Ranga Yogeshwar gesteht schon in dem Vorwort seines Buches Nächste Ausfahrt Zukunft, dass er als Wissenschaftsjournalist eine andere, ihn prägende Perspektive auf die Dinge des Fortschritts genießt als die meisten Menschen. Bereits in den ersten Sätzen lässt er seinen privaten, familiären Alltag in Form eines defekten Kaffeeautomaten einfließen, womit er deutlich macht, dass er als Zielgruppe nicht nur Wissenschaftler ansprechen will, sondern vor allem auch Laien. Im Zusammenhang mit Smartphone und WhatsApp, die nicht ohne Auswirkungen auf die Arbeitswelt und das Familienleben sind, spricht er von einer digitalen Revolution, wobei er die Frage nach einer möglichen totalen Überwachung aufwirft. Ein jeder muss sich bewusst machen, dass die über ihn gesammelte Datenfülle nicht ersichtlich ist, ähnlich unsichtbarer Strahlung, so sein Vergleich, trotzdem aber existiert.

Ausführlich schreibt der Autor über die Kernspaltung, eines seiner Fachgebiete als Physiker. Seine Erfahrungen und Eindrücke, die er im Reaktorgebäude von Tschernobyl sammeln durfte, präsentiert er dem Leser in eindrucksvollen Tagebucheinträgen, wobei er nicht mit Kritik spart. Mit demselben, bewährten Team besuchte er Fukushima, rekonstruiert die letzten Minuten vor der Katastrophe, und gerade durch die detaillierte Schilderung seiner Gefühle während der Besichtigung macht er die Beklemmung begreifbar. Weiterlesen »

Ende der 80er Jahre haben die Freundinnen Emma und Julia mit ihren 13 Jahren allerhand Flausen im Kopf. Verbotenes reizt und so stehlen sie Süßigkeiten und Getränke. Als sich ihnen im Wald eines Tages ein Mann in exhibitionistischer Weise zeigt und seinen „Rhabarberpenis“ mit der Hand reibt, erregt das die Mädchen und führt zu sexuellen Fantasien.

Die Familiensituation der beiden weist große Unterschiede auf: Emma lebt bei ihrer allein erziehenden Mutter Annika, die sie wie eine Freundin behandelt, in bescheidenen Verhältnissen. Wegen der Schwangerschaft musste Annika ihr Studium aufgeben. Als Pflegehelferin arbeitet sie in einem Seniorenheim und freut sich über einen kleinen Nebenverdienst, als sie für den Kulturredakteur Gunnar Buchrezensionen schreiben darf.

Um die Ehe der Eltern von Julia und ihrem kleineren Bruder Erik steht es nicht zum Besten, denn Mutter Gisela kann sich nicht mehr daran erinnern, wann sie in ihrem Leben zum letzten Mal fröhlich war. Sie hat nur noch entfernt Erinnerungen an ein anderes Leben, als sie noch anders war. Ihr Mann Carl verachtet sie und genießt es, sie zu schikanieren. Er beherrscht seine Familie und spielt seine Macht aus. Weiterlesen »

Nach dem Tod von Onkel Hermann muss sich Stefan Zöllner um sein Elternhaus in Bochum kümmern, das sein Onkel bis zuletzt bewohnte. Zu diesem Zweck kommt Stefan extra aus München, wo er seit 10 Jahren lebt. Mit einem Makler hat er einen Termin vereinbart und nach dem Wochenende will er wieder zurück fahren. In seiner Heimatstadt besucht er seine fast 90-jährige „Omma“ im Seniorenheim und trifft alte Freunde. Mit Toto, Frank, Diggo und Murat wird er an alte Zeiten erinnert und alle gemeinsam besuchen sie das große Volksfest, bei dem die A 40 über 60 km gesperrt wird. Stefans Freunde raten ihm mehrmals, sich bei der Webdesignerin Charlotte Abromeit, kurz Charlie, zu melden. Sie war für ihn eigentlich immer wie eine Schwester und sie sind quasi zusammen groß geworden. Aber Stefan zögert den Anruf bewusst hinaus.

Frank Goosen erinnert den Leser in seinem Roman Sommerfest an so viele Begriffe, Sprüche und Spiele, die in Vergessenheit geraten sind. Der oft ins Fettnäpfchen tretende Protagonist Stefan dürfte gerade deshalb so authentisch und liebenswert wirken, hat es mit Omma, Oppa und Killefit zu tun, fährt nach Pusemuckel, spielt Piss-Pott, sagt ja nee, echt jetzt und ey, hört alte Schlager und spricht Spass mit kurzem a aus. Weiterlesen »