Kann ich dir jemals wieder vertrauen? von Andrew G. Marshall

Kann ich dir jemals wieder vertrauen?
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Andrew G. Marshall beginnt seinen Ratgeber Kann ich dir jemals wieder vertrauen? mit einer kurzen Einführung und statistischen Daten. Vorweg schickt er, dass jede Krise zur Bewältigung nicht nur Wochen, sondern Monate braucht und man in ihr nicht nur eine Gefahr, sondern immer auch eine Chance sehen sollte. Anschuldigungen jeglicher Art sollten unterbleiben und besser wäre es, Fragen zu stellen, um zu einem Gespräch zu kommen. Er geht auf die Körpersprache ein, mit der Lügen entlarvt werden können und klärt den Begriff einer Affäre überhaupt und wo die Grenzen echter Freundschaft liegen.

Marshall propagiert Ehrlichkeit, weil man nicht über die Verfehlung, sondern über die Vertuschung stolpert. Und er geht darauf ein, welche Rolle Sex bei der Untreue spielt. Dann wendet er sich den Gründen zu, die zur Untreue führen können, wobei meist erst ein Problem besteht, dazu eine schlechte Kommunikation untereinander kommt und letzten Endes die Versuchung. Er unterscheidet zwischen verschiedenen Arten von Affären und rät den jeweiligen Betrogenen, nicht auf Zeichen des Anderen zu warten oder zu glauben, er könne Gedanken lesen, sondern direkt sagen, was ihm helfen könnte. Unter einer guten Entscheidungsfindung versteht der Autor einen Gewinn für beide, also eine Kompromisslösung, wobei das Problem darin besteht, dass der Überführende auf Garantien zum Funktionieren besteht, der Überführte im Gegenzug sich verpflichtet fühlt, ein Versprechen zu geben.

Oftmals ist es schwierig, ein verloren gegangenes Vertrauen wieder aufzubauen, wenn kurze Augenblicke der Hoffnung nicht mehr genossen werden können. Es ist nötig, viel zu reden, aber es sollten auch die Freude, der Spaß und die Verspieltheit nicht zu kurz kommen. Sonst kann es aus heiterem Himmel zu sogenannten Nachbeben kommen. Marshall meint auch, dass man nicht immer alles ausgraben sollte und alles wissen muss. Der Unterschied zwischen der alten Beziehung und einer Affäre besteht darin, dass die Ehe vom Alltag begleitet wird, man den neuen Partner nur in leuchtenden Farben, durch die rosarote Brille sieht und an ein märchenhaftes Happy-End glaubt. Man verstrickt sich in Tagträumen. Die tiefe Verwurzelung zum Partner wird oft erst festgestellt, wenn es zu spät ist. Wird eine Affäre nicht mehr heimlich geführt, verliert sie schon ihren Kitzel.

Niemand sollte sich als Inquisitor aufführen und den Ankläger spielen, sondern es sollte an der Verbesserung der Beziehung gearbeitet werden. Doch woran erkennt man, dass man sich auf dem Weg der Besserung befindet? Das sicherste Zeichen ist, wenn wieder gemeinsame Zukunftspläne geschmiedet werden und der Autor gibt Tipps, wie man diesen Auftrieb erfährt. Er schreibt, wie man wieder Sex miteinander haben kann und auch, wie ein gutes Sexualleben aussieht. Er kennt keine Tabus und geht sowohl auf Prostitution, als auch auf Bisexualität ein.

Andrew G. Marshall, der auf eine über 25-jährige Berufserfahrung als Paartherapeut blicken kann, hat in Kann ich dir jemals wieder vertrauen? versucht, beiden Partnern gerecht zu werden. Er wendet sich direkt an den Betrogenen, wie auch an denjenigen, der eine Affäre hat. Und dieser Balanceakt ist ihm in dem vorliegenden Werk gut gelungen.

Andrew G. Marshall, Kann ich dir jemals wieder vertrauen?, Goldmann Verlag 2011, Taschenbuch, 384 Seiten, ISBN 978-3-442-17228-3, Preis: 8,99 Euro.

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