Yasemins Kiosk von Christiane Antons

Yasemins KioskNachdem die Polizeibeamtin Nina Gruber vom Dienst in Wuppertal suspendiert wurde, zieht sie nach Bielefeld, um ihre kranke Mutter Hetta zu versorgen. Schnell stellt sie fest, dass sie unbedingt eine eigene Wohnung haben muss und ist glücklich, über Yasemins Kiosk einziehen zu können. Mit der Betreiberin Yasemin, einer Halbtürkin, und ihrer neuen Vermieterin Dorothee, die auch im Haus wohnt, freundet sie sich sofort an. Als Yasemin eines Tages in der Altpapiertonne eine männliche Leiche findet und darin auch noch ihren Bekannten Adil erkennt, wendet Nina sich sofort an ihre Kollegen.

Tim Brüggenthies von der Kriminalpolizei Bielefeld führt die Ermittlungen. Von ihm erfährt Nina im Vertrauen, dass Adil an einer Überdosis Alkohol und Drogen verstarb und die Obduktion keinen Hinweis auf eine Fremdeinwirkung ergeben hat. Doch Yasemin glaubt nicht an diese Theorie und bittet Nina, ihr bei der Aufdeckung der wahren Umstände, die zu seinem Tod geführt haben, zu helfen. Unterstützung finden die beiden in Dorothee, die sich für die Recherchen im Internet anbietet. Doch sind das nicht die einzigen Sorgen der Frauen: Yasemin erhält von einem Unbekannten anzügliche Briefe perversen Inhalts und sogar ein Päckchen mit einer toten Ratte. Da Nina den Stalker unter den Verflossenen von Yasemin vermutet, nimmt sie einen nach dem anderen unter die Lupe.

Christiane Antons erzählt ihren Kriminalroman in zwei Handlungssträngen: Schon im ersten Kapitel hat ein Mann in seinem Auto eine Leiche, die er entsorgen muss. Der Leser erfährt im weiteren Verlauf lediglich, dass er nicht der Mörder war, irgendwo als Fahrer beschäftigt ist und für seinen „Engel“ ein Haus bauen will. Wer dieser Unbekannte ist und welche Rolle er spielt, verrät die Autorin erst am Ende, womit sie für eine Überraschung sorgt. Die Charaktere ihrer Protagonisten hat sie gut ausgearbeitet, da jeder ein besonderes Merkmal aufweist. Nina schließt immer dann die Augen und versetzt sich gedanklich an einen Ozean, wenn zu viel auf sie einstürzt und ihre Mutter Hetta hat eine Vorliebe für Pornos. Dorothee traut sich seit fünfzehn Jahren nicht mehr aus dem Haus und Yasemin hat als leicht durchgeknallte ehemalige Friseurin ihre eigenen Moralvorstellungen.

Als gebürtige Bielefelderin hat Christiane Antons eine Menge Lokalkolorit in den Plot einfließen lassen und erwähnt beispielsweise die Lokale Seekrug und Zwiebel. Mit Tim Brüggenthies besucht Nina die „Alm“, so lautet der frühere Name des Fußballstadions SchücoArena. Auch die Mobile-Dating-App Tinder, der sich Yasemin bedient, ist keine Erfindung von der Autorin und dient tatsächlich der Anbahnung neuer Bekanntschaften. Kritische Erwähnung finden auch Punkte wie die immer schlechter arbeitenden Lokalredaktionen oder skrupellose Spekulanten, die eine Genehmigung erwirken können, dass verseuchter Boden zu Bauland wird. Es ist nicht aus dem Leben gegriffen, wenn eine Vermieterin ihrem Mieter ein Auto schenkt und es ist auch wenig glaubhaft, dass eine ungelernte Kraft die Arbeit einer Bürokauffrau leistet. Aber darauf kommt es bei dem Kriminalroman Yasemins Kiosk von Christiane Antons auch gar nicht an. Pluspunkte sind, dass das Interesse des Lesers am Fortgang der Handlung von Anfang an geweckt wird, ein verschwörerisches Frauentrio für gute Laune sorgt und dass Nina mit ihrem Kollegen Tim ein herrlich frotzelndes Gespann abgibt.

Christiane Antons, Yasemins Kiosk , Grafit Verlag 2018, Taschenbuch, 190 Seiten, ISBN 978-3-89425-582-4, Preis: 11,00 Euro.

Bildquelle: Grafit Verlag

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