Ergreift ein Unschuldiger die Flucht, wird ihm genau das zur Last gelegt. Denn wäre er unschuldig, so die Behauptung, hätte er keinen Grund zur Flucht gehabt. Ähnlich argumentieren wir, wenn uns jemand etwas verschweigt. Gerade „Das Verschwiegene“ gibt Anlass zu Spekulationen, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und ein Urteil ist gesprochen. Um diese Thematik geht es auch in dem Roman von Linn Ullmann.
Siri lebt mit ihrem Mann Jon und den beiden Kindern Alma und Liv in Oslo. Beruflich ist sie als Betreiberin zweier Restaurants sehr eingespannt, während Jon an dem letzten Band einer Trilogie arbeitet. Da der Roman schon längst überfällig ist, kann er zum Lebensunterhalt nichts mehr beitragen und die Familie muss einen hohen Kredit aufnehmen. Den Sommer verbringen sie in einer norwegischen Küstenstadt bei Siris Mutter Jenny Brodal, die mit Irma in einer Holzvilla lebt. Da Jon sich auf seine Arbeit konzentrieren muss, engagieren sie für den erst fünfjährigen Liv die neunzehnjährige Mille als Kindermädchen.


Eine Fernsehmoderatorin wird in dem Roman „Boxenstopp“ von Christiane Neudecker für ein Event in Portugal gebucht, wo kaufwilligen Händlern der P7, das neueste Modell von Schneyder Motors, auf der Rennstrecke in Estoril vorgestellt wird. Obwohl die Moderatorin auf die Annäherungsversuche von Dr. Kilian Kaysert, dem Vorsitzenden von Schneyder Motors, nicht eingeht, lässt er nicht locker. Denn er ist gewohnt, immer alles zu bekommen, was er will und ist davon überzeugt, dass alles einen Preis hat. Auch Frauen! Als die Moderatorin vom Leiter des Produktmarketings hört, dass sie nun dem Boss gehören soll und dieser gewohnheitsmäßig nie für etwas eine Begründung abgibt, nimmt sie das nur ungläubig zur Kenntnis. Allerdings hat sie die Macht von Kaysert und die Drohung, dass ihre Schonzeit vorbei ist, gehörig unterschätzt!
Vier Männer, die außer Badminton nichts verbindet, unternehmen eine zehntägige Bootstour auf der Havel in Brandenburg. Patrick, der als Lektor arbeitet, hat soeben erfahren, dass ihn seine Freundin Cora, eine bekannte Popmusikerin, offensichtlich betrügt. Er ist froh, auf diese Weise dem Alltag entfliehen zu können und kauft reichlich Mousse au Chocolat als Proviant für die Fahrt ein. Mit von der Partie ist der evangelische Pfarrer Jan-Hendrik, kurz Henner, der weder schwimmen kann, noch vor dem Essen betet. Mark, der gerne mal kokst, kann alles und nichts, denn wovon er lebt, weiß eigentlich keiner so genau. Schließlich kommt mit Simon ein Handyfanatiker an Bord, der seine Finger weder von Zigaretten, noch von Frauen lassen kann und bevor er ein paar gewerbsmäßige Mädels für eine Nacht aufs Boot holt, klärt er Patrick, Henner und Mark über seine diesbezügliche, hemmungslose Sicht der Dinge auf. Für Patrick stellt sich nach einer ausschweifenden Orgie die Frage der eigenen Selbstachtung, zumal er von Pfarrer Henner etwas Überraschendes über seine Freundin Cora erfährt.
In dem Roman „Träum weiter, Mann“ von Volkmar Nebe und Ralf Pingel steigen zwei Männer in der Pension „Möwenwind“ in einem kleinen Ort an der Ostsee ab. Heiner Deuters quartiert sich hier ein, weil er dringend Ruhe braucht, um einen Roman schreiben zu können, während der Makler Gerald Schöning aufgrund eines Wasserschadens vorübergehend eine andere Bleibe finden muss. Ihr Problem ist der jeweils andere, denn beide haben sich in die Tochter der Wirtin verliebt und geben sich ihren Träumereien und Schwärmereien hin.
Tanja teilt sich mit Chris und Rolf, einem schwulen Pärchen, eine Wohnung in Stuttgart. Mit von der Partie sind die Möpse Earl und Mudel. Ihr Chef und neuer Lover Arne ist Tierarzt und beide arbeiten für die Tierrettung, für die sie zu Notfällen gerufen werden. Als Arne beruflich nach Langeoog fährt, trifft er dort auf seine Exfreundin Sandra. Das alleine sorgt schon bei Tanja für Eifersucht. Doch damit nicht genug: Er bringt Sandra auch noch mit zurück und lässt sie bei sich übernachten!
Die beiden Brüder, der achtjährige Karl und der zehnjährige Lorenz, leben in einem kleinen Dorf in der Oberpfalz. Ihre Mutter Hanna, die von den Dorfbewohnern hinter vorgehaltener Hand als Verrückte bezeichnet wird, hat sich das Leben genommen. Eine kleine grüne Mütze, die sie nach der Entlassung aus der Psychiatrie von einem Arzt geschenkt bekommen hatte, ist vor elf Tagen verschwunden. So setzte sie sich einen rosa Schlüpfer auf den Kopf und sprang vom Balkon. Der Vater Randolph Brauer vermietet vierzehn Fremdenzimmer im Haus, die als die schönsten im Ort gelten. Nach der Saison, wenn die Touristen ausbleiben, arbeitet er in einer nahegelegenen Fabrik. Nun muss der Vater den toten Körper von Hanna nach Den Haag bringen, um sie in der Familiengruft der van Dohls beizusetzen. Die beiden Jungen bleiben in der Obhut der Haushälterin Frau Kratzler und des Dauergastes Herr Murmelstein zurück. Frau Kratzler wurde wie ein Erbstück von einer Generation zur nächsten weitergegeben, niemand kann sich an eine Zeit ohne sie erinnern und deshalb sind Karl und Lorenz davon überzeugt, dass sie die älteste Frau der Welt ist.
Täter sind immer auch Opfer. Aber erst, wenn es zu spät ist, wird nach den Hintergründen und Ursachen gefragt. Martin Schäuble zeichnet in dem Buch „Black Box Dschihad“ biographisch die Umstände auf, die zwei junge Männer zu islamistischen Terroristen machte.