In der Suite des Hotels de Rome in Berlin wird ein Callgirl vom Nachtportier tot aufgefunden. Wie Kommissar Martin Nettelbeck und sein Kollege Wilbert Täubner von der Managerin des Hotels erfahren, hat ein Attaché der Botschaft von Oman die Suite für eine Nacht gebucht. Noch ist unklar, ob es sich um einen Unfall oder Mord handelt, doch selbst wenn man dem Attaché einen Mord nachweisen könnte, genießt er diplomatische Immunität. Kriminaldirektor Roger Delbrück besteht trotzdem auf einer Untersuchung, denn wegen fehlender Papiere muss noch die Identität des Opfers geklärt werden. Wegen der Verbindungen zu diplomatischen Kreisen, die größte Diskretion erfordern, soll Nettelbeck für die Ermittlungen seinen Urlaub verschieben. Zähneknirschend willigt er ein und will seiner Familie in den seit Wochen geplanten Urlaub nach Ghana nachreisen, sobald er abkömmlich ist.

Dem ehemaligen Schlagerstar Roman Weiden, der vom mehrfachen Millionär in die Armut gestürzt ist, wird vom Amtsgericht die Restschuldbefreiung aberkannt, weil er seinen Porsche verschwiegen hat. Für die Anzeige macht er seinen ehemaligen Finanzberater Maximilian Hollweg verantwortlich, an dem er sich rächen will. Hollweg steht in Verhandlungen mit dem Botschafter Al Hosni über den Bau eines Ferienresorts vor Omans Küste. Da Hollweg als Rollstuhlfahrer auf Hilfe angewiesen ist, ist sein Assistent Jens Todsen immer bei ihm, dem im Botschaftsgebäude ein Kindermädchen auffällt, das ihm offensichtlich etwas mitteilen will. Doch dann wird ein Sprengsatz vor der Botschaft gezündet, woraufhin Nettelbeck und Täubner einen weiteren Mord aufklären müssen.

Rainer Wittkamp stellt in seinem Kriminalroman Hyänengesang noch auf den letzten Seiten neue Handlungspersonen vor, da er neben den Einblicken in das Milieu der Botschafter, das sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht, auch eine Reihe von Nebenschauplätzen präsentiert. Da gibt es den Kumpel Kutte des mittlerweile verarmten Stars Roman, der mit einem „Currywurstimperium“ reich geworden ist; die geschiedene Frau von Roman, der ein Neuanfang gelungen ist; den Assistenten Jens, der ein Gelübde zu erfüllen hat und das Schicksal des Kindermädchens, das den Hass der Diplomatengattin zu spüren bekommt.

Anstelle gewalttätiger Szenen bietet der Krimi interessante und wertvolle Hintergrundinformationen zum Teufelsberg und dem Hotel de Rome in Berlin sowie zum äußerst zeitaufwendigen Gericht Shoowa, das nur zu besonderen religiösen Feiertagen im Oman zubereitet wird. Über das Buch verstreut finden sich Darlegungen zum Jazz inklusive einiger bedeutender Musiker dieser Richtung. Der Autor erinnert an das Schicksal zehntausender Kinder in Indien, die in ungesicherten Kohleminen schuften müssen, und auch an rund 60.000 Vietnamesen, die als sogenannte „Vertragsarbeiter“ in die ehemalige DDR geholt und nach der Wende nicht mehr gebraucht wurden. Der Nebelparder ist übrigens nicht der Fantasie des Autors entsprungen, sondern ein vom Aussterben bedrohtes Tier. Neben der Fülle an Informationen bietet der raffinierte und ausgeklügelte Kriminalroman Hyänengesang von Rainer Wittkamp aber auch Spannung und mit Martin Nettelbeck einen Kommissar, der nur das sieht, was er sehen will und somit eine eigene Interpretation von Gerechtigkeit hat.

Rainer Wittkamp, Hyänengesang, Grafit Verlag 2017, Taschenbuch, 223 Seiten, ISBN 978-389425-486-5, Preis: 11,00 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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