An die eigene Schulzeit werden sich im späteren Leben manche Erwachsene mit Wehmut erinnern, während andere froh sind, die verhasste Zeit des Schulalltags hinter sich gebracht zu haben. Für die Schüler eines Gymnasiums hat in dem Jugendbuch Real Me – Die Suche nach dem wahren Ich von Alexander Karl das letzte Schuljahr vor der Oberstufe begonnen und sie freuen sich auf die Klassenfahrt nach Malta. John ist über beide Ohren in Kris verknallt und muss zusehen, wie sie sich Jack an den Hals wirft. Bei Graham und Gwen funkt es und die naive Milana setzt sich mit ihren Bemerkungen über die sich Liebenden ins Abseits. Küsse werden ausgetauscht und erste sexuelle Erfahrungen gesammelt, so dass sich für die Clique die Frage aufdrängt, wer schon seine Jungfräulichkeit verloren hat. Das Beziehungskarussell dreht sich, denn Kris macht auch mit Sven rum und John vermutet eine gegen sich gerichtete Verschwörung.

Der Winter zieht ins Land, längst haben sich Paare zusammengefunden, feiern ihre sechzehnten oder schon siebzehnten Geburtstage, doch John ist scheinbar zum Singledasein verurteilt. Er weiß nicht mehr, auf welcher Seite sein bester Freund David steht und auch die neue Schülerin Anjuli kann er nicht recht einordnen. Auf wen kann er sich eigentlich noch verlassen? Fleißig schmiedet er Intrigen, sieht in die Handys seiner Freunde und hat manchmal sogar Schuldgefühle, wenn er sich zu viel in die Angelegenheiten der anderen eingemischt hat. Das Schuljahr geht zu Ende und es heißt Abschied vom Klassenverband nehmen. Für John zählt auch in diesen großen Ferien nur Kris, die er nicht aus seinem Kopf verbannen kann.

So sollte es sein, dass junge Autoren für Jugendliche schreiben! Alexander Karl, Jahrgang 1989, nimmt den jungen Leser mit auf die Reise einer Schulklasse, wie es sie überall geben könnte. Die Schüler chatten im ICQ und bedienen sich in ihren SMS so selbstverständlichen Abkürzungen wie „hdl“. Die Perspektiven, die sich für den Leser durch unterschiedliche Ich-Erzähler ergeben, sind äußerst interessant und unterstreichen die Authentizität der Schilderungen und Erlebnisse. Der im flüssigen Schreibstil gehaltene erste Band einer vierbändigen Romanreihe wird vom Verlag für 14 bis 16 Jährige empfohlen. Wenn es auch die Ortschaft Burgweiler gibt, so existiert der Ort der eigentlichen Handlung nicht. Dafür sind die erwähnten Ausgrabungsstätten und auch das Hotel auf Malta, in dem die Schüler untergebracht sind, real.

Der Leser kann sich gut in die Rolle des Protagonisten John hineinversetzen, der in den meisten Kapiteln erzählt. Und fast jeder Schüler wird für ihn Verständnis aufbringen, wenn er nach dem Sinn einer Klassenarbeit zum Thema „Kabale und Liebe“ fragt. Alexander Karl hat das wichtige Thema Verhütung angeschnitten und auch Tabus wie Bisexualität sowie Liebe unter Männern nicht ausgeklammert. Etwas unrealistisch wirken das permanent schöne Wetter und der Sonnenschein, die aber durchaus dem Wunschdenken der meisten Menschen entsprechen. Doch sind das nur Kleinigkeiten im Gegensatz zu den stellenweise gehäuft auftretenden Fehlern, die das schlechte Korrektorat des Verlags zu verantworten hat. Wenn man aber darüber hinwegsieht, bietet Real Me – Die Suche nach dem wahren Ich für Teenager bestes Lesevergnügen über Cliquenfreundschaft, verbunden mit der spannenden Frage, wer mit wem zusammen kommt.

Alexander Karl, Real Me – Die Suche nach dem wahren Ich, Papierfresserchens MTM-Verlag 2012, Taschenbuch, 406 Seiten, ISBN 978-3-86196-130-7, Preis: 13,70 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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