In Deutschland boomt der Markt sogenannter Zeitarbeitsfirmen, die Arbeitnehmer einem Dritten auf Zeit überlassen. Die Beschäftigten werden häufig systematisch ausgebeutet und viele bezeichnen die Vermarktung als eine Form der modernen Sklaverei. Der Personaldienstleister Manpower zählt zu den drei größten Anbietern dieser Branche weltweit und so macht auch der Protagonist Al in dem Roman Sämtliche Niederlagen von Al Burian immer wieder Bekanntschaft mit diesem Unternehmen.

Al, der in Walla Walla, einem Vorort von Washington, aufgewachsen ist, zieht nach dem College nach Oregon und übernachtet zunächst bei Tedra. Seine Freunde Andrew, Bill und Nick sind wie Al schräge Typen, denen nichts so richtig gelingen will. Sie gehen wie er keiner geregelten Arbeit nach, rauchen Gras, konsumieren LSD oder Heroin. Für gut drei Wochen hat Al in einer Videothek gearbeitet. Als er dort gefeuert wird, kommt ihm das gelegen, denn er wollte sowieso mit seiner Band auf Tournee gehen. Bill gibt Al eines Tages den Tipp, dass er sich bei Manpower bewerben soll, doch hält er es nirgendwo längere Zeit aus. Auf einer Halloween-Party bei Tedra trifft er alle seine Freunde und seine Verflossene Ramsey wieder. An seinem Geburtstag besucht Al San Francisco und ist unentschlossen, ob er seinem verkorksten Leben mit einem Sprung von der Golden Gate Bridge ein Ende setzen soll.

Der Roman Sämtliche Niederlagen von Al Burian trägt autobiographische Züge, die der Autor auch deutlich macht, denn der Protagonist trägt seinen Namen und ist ebenfalls wie er in Walla Walla aufgewachsen. Im Leben seiner Romanfigur läuft nichts so, wie er sich das vorgestellt hat und er lebt in einem engen, düsteren Zimmer, wie in einem Sarg. Er stellt fest, dass viele Jahre für Bildung an der Universität verschwendet werden, um später doch bei einer Zeitarbeitsfirma wie Manpower und einem miesen Job zu landen. Nachtschichtarbeit führt zur Zerstörung von Beziehungen und nicht selten brechen die Unternehmen den Willen der Angestellten. Die Arbeiter sind kaum noch als menschliche Wesen zu erkennen und gefährden selbst in Kopierläden ihre Gesundheit.

Über seinen gleichnamigen Protagonisten äußert sich Al Burian zur Armut und zum sozialen Sicherungsnetz in den USA. Der Bürger, der sein Leben ohnehin verschwendet, hat die Wahl, ob er auf unbequemen Plastikstühlen beim Sozialamt sitzen oder durch Auspuffgase schlendern will. Die Windsurfer ahnen nichts von den durch Atomkraftwerke verseuchten Flüssen und der US Army macht man nicht wie der Hare Krishna Bewegung den Vorwurf, sie würden die Jugend verführen. Der Autor malt ein düsteres Bild der amerikanischen Gesellschaft, wo fettleibige Männer in dreckigen Unterhemden wie überhaupt alle, die nicht arbeiten, fernsehen und dahinvegetierende Mütter mit schreienden Kindern überfordert sind.

Al Burian erzählt seinen Roman Sämtliche Niederlagen in der Ich-Form. Schonungslos kritisiert der Autor die Sozialpolitik und prangert die unwürdigen Arbeitsbedingungen der Zeitarbeitsfirmen an. Dieses traurige Kapitel hat er auf eine sehr ironische, amüsante Weise umgesetzt, auch wenn er den Roman nicht mit einem „vernünftigen Ende“ abschließt, so ist dem Leser doch eine gute Unterhaltung auf hohem Niveau garantiert.

Al Burian, Sämtliche Niederlagen, Ventil Verlag 2013, Broschur, 184 Seiten, ISBN 978-3-931555-31-3, Preis: 13,90 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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