Feinde von Susanne Saygin

FeindeDer deutsch-türkische Polizist Can Arat, der beim Kriminalkommissariat für Todesermittlungen in Köln arbeitet, wird von seiner Vorgesetzten Kriminalhauptkommissarin Simone Kerkmann zu einem Doppelmord an zwei bulgarischen Roma gerufen, die in einer ungewöhnlichen Stellung fixiert in der Nähe eines Wertstoffhofs gefunden wurden. Alles deutet darauf hin, dass es sich bei den beiden Toten um Stricher handelt. Allerdings erweisen sich die weiteren Ermittlungen als äußerst schwierig, denn die Pässe der beiden, die vermutlich aus Plodiv in Bulgarien stammen, sind gefälscht. Bei der Stricherhilfe, einem gemeinnützigen Verein, sind die beiden jungen Männer nicht bekannt, und während ihrer weiteren Nachforschungen im Roma-Milieu stoßen Can und Simone auf eine Mauer des Schweigens.

Am nächsten Tag werden in einem Baucontainer zwei weitere bulgarische Roma mit falschen Papieren gefunden, die getötet und dann auf die gleiche Weise fixiert wurden wie die beiden anderen Mordopfer. Daraufhin meldet sich der Bulgare Jossif Babatov, der den Ermittlern berichtet, wie er und einige andere Männer in Plodiv für eine gut bezahlte Arbeit auf deutschen Baustellen angeworben wurden. Sie mussten zwölf bis vierzehn Stunden arbeiten, wurden von der Security an ständig wechselnden Orten in erbärmlichen Behausungen eingesperrt und bekamen nur ein Drittel des versprochenen Lohns. Als sich die Männer beschwerten, lud der Chef der Security die vier Rädelsführer zu einem Gespräch in einen Transporter ein und die anderen wurden von der Baustelle gejagt.

Die weiteren Ermittlungen ergeben, dass die Bulgaren auf den Baustellen von Christof Nolden gearbeitet haben, der sie von rechtsextremen Hooligans bewachen ließ. Der Bauunternehmer ist nicht nur bestens vernetzt, er hat auch mächtige Freunde in den Behörden und der regionalen Politik, die ihm öffentliche Bauaufträge zuschanzen. Dafür spendiert er der Stadt ein neues Stadion, das er für den Kölner Fußballverein Stellwerk baut. Als Simone dem zuständigen Staatsanwalt die Ermittlungsergebnisse vorlegt, erläutert er ihr, warum es für sie besser wäre, den Fall als Abrechnung im Roma-Milieu zu den Akten zu legen. Als sie resigniert, ermittelt Can auf eigene Faust weiter, denn der Fall weist überraschende Parallelen zu der Ermordung seiner Freundin Marie auf. Sie und ihre Freunde haben fast anderthalb Jahre Billiglöhnern aus Südosteuropa, die weder Geld noch Papiere hatten, dabei geholfen, zurück zu ihren Familien zu kommen. Nun lässt sich Can für seine verdeckten Ermittlungen als Roma nach Plodiv in Bulgarien schleusen und begibt sich dabei in größte Gefahr.

Über fünf Jahre hat Susanne Saygin für ihren Roman Feinde recherchiert, was dem Werk auch deutlich anzumerken ist. Sie schildert die Lebenssituation der bulgarischen Roma, die zu Dumpinglöhnen auf deutschen Baustellen arbeiten, weil sie in ihrer Heimat keine Arbeit finden, sehr realistisch. In ihrem Erstlingswerk schreibt die Autorin kritisch über Zwangsprostitution von Frauen und Kindern aus Südosteuropa, Rechtsextremismus in der Hooligan-Szene sowie den Verstrickungen von Behörden und regionalen Politikern mit dem Baugewerbe. Dabei ist es ihr gelungen, gesellschaftskritische Themen geschickt in einen Roman zu verpacken. Die eigentliche Handlung ist chronologisch aufgebaut, wobei der Leser durch Rückblenden und Einschübe mehr über die Handlungspersonen erfährt. Diese Hinweise sind zwar unterhaltsam, verhindern allerdings, dass wirklich Spannung aufkommt. Hätte die Autorin nicht unbedingt einen Thriller schreiben wollen, bei dem ein Spannungsbogen zwingend erforderlich ist, wäre Feinde sicherlich ein hervorragender Roman geworden. Doch leider schleppen sich die Ermittlungen dahin, und der Protagonist Can Asat schluckt eine Ibuprofen nach der anderen, obwohl das weder ihm, noch dem Plot hilft. Nur langsam gewinnt die Handlung an Fahrt, ist aber von dem Genre Thriller weit entfernt. Erst zum Ende hin wird es dann doch spannend, aber auch völlig realitätsfremd und unglaubwürdig.

Bildquelle: Heyne Verlag

Feinde von Susanne Saygin

  • Heyne Verlag 2018
  • Klappenbroschur
  • 352 Seiten
  • ISBN 978-3-453-43889-7
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