Obwohl Percy erst sechzehn Jahre alt ist, arbeitet sie schon in einer Möbelwerkstatt, anstatt weiter die Schule zu besuchen, weil sie sich und ihre dem Alkohol verfallene Mutter Carletta durchbringen muss. Von einem Freund erfährt sie, dass er Carletta zusammen mit dem vorbestraften und drogenabhängigen Shelton Potter gesehen hat. Aus Sorge um ihre Mutter fährt sie im Schneesturm zu seiner Farm, die Sheltons Onkel Rick gehört. Nachdem sie die letzten eineinhalb Kilometer aus Angst, im Schnee stecken zu bleiben, zu Fuß zurückgelegt hat, findet sie anstelle von Carletta lediglich Shelton und Kayla vor, die mit ihrer Schwester zur Schule ging. Beide schlafen offensichtlich ihren Rausch aus. Einem Gestank und Geräusch folgend, entdeckt Percy zunächst einen toten Hund und schließlich ein Baby, dessen Gesicht bereits durch ein offen stehendes Fenster vom Schnee bedeckt ist. Kurz entschlossen nimmt sie die kleine Jenna, wie ihr Name am Bettchen verrät, mit einer Tasche voll Windeln und Babynahrung an sich.

Da Percy über ihr Handy wegen fehlender Guthaben keine Hilfe holen kann, die verwahrloste Jenna aber dringend in ein Krankenhaus muss, kämpft sie sich durch die Schneemassen bis zur Blockhütte von Portis Dale vor, einem früheren Lebensgefährten ihrer Mutter. Das Bellen seines Hundes Wolfdog hält er für ein schlechtes Omen, will ihr und dem Sweetgirl aber trotzdem helfen. Weil er das eingeschneite Auto von Percy nicht frei bekommt, müssen sie sich zu Fuß auf einen Marsch in die Berge begeben, wo er seinen Truck abgestellt hat. Shelton, der inzwischen das fehlende Baby bemerkt hat, verdächtigt den Mexikaner Hector Valquez, die kleine Jenna geraubt zu haben und beauftragt den Ganoven Krebs mit der Suche nach dem Baby. Mit seinem Kollegen Arrow jagt dieser Percy und Portis, die sich neben der Sorge um die kranke Jenna jetzt auch noch vor ihren Verfolgern in Acht nehmen müssen.

Travis Mulhauser lässt die Protagonistin in seinem Roman Sweetgirl entweder selbst in der Ich-Form berichten, oder wechselt in einen allgemeinen Erzählstil. Die erst sechzehnjährige Percy wird vom Autor nicht nur als sehr verantwortungsvoll geschildert, sondern auch mit einer ihrem Alter nicht angemessen Lebenserfahrung ausgestattet, was ihren Äußerungen zu entnehmen ist. Bei ihrer Art zu reden stellt sich der Leser eher einen gestandenen Mann vor, den so schnell nichts erschüttert. So unwahrscheinlich die Geschichte für in unseren Breitengraden lebende Menschen klingt, so unverständlich ist auch Percys Entscheidung, mit dem Baby zu ihrem Bekannten Portis zu gehen, anstatt direkt zurück zu ihrem Wagen, mit dem sie zu diesem Zeitpunkt vermutlich noch hätte fahren können.

Bis auf Percy sind die Romanfiguren allesamt kaputte Typen, die Unmengen Whisky konsumieren. Shelton Potter greift immer wieder nach der Nitroflasche und inhaliert einen „Ballon“, wobei vermutlich nicht jedem Leser geläufig ist, was damit gemeint ist. Mit dem Crystal Meth, das er selbst herstellt, ist ein Methamphetamin gemeint, eine synthetisch hergestellte Droge. Der zwar in einem flüssigen Schreibstil gehaltene Roman weist nur eine mäßige Spannung auf und den im Klappentext angekündigten Witz und schwarzen Humor findet man allenfalls ansatzweise. Bewohner aus Michigan, dem Handlungsort, mögen sich mit den Geschehnissen identifizieren, doch dürfte sich die Begeisterung über das Buch auf diese beschränken.

Travis Mulhauser, Sweetgirl, Deutscher Taschenbuch Verlag 2017, Broschur, 254 Seiten ISBN 978-3-423,26126-5, Preis: 14,90 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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