Helena Seeger erkennt nach dem Tod ihrer Mutter, dass ihr zunehmend depressiver Vater Herbert nicht länger alleine wohnen kann. Mit ihrer Schwester Irene will sie eine Lösung finden, doch will die sich auf keinen Fall um den Vater kümmern, da sie gerade eine Stelle als Schulleiterin angetreten hat. Stattdessen schlägt sie vor, dass Helena mit ihrem Sohn Jakob zum Vater ziehen soll. Überraschend zeigt sich Jakob von der Idee begeistert, weil damit auch für seine Freundin Annika genug Platz wäre. Da sich auch Helenas Freund Burkhard von dem Vorschlag Vorteile verspricht, lässt sich Helena schließlich überreden und zieht nach einem Umbau in das Haus mit Garten ihrer Kindheit ein.

Obwohl Burkhard, selbst auch geschieden und Vater einer Tochter, ihr versprochen hat, dass sie sich nun öfter sehen, kommt er aber immer nur kurz vorbei und hat nie Zeit für Helena. Ihr Vater sitzt häufig nur vor dem Fernseher und Jakob hat Liebeskummer. Als Burkhard mit seiner Tochter in den Urlaub fährt und Britta, ihre Chefin von der Buchhandlung, ebenfalls, lädt sie ihr geschiedener und mittlerweile wieder verheirateter Ehemann Armin zu Dreharbeiten seiner Produktionsfirma auf Amrum ein. Helena ist sich darüber im Klaren, dass seine berufliche Karriere der Grund für die Trennung war, doch überwiegt die Sehnsucht, ans Meer zu fahren. Auf der Insel brechen alte Gefühle aus, zumal Armin ihre große Liebe war. Doch nach ihrer Rückkehr muss sich Helena der Realität stellen, dass ihr weder Burkhard, noch Armin den Halt geben, den sie so dringend benötigt, und auch ihren Vater, der sich verändert hat, erkennt sie nicht wieder.

Eine eigene Geschichte innerhalb des Romans Helenas Männer von Franziska Stalmann betrifft Briefe, die ohne Absender an Helena Seeger gerichtet sind und von einem Roberto unterzeichnet sind. Er schreibt darin von seiner großen Liebe zu ihr, dass sie sich seit der Schulzeit kennen und heiraten wollten. Helena, die selbst kein Glück in der Liebe findet, kann diesen ihr unbekannten Roberto nur zu gut verstehen und fühlt mit seiner ungestillten Sehnsucht. Vergeblich versucht sie ihn auszumachen.

An einigen, wenigen Stellen erschweren Zeitsprünge, die nicht durch einen Absatz kenntlich gemacht werden, im ersten Moment das Verständnis, zumal Helena nicht nur die zurückliegenden Ereignisse, an die sie sich erinnert, sondern auch ihre momentanen Erlebnisse in der Vergangenheit erzählt. Zu ihrem Sohn hat sie ein ganz ungezwungenes Verhältnis, denn auch, wenn er zu Hause ist, geht sie ungeniert mit ihrem Freund Burkhard ins Bett. Franziska Stalmann lässt Helena mit herrlich trockenem Humor berichten, wobei der Tonfall im Verlauf des Romans zunehmend sarkastisch wird oder auch zum Schmunzeln verleitet, wenn sich der zuvor „zuverlässige Vater“ in ein „Überraschungsei“ verwandelt.

Zumindest den weiblichen Lesern fällt eine Identifikation mit der Protagonistin leicht und sie können ihre Hin- und Hergerissenheit nachempfinden. Immer muss Helena für alle da sein, musste ihren Sohn alleine großziehen und sich jetzt um ihren Vater kümmern. Jeder will sich verwirklichen und verlangt von ihr Verständnis, bis sie nicht mehr bereit ist, alles hinzunehmen und sich fragt, wo sie am Ende bleibt. Der Roman Helenas Männer, der von Franziska Stalmann sehr einfühlsam geschrieben ist, handelt von großer Liebe und erscheint dem Leser dabei doch nie trivial.

Franziska Stalmann, Helenas Männer, Diana Verlag 2015, Klappenbroschur, 334 Seiten, ISBN 978-3-453-35861-4, Preis: 9,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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