten ist und wie sich der Spritverbrauch senken lässt. Junge Männer sollten jedoch bedenken, dass eine niedrige Heizung bei gleichzeitig hoher Sitzheizung nicht unbedingt förderlich für spätere Vaterfreuden ist.
Das Buch liest sich stellenweise etwas schleppend, ist insgesamt jedoch ein informativer und unterhaltsamer Ratgeber.
»Besoffen mit Fahrrad ist okay, oder?« von Christoph Flittner

Riva Verlag 2025
Taschenbuch
224 Seiten
ISBN 978-3-7423-2940-0

